Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1888)
- Date
- 1888-05-31
- Page
- Seite 347 (sequence 11)
- Language
- German
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347 Grenzen des Reiches nicht bleiben könne», durch Unterschrift die Verpflichtung aufzuerlegen, daß sie im Verlaufe eines Monats vom Tage der Angabe der Unterschrift an gerechnet, freiwillig ins Ausland zurückkehren; 2) die den genannten Juden znm Aufenthaltsrechte in Rußland ertheilten Aufenthaltsfcheine, getrennt von den Nationalpässen, in meine Kanzlei einzuliefern und auf den Nationalpässen selbst die publicirte Verfügung und den zur Abreise festgesetzten Termin zu vermerken; 3) gleichzeitig mit der Abnahme der Unterschrift zur freiwilligen Abreise aus den Grenzen des russischen Reiches diese meine Verfügung den Besitzern von Etablissements, in denen genannte Ausländer in Diensten stehen, sowie den Hausbesitzern und Hausverwaltern, bei denen sie wohnen, zur Kenntniß zu bringen; 4) nach Verlaus eines Monats, vom Tage der Abgabe der Unterschrift an, oder der formellen Publicirung des Befehls zur Abreise mir zwei Verzeichnisse von den ausländischen Juden einzureichen, eins von den freiwillig ins Ausland abgereisten, das andere von denjenigen, die dieser Verfügung nicht Folge leisteten und zwar mit der Angabe der Nationalität, der Kennzeichen, des Familienbestandes und des Berufes derselben, um sie aus den Grenzen des russischen Reiches zu entfernen; 5) diejenigen Besitzer von Etablissements und Häusern, welche ungeachtet der vorliegenden Verfügung bei sich ausländische Juden, die kein Aufenthalisrecht in Rußland besitzen, beschäftigen oder beherbergen, zur gerichtlichen Verantwortung zu ziehen und die friedensgerichtlichen Urtheile zu meiner Kenntniß zu bringen." — Soweit das Circular. Wie daraus leicht zu ersehen ist, erstreckt sich die Ausweisung der Ausländer nur auf Juden, keineswegs aber, wie es irrthümlich angenommen wurde, auch auf Christen. Auch die Taufe scheint, da davon in diesem Circulare nichts erwähnt wird, kein Radicalmittel gegen die Ausweisung zu sein. Das wäre jedenfalls zu wünschen. — A—n. Rumänien. Bukarest, 16. Mai. Aus der Moldau wird der Grenzübertritt in mitleidswerthem Zustande zahlreicher aus Rußland vertriebener Judenfamilien gemeldet. (Es sind dies wahrscheinlich rumänische Juden — aber welcher Empfang wartet der Unglücklichen in Rumänien!!) Bonn, 27. Mai. (Notizen.) Aus Pest wird uns geschrieben: Albert Sterenyi alias Stern ist den 17. d. M. in der Irrenanstalt seinen Leiden erlegen und wurde Tags darauf auf dem hiesigen israel. Friedhofe in aller Stille beerdigt. Stern, der sich erst vor einigen Jahren magyarisirt hat, war früher ein strebsamer Mann, dem es auch nicht an Wissen fehlte. Durch die Leichtfertigkeit, mit der er als Rabbiner von Neu-Pest Scheidungen und gesetzwidrige Trauungen vollzog, ist Neu-Pest in weiteren Kreisen bekannt geworden. Seiner Stelle entsetzt und schon geisteskrank, versuchte er auf sonderbare Principien in Pest eine neue Gemeinde zu gründen. Die meisten seiner Söhne gehören dem Judenthume nicht mehr an. Pest, den 20. Mai. (Literarische Notizen.) Die Herren Dr. H. und I. Goldmann in Warschau haben in Verein mit mehreren Gelehrten ein Werk begonnen, das allgemeine Beachtung verdient: eine allgemeine Encyklopädie in hebräischer Sprache unter dem Titel von der die erste Lieferung in Lexikonformat und in schöner Ausstattung vorliegt (Warschau, Goldmann 1888). Diese Encyklopädie verspricht reichhaltiger zu werden, als alle bereits vorhandenen, insofern sie in vorderster Reihe die Jude», ihre Geschichte und Literatur berücksichtigt. Das erste Heft, das bis Oiox px reicht, enthält u. a. beinahe 110 x::x, 13 Abdimi, mehrere Abuab, Abulafia u. s. w. Wir wünschen dem Unternehmen, das in halbmonatlichen Lieferungen erscheinen soll, den besten Fortgang; daß es von unseren Glaubensgenossen im Osten als neueröffnete Wissensqnelle freudig begrüßt wird, daran ist nicht zu zweifeln. — Dem verewigten Präsidenten des hiesigen Concordia- Bereins, Carl Ludwig Ritter von Posner, hat Herr D. H. Spitzer, der Ehren-Vicepräsident des Vereins, eine Gedenkrede gehalten, welche laut Beschluß der General-Versammlung dem Drucke übergeben wurde; dieselbe liegt in glänzender Ausstattung vor. Der sprachgewandte Redner beantwortet! in seiner Rede die Frage: „Was war Posner für den „Concordia-Berein" und was hat er für denselben gethan?" und j entwirft ein vollendetes Bild des Gefeierten, dessen Porträt! der Rede beigegcben ist, sowie der segensreichen Wirksamkeit des Vereins. vr. Kayserling. e u r l t c t o n. Samuel Salomonowitsch Poljakow. Man hat sich auch in Israel gewöhnt, nicht mehr allein den Männern Verdienst und Anerkennung zuzuschreiben, welche sich als Lehrer der Religion oder überhaupt im Schriftthum hervorgethan haben, sondern den verdienten Lorbeer auch um die Schläfen derer zu winden, welche durch Thatkraft, Charakter und Ueberzeugungstreue eine hervorragende Stellung! erstiegen haben. Zu diesen gehört sicherlich der in der Ueber- 22"