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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-05-24 · Heft 21 (24.5.1888) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 21 (24.5.1888)
Date
1888-05-24
Page
Seite 329 (sequence 9)
Language
German
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329 mann habe schon einen langen Bericht geschrieben; der wäre ganz schön. Malkewitz beschränkt sich auf die Bemerkung, daß er den Bericht im guten Glauben an dessen thatsächliche Richtigkeit von dem Berichterstatter angenommen habe. Fast sämmtliche Zeugen sprechen sich dahin aus, daß der Sinn des Vortrages in dem Zeitungsbericht richtig, in verschiedenen Punkten in verschärfter Form wiedergegeben sei. Liebermann versicherte noch einmal, daß er weder die in dem Bericht befindlichen beleidigenden Wendungen gebraucht, noch die hohen Beamten der Reichsbank habe beleidigen wollen. Das Urtheil lautete: Malkewitz ist mit einer Woche Gefängniß, Libermann mit einer Geldstrafe von 150 Mark, bezw. fünfzehn Tagen Haft zu bestrafen. Der Gerichtshof nahm an, daß es nicht genügend erwiesen sei, daß Liebermann wirklich diese Aeußerungen so gethan, weshalb nur auf eine Geldstrafe zu erkennen sei. Düsseldorf, 11. Mai. Gestern hielt der Verein zur Verbreitung und Förderung des Handwerks unter den Juden (Sitz: Düsseldorf) im Hotel Heck zu Düsseldorf seine ordentliche Generalversammlung ab. Nachdem der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Wedell des Heimgangs des Kaisers Wilhelm gedacht hatte, machte er Mittheilung von einem Schreiben des Herrn Oberbürgermeisters Lindemann, in welchem derselbe den „verdienstlichen Vereinsbestrebungen" seine Anerkennung ausspricht, demselben „ferner vollen Erfolg" wünscht, und sein Bedauern ausspricht, in Folge anderweiter Inanspruchnahme nicht persönlich erscheinen zu können." Nachdem der Versammlung noch davon Kenntniß gegeben worden^ daß ein vom Verein ausgebildeter Lylograph, welcher bei Herren Brend'aniour u. Co. seine Lehre bestanden hatte und viele Jahre als Gehilfe thätig gewesen war, ein eigenes Atelier errichtet habe, ferner, daß der Verein seit 1. April ca. 100 neue Mitglieder gewonnen und auch eine Reihe von Lehrlingen wieder ausgenommen habe, wurden in Erledigung der Tagesordnung Herr Amtsrichter Frank von Düsseldorf und Herr I. Levy jr., Köln, neu und die Herren Stadtverordneter Gustav Herzfeld, D. Fleck und Jos. Levison von Düsseldorf, als Vorstandsmitglieder und die Herren Jos. Baum und Mich. May als Revisoren pro 1888-89 gewählt. Ten Schwerpunkt der Versammlung bildete die gleichzeitig veranstaltete Ausstellung von Lehrlingsarbeiten, welche zahlreich beschickt war. Für die Güte der eingelieferten Arbeiten spricht der Umstand, daß dieselben von anwesenden Besuchern und zum kleineren Theil als Prämien angekauft wurden. Die Prämiirung erfolgte um 1 Uhr. Derselben ging eine Ansprache des Herrn Rabb. Or. Wedell voran. Oesterreich-Ungarn. Wien, 11. Mai. Die „Voss. Z." schreibt: Unter den Lehren, welche die österreichische Presse aus dem Schönerer- Prozeß gezogen hat, verdient diejenige die weiteste Beachtung, daß die jahrelange Wirksamkeit dieses Mannes in der österreichischen Jugend eine Neigung zu Gewaltthätigkeiten groß gezogen, deren unliebsame Ausbrüche noch fortdauern werden, wenn Schönerer schon unschädlich gemacht ist. Vorgänge an der Wiener Universität haben gestern wieder einen neuen Beweis dafür erbracht; ein eigener Drahtbericht meldet uns darüber: Gestern Morgens fand im Arkadenhofe der Universität die Enthüllung des Standbildes für den gewesenen Justizminister, Professor Glaser (einen getauften Juden!), statt, wobei die Spitzen der deutschen Partei, Schmerling, Chlumecky und andere Abgeordnete, der Richterstand und das Professorenkollegium im Ornat anwesend waren. Bei der Gedenkrede des Rektors Vogel veranstalteten antisemitische Studenten durch Scharren mit Füßen eine solche Demonstration, daß die bereits begonnene Rede unterbrochen werden mußte. Der akademische Senat ordnete eine strenge Untersuchung an. Wien, 15. Mai. Je vernichtender das gerichtliche Urtheil über Schönerer ausgefallen ist, desto eher konnte mau voraussetzen, daß seine Anhänger Alles aufwenden werden, um ihn gewissermaßen schadlos zu halten. Einer Kundgebung zu Gunsten Schönerer^ am Sonnabend Abend, an welcher Tausende theilnahmen, bewies, wie unbehindert die Antisemiten in Wien ihr Unwesen treiben dürfen. Ueber die durch angeschlagene und vertheilte Zettel Tags zuvor schon angekündigte Kundgebung berichtet die „N. Fr. Pr.": Gegen 7 Uhr Abends sammelten sich vor der Wohnung Schönerer's in der Bellariastraße einige Hundert Menschen, zumeist Studenten und andere junge Leute, deren Zahl durch neugierige Spaziergänger, die stehen blieben, immer mehr anwuchs. Bald darauf kamen die Freunde und Anhänger Schönerer s in einer langen Reihe von Wagen angefahren; es befanden sich darunter die zur antisemitischen Partei gehörigen Abgeordneten und Gemeinderäthe, ferner alle jene Personen, die in den antisemitischen Versammlungen eine Rolle zu spielen pfiegen. Auch Damen nahmen an der Auffahrt Theil. Die Wagen hielten einer nach dem anderen vor dem Hause, wo Ritter v. Schönerer wohnt, die Theilnehmer der Demonstration stiegen aus und begaben sich in die Wohnung, wo sie der Gemahlin Schönerer's Blumensträuße überreichten und derselben die Versicherung aussprachen, daß sie ihrem Gatten trotz dessen Verurtheilung stets unwandelbar ergeben sein und treu anhängen werden. Die Menge auf der Straße verhielt sich Anfangs ruhig, und erst als einige bekannte Führer der antisemitischen Partei angefahren kamen, wurden dieselben mit Hochrufen begrüßt. Auch nahm das Gedränge in der Bellariastraße immer mehr zu, so daß dadurch der Wagenverkehr gehemmt wurde und die Polizei, die sich bis 21

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