Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1888)
- Date
- 1888-05-24
- Page
- Seite 326 (sequence 6)
- Language
- German
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326 sondern was diese auf seine Seele wirken, was ihm aus denselben für seinen seelischen Zustand erfließe. — Wir haben hierauf aufmerksam machen wollen, weil dies immer einen mangelhaften Standpunkt, eine kühle und schwächliche Richtung unsrer religiösen Verfassung bezeichnet. Hiergegen müssen die Lehrer der Religion, die wahrhaft überzeugten Geister kämpfen, um die Seelen wieder zu jener innigen Empfindung zurückznführen, welche die begeisterten Männer unsrer Vorzeit, Propheten und Sänger, wiederholt zuriefen: „der Ewige ist nahe allen Denen, die ihn suchen, allen Denen, die ihn aufrichtig suchen." Die unendliche Größe Gottes, die sich in dem unermeßlichen Schöpfungswerke schaffend und erhaltend, bildend und entwickelnd offenbart, sie ist nur dadurch unendlich groß, daß sie nicht bloß den Weltkörper, sondern auch das Atom in ihrer Hand hält, nicht bloß das Universum durchdringt, sondern auch ihr kleinstes Geschöpf, und darum um so mehr den Menschen mit seiner mächtigen Geistesbegabung, mit seinem sittlichen Wesen, mit seiner Bestimmung zu immer höherer Fortbildung, nicht etwa bloß zu immer größerem Wissen, sondern zn Recht uud Liebe, äußerem und innerem Frieden leitet. Dies ist die Vollkommenheit Gottes, und wir sind ihm nahe, wenn wir ihn nicht allein als Schöpfer und Erhalter des Weltalls denken, sondern wenn wir ihn in allen Tiefen unsrer Seele als den Vater unsres Geschickes, als Berather und Helfer fühlen! Eine ÄerrKerung der rmrservativen Partei. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" druckt in der Rubrik „Parteibewegung" aus der „Konservative Korrespondenz", dem Organ des Wahlvereins der Deutschen Konservativen, folgende Betrachtung über die „Jndensrage" ab: „Wer die Zeichen der Zeit beobachtet, der kann sich nicht darüber täuschen, daß wir unmittelbar vor der Nothwendigkeit einer erneuten scharfen Prüfung der Judenfrage stehen, uub daß die Erkeuntniß dieser Nothwendigkeit sich in immer weiteren Kreisen des deutschen Volkes wie anderer arischer Völker verbreitet. Woran wir selbst bei der Lösung dieser Frage denken, das liegt selbstverständlich nicht auf dem Gebiete der heftigen Declamationen und persönlichen Gehässigkeiten oder solcher maßlosen und unüberlegten Vorschläge, wie der Zurückweisung der Juden in eine Ghetto- Stellung oder vollends ihrer „Abschiebung" aus Deutschland. Mit der Vertretung solcher Utopien hat man bisher lediglich dem Gegner die Abwehr erleichtert uud sich Antipathien zugezogen, die man vermeiden konnte und empfindlich gespürt hat. Für uns liegt der Brennpunkt aller Uebelstände auf dem bezeichneten Gebiet in der geradezu erschreckenden Verschiebung der Besitzverhältnisse, die sich Dank gewissen wirthschaftlichen Einrichtungen und namentlich mit Hilfe des Instituts der Börse seit einem halben Jahrhundert zu Gunsten des meist jüdischen Großcapitals in Deutschland, Frankreich und anderen Ländern vollzogen und eine Cumulirung des Capitalbesitzes an einzelnen Stellen herbeigeführt hat, die aller gesunden wirthschaftlichen Grundsätze spottet. Ja, wir können schon jetzt täglich beobachten, daß es sich noch um mehr, um eine eminente politische Gefahr handelt, und daß, wenn dieser Entwickelung nickt energisch ein Riegel vorgeschoben wird, wir die Aussicht vor uns haben, das Großcapital über kurz oder lang nicht bloß als siebente, sondern als stärkste Großmacht, mit ausschlaggebendem Gewichte im Rathe der Könige uud Völker etablirt zu sehen. Dieser Zustand der Dinge, der die brutale Macht des Goldes über alle edlen und patriotischen Triebfedern setzt, kann von keinem ehrliebenden Volke, welches sich seine idealen Güter und damit seine starke Kraft und das Recht der freien Selbstbestimmung erhalten will, auf die Dauer ertragen werden, und so glauben wir, daß um jeden Preis ein Weg gefunden werden muß, um die Möglichkeit der mühelosen und unverhältnißmäßigen Bereicherung aus der Arbeit der produeirenden Stände und ohne eigene Schweißtropfen, wie sie der gegenwärtige Zuschnitt des Geschäfts an der Börse darbietet, zu verschütten. Daß der Griff, wenn er zum Erfolg führen soll, ein fester sein muß, ist selbstverständlich, und wir werden im geeigneten Augenblick versuchen, brauchbare Vorschläge zu entwickeln. Unser Ziel hat also, wenn man so will, mit der „confessionellen" Seite der Frage gar nichts zu thun; wir wenden uns gegen die Volksverderbung und Volksaussaugung durch Wucher uud Jobberei, von welcher Seite sie auch geübt werden mögen. Daneben werden allerdings an der Hand einiger Processe der jüngsten Vergangenheit mit überraschenden begleitenden Nebenumständen noch einige andere Seiten der mit jener Frage bezeichneten Vvlksgefahr gestreift werden müssen, deren grimmiger Ernst sich jetzt in demselben Maße zum allgemeinen Bewußtsein durcharbeitet, wie die jüdische Presse mit dein blinden Uebermnth, der vor dem Falle kommt, sich beflissen zeigt, das Mißbehagen noch zu schüren und den Conflict znm Aenßersten zu treiben." Hierzu macht der „B. B.-C." folgende Bemerkungen: „Wir constatiren zunächst, daß die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" diese Betrachtungen der „Conservativen Correspondenz" sich nicht ausdrücklich zu eigen macht, sondern dieselben ohne jede selbständige Bemerkung, etwa wie ein Cnriosum, wiedergiebt. Auch wir fühlen uns nicht veranlaßt, auf die angeregte Erörterung anders als mit der Frage einzugehen, ob unter dem Großeapital, welches politisch so gefährlich sein soll, bloß das mobile oder auch das ungleich größere immobile Capital verstanden werden soll. Im letzteren Falle wären wir zu erfahren begierig, mit welchen Mitteln man