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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-05-24 · Heft 21 (24.5.1888) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 21 (24.5.1888)
Date
1888-05-24
Page
Seite 332 (sequence 12)
Language
German
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332 2527 fl. 35 kr., welcher dem Vermögens-Conto gutgeschrieben wurde und mit welchem Ueberschuß das im Jahre 1886 ausgewiesene Deficit von 1592 fl. 35 kr. ausgeglichen erscheint. Ferner sind als außerordentliche Einnahmen an Stiftungen und Legaten zu Gunsten der Chewra-Kadischa und ihres Siechenhauses eingestossen 3775 fl. baar und 7500 fl. in Werthvapieren. Der Siechenhaus-Fond betrug Ende 1887: 64,317 fl. Präses der Cbewra-Kadischa ist seit einer Reihe von Jahren Hr. Carl Reuß, der diesem so segensreich wirkenden Vereine mit seltener Hingebung Zeit und Kraft widmet. Frankreich.. Paris, 8. Mai. (Privatmitth.) Das jüngste Heft der Revue des Etudes juives (Januar bis März 1888) bringt auch den Bericht über die Generalversammlung des Vereins vom 21. Januar. In derselben wurde außer^ den üblichen Berichten auch die Wahl des Präsidenten für das nächste Jahr getroffen, und diese fiel einstimmig auf den emerit. Prof. A. Franck, Mitglied des Instituts. Derselbe dankte mit herzlichen Worten, erklärte dann, daß er kein „Gelehrter" (erudit) sei und fuhr fort: „Nach meinem Leben, nach der Richtung, die ich meiner geistigen Existenz gegeben, ist das Gebiet, auf welchem ich lebe, das der Ideen, der Empfindungen. Unter diesen Ideen giebt es eine, welche mir die kostbarste und theuerste ist, die mir die ernsteste und tiefste Erregung verursacht, nämlich die, daß die Ueberzeugung, daß unsre Race, unser Cultus zu den größten Wohlthaten des Menschengeschlechtes gehören. Die jüdische Race, der jüdische Cultus, trotz der Unbillen, deren Gegenstand sie während langer Jahrhunderte waren, können den Vergleich aushalten mit den größten Institutionen und den größten Namen dieser Welt. Die Griechen, sicherlich, haben uns die Philosophie und die Künste gegeben, die Römer, nachdem sie die Welt durch ihren blutigen Ehrgeiz verwüstet hatten, haben uns Traditionen der Politik und des Rechtswesens überlassen; aber der Glaube an einen Gott, Vater des ganzen Menschengeschlechts, an einen Gott, vor welchem alle Unterschiede der Racen und des Geschickes verschwinden, an einen Gott, der nicht bloß der Richter, sondern auch der Vater aller Wesen ist, diese Idee gehört dem Judenthume und ihm allein. Dies ist die Idee, welche ich mit mir tragen werde in die Zufluchtsstätte, die uns Alle erwartet, und die ich denen mit einer unerschütterlichen Ueberzeugung hinterlaffen werde, welche meinen Namen tragen werden, und denen, die um mich her geboren worden. Deshalb haben Sie mir die Ehre erwiesen, mich zu Ihrem Präsidenten zu wählen, und ich werde streben, meine Pflicht zu erfüllen." Diese beredten Worte des ehrwürdigen Greises machten einen tiefen Eindruck, und erst nach einer kleinen Pause brach ein wahrer Beifallssturm aus. — Die Gesellschaft ist auf ihrem bisherigen Standpunkte in Bezug auf ihre Mitgliederzahl und ihre Finanzen stehen geblieben. Tie Einnahmen betrugen 12,153 Frcs., die Ausgaben 11,921 Fres. Außer den Verwaltungskosten ist es die Herausgabe der Revue, welche den größten Theil in Anspruch nimmt. Paris, 10. Mai. (Privatmitth.) Unsre Zeit hat uns genug Beispiele gebracht, daß Männer, die nach politischer Höhe streben, aber wenig Geist und Gedanken besitzen, sich Schlagwörter aneignen, welche auf die Leidenschaften der Menge Einfluß zu üben versprechen, namentlich aber des Antisemitismus. Man redet dem Volke ein, die sozialen Uebel rühren von den Juden her, und nun verspricht man, das Volk von dieser Last zu befreien. Diesen Weg hat auch der General Boulanger beschritten, der in allen Punkten dem Napoleon III., als dieser die Herrschaft über Frankreich anstrebte, nachahmt; da er aber auch etwas Eigenes zu haben wünscht, sich gegen die Juden erklärt, was Louis Napoleon niemals gethau. In einer Unterredung mit einem gewissen Avronsart äußerte sich Boulanger dahin, daß er u. A. als seine Hauptaufgabe „sobald er die Regierung in Händen haben würde, die Abschaffung der Judenwirthschaft" (debarasser la El an66 de la Juiverie) betrachte. Diese Aeußerung machte um so mehr Aufsehen, als zu den treuesten und vielleicht uneigennützigsten Anhängern Boulangers leider! auch Juden gehören. So der Senator Naquet, Bicepräsident des boulangistischen Comites, der Direktor der „Eanterne", Eugene Mayer, der Abgeordnete und Exoffizier Laisant, der Casino- Direktor Bloch und endlich der Verwalter der „Coearde“ Levy Mayer. Alsbald erklärte Boulanger, daß er diese Aeußerungen nicht gethan. Aber Avronsard beruft sich auf seine allgemein anerkannte Wahrheitsliebe und drückt sein Bedauern darüber aus, daß Herrn Boulanger sein Gedächtniß wieder einmal schlecht bedient habe. Andererseits bemüht sich die Cocarde, Boulanger zu entschuldigen. Unter Juiverie verstehe der zukünftige Dictator nur eine kleine Zahl Juden und nicht ausschließlich solche. Es gebe in Frankreich einschließlich Algerien noch nicht 100,000 Juden, und diese zeichneten sich nicht allein in allen Lebensberufen aus, sondern bethätigten auch ihren Patriotismus mit aller Hingebung und allen Opfern, die erforderlich sind, um sich als echte Söhne Frankreichs zu erweisen. Unter juiverie verstehe Boulanger etwa 20 Geldanhäufer, unter welchen jedoch auch Katholiken und Protestanten, der Mehrzahl nach Juden, sich befinden. Diese 20 übten einen großen Einfluß auf die finanziellen Verhältnisse und nicht minder auf die Regierung selbst. Die Juiverie habe den Sturz Gambettas und Boulangers bewirkt, und sie müsse daher aus ihrer maßgebenden Stellung vertrieben werden. So, noch ausführlicher, die Co»

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