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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-05-24 · Heft 21 (24.5.1888) · p. Seite 325

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 21 (24.5.1888)
Date
1888-05-24
Page
Seite 325 (sequence 5)
Language
German
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325 es sind solcher Stellen zu viele, und so wollen wir uns begnügen, das erste Buch der Psalmen darüber zu befragen. (3, 4) „Du Ewiger bist Schild um mich, meine Ehre, meines Hauptes Erheben; mit meiner Stimme rufe ich zum Herrn: er erhört mich von seinem heiligen Berge." (9, 10) „Der Ewige ist Zuflucht Bedrängtem, Zuflucht für die Zeiten der Noth. Dir vertrauen, die deinen Namen kennen, denn die dich suchen, verließest du, Ewiger, nicht." (18, 6) „Ich vertraue auf deine Gnade, mein Herz frohlocke deiner Hilfe.: singen will ich dem Ewigen, denn er hat wohl mir gethan!" (16, 7) „Ich preise den Ewigen, der mich berathen, auch in Nächten mahnt mich mein Inneres. Stets stelle ich den Ewigen mir vor, denn er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht. Darum freut sich mein Herz, frohlockt mein Gemüth, mein Leib wohnt sicher." (18, 2) „Ich liebe dich, Ewiger, meine Stärke! Ewiger, mein Fels und meine Burg und mein Erretter, mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild, Horn meines Heiles, meine Veste! Den Ewigen, den Gepriesenen rufe ich an und bin befreit von meinen Feinden. Mich umschlangen Bande des Todes, Ströme des Verderbens schreckten mich, Bande der Unterwelt umgaben mich, Schlingen des Todes halten mich überfallen: in meiner Noth rufe ich den Ewigen, zu meinem Gotte flehe ich auf: er hört aus seiner Höhe meine Stimme, mein Flehen kommt vor ihn zu seinen Ohren." (18, 32) „Denn wer ist Gott außer dem Ewigen, und wer ist Hort außer unsrem Gotte? Der Gott, der mich mit Kraft umgürtet und meinen Weg untadelig macht; der mir Füße gleich denen der Hindinnen giebt und mich auf meine Höhen stellt. Du verleihst mir den Schild deines Heils, und deine Rechte stützt mich und deine Milde macht mich groß. Du weitest meine Schritte unter mir, daß meine Knöchel nicht wanken." (23, 1) „Der Ewige ist mein Hirt, mir mangelt's nicht. Auf grüne Auen lagert er mich, zu Wassert! der Ruhe leitet er mich. Auch wenn ich geh im Thal des Todesschattens fürcht' ich kein Leid, denn du bist bei mir: dein Stecken und dein Stab, sie trösten nrich." (27, 1) „Der Ewige ist mein Licht, mein Heil: vor wem sollte ich mich fürchten? Der Ewige meines Lebens Wehr,! vor wem sollte ich mich grauen? Rücken Frevler gegen mich, mich zu zerfleischen, meine Dränger, meine Feinde wider mich: sie straucheln und sie fallen." (31, 6) „In deine Hand befehle ich meinen Geist, du erlösest mich, Ewiger, Gott der Wahrheit." (32, 6) „Fürwahr, fluthen große Gewässer heran, den Gerechten werden sie nimmer erreichen, du bist mir Schutz, vor Nöthen hütest du mich, mit Jubel der Rettung umgiebst du mich." (37, 5) „Wälz auf den Ewigen deinen Weg und trau auf ihn, er wird's vollbringen, er führt dein Recht wie Licht herauf, wie Hellen Mittag dein Gericht." (40, 2) „Geharret habe ich auf den Ewigen, er neigte sich mir zu und hörte meine Klage, da zog er mich aus brausender Wasser Tiefe, aus schlammigem Sumpfe herauf, und stellte auf Fels meine Füße, meine Schritte festigend. Heil dem Manne, der den Ewigen sich zur Zuversicht setzt." Und nun nur noch den Refrain des Psalm 42 und 43: „Was bist du gebeugt, meine Seele, und seufzest in mir? Harre auf Gott, denn noch werde ich ihn preisen, seines Antlitzes Heil!" — Aus dieser kleinen Zusammenstellung wird man schließen, welche Fülle religiösen Empfindens über Gottvertrauen, über die Zuversicht auf die göttliche Fügung und Hilfe in den übrigen 110 Psalmen ausgegossen ist, und hierbei haben wir alle die tief gefühlten Schilderungen göttlicher Rettung und Hilfe übergangen. Wie anders nun der moderne Mensch. Nicht mehr dieses „Baden der Seele im Lichte Gottes", dieser Jubel über die Herrlichkeit und Majestät Gottes, der das Weltall geschaffen und die zahllosen Wesen ins Dasein gerufen und über das Schicksal jedes einzelnen dieser Wesen wacht und insonders das Geschick jedes Menschen leitet, den Weg des Gerechten zu gedeihlichem Ziele, die Bahn des Frevlers zum Untergange führt. Wenn das Weltall sich vor seinem Blicke unermeßlich ausdehnt, die Zahl der Wesen ins Unbegrenzte wächst, so rückt ihm Gott in immer weitere Ferne und Höhe und der innige Anschluß der menschlichen Seele an den göttlichen Meister und Vater wird gelockert. Immer weiter wird der Mensch von jenem stolzen Worte des doch demüthigen Psalmisten gerückt (8, 4): „So ich deinen Himmel schaue, deiner Finger Werk, Mond und Sterne, die du schufest: was ist der Mensch, daß du sein denkest, der Menschensohn, daß du sein achtest? Aber du ließest ihn der Gottheit um wenig ermangeln, kröntest mit Ehre und Herrlichkeit ihn, setztest zum Herrn ihn über deiner Hände Werke, Alles legtest du unter seine Füße." Der moderne Mensch kommt zum entgegengesetzten Schluffe, zu einer entgegengesetzten Tendenz. Je unermeßlicher ihm das Weltall erscheint, je tiefer er in die Vergleichung des Menschen mit den übrigen Wesen dringt, desto blöder wird ihm die Anschauung über das Wesen des Menschen, je tiefer zieht er ihn zu Thier und Pflanze hinunter. Selbst der religiös gesinnte Mensch zieht sich in seinen Meinungen und Empfindungen auf sich selbst zurück. Er meint, der untrügliche Rathschluß Gottes kann auch durch das Gebet nicht verändert werden; was der Mensch aus innigem Beten zieht, das ist die Stärkung seiner seelischen Kraft, die Läuterung seiner Seele durch die Erhebung zu Gott, ist der Reflex des höchsten Ideals auf seine, des Menschen Gesinnung und Handlungsweise. Wenn in ihm Gottvertrauen, Zuversicht auf Gottes Beistand lebt, so findet er darin eine Kräftigung seines Muthes, eine Beleuchtung seiner Aussichten, eine Festigung seiner Ausdauer. Dies ist es, was wir mit unsrer oben aufgestellten These verstanden. Es ist ihm nicht erkennbar, was er durch Gebet und Vertrauen bei Gott selbst erwirke,

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