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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-05-17 · Heft 20 (17.5.1888) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 20 (17.5.1888)
Date
1888-05-17
Page
Seite 317 (sequence 13)
Language
German
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317 zu einem der ersten Industriellen seines Industriezweiges emporgearbeitet hat und durch die Einführung der Fabrikation zahlreicher, noch heute in Blüthe stehender Artikel hervorragende Verdienste besitzt, hat sich gleichzeitig als Erfinder werthvoller Verbesserungen am Webstuhle und als technischer Schriftsteller hervorgethan. Dem Ausstellungswesen hatte er früh sein Interesse zugewendet. Für die Darstellung der Weberei auf der ersten deutschen Gewebe-Ausstellung in Berlin im Jahre 1844 war er an hervorragender Stelle thätig, zur ersten Weltausstellung 1851 in London wurde er von der preußischen Regierung als Juror entsendet; der große finanzielle Erfolg der Berliner Ausstellung von 1879 ist ebenfalls seiner umsichtigen finanziellen Mitwirkung zu danken. — Man schreibt aus Frankfurt a. M. vom 7. d.: Heute Vormittag fand auf dem israelitischen Friedhof die Einweihung des Grabdenkmals des Freiherrn Mayer Carl von Rothschild statt. Viele Freunde und die Beamten des Hauses, sowie die Zöglinge des israelitischen Frauenvereins u. s. w. hatten sich zur Feier eingefunden, während von der Rothschild'schen Familie Niemand anwesend war. (Ist das zu begreifen?) Das Denkmal, von Hrn. S. Holländer gefertigt, ist von Carrarischem Marmor und ruht auf zwei Stufen aus schwedischem Granit. Das Ganze ist im Renaissancestil gehalten und prachtvoll gearbeitet. Die Rückseite ziert eine umgekehrte Fackel, auf der Vorderseite steht außer dem Namen und dem Geburts- und Todestag der Spruch: „Durch Weisheit wurde ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten", auf den Flächen zu beiden Seiten: „Auf den Pfaden der Gerechtigkeit ist Leben, ihres Weges Bahn ist Unsterblichkeit", und: „Ich weiß, mein Gott, daß Du das Herz prüfest und an Redlichkeit Gefallen hast." — Herr Rabbiner Dr. Horovitz sprach zuerst ein Gebet und hielt dann eine Ansprache, welche die drei obigen Sprüche zum Texte nahm, und worin er des Verstorbenen scharfen Verstand und hohen Geist, dessen Wirken für Vaterland und Vaterstadt, dessen Werke der Liebe und des Erbarmens hervorhob. Er schloß mit einem Gebet für die Ruhe des Enschlafenen und das Wohl des Hauses, dem derselbe entstammte. Hierauf widmete Herr Otto Kanngießer auf Wunsch der Hinterbliebenen gleichfalls einige Worte dem Andenken des Frhr. M. C. von Rothschild, dessen hohe Geistesgaben, liebenswürdiges Wesen im näheren Umgang, tiefe Menschenkenntniß, Liebe zu Kunst und Wissenschaft er schilderte. Namens der Beamten legte Herr Gmaner eine» Lorbeerkranz aus das Grab, an welchen sich noch viele anreihten. — Aus London vom 8. Mai schreibt man: Prof. Leone Levi ist gestern gestorben. Leone Levi, der bekannte englische Statistiker und Nationalökonom, war italienischen Ursprungs und 1821 in Ancona geboren, wo er auch anfangs Kaufmann war. Er kam 1844 nach Liverpool, gründete dort ein Handlungshaus und wurde drei Jahre später naturalisirt. Levi agitirte für Errichtung von Handelskammern und Handelsgerichten und als 1849 eine Handelskammer in Liverpool errichtet wurde, erhielt er die Stelle des Sekretärs. 1852 siedelte Levi nach London über und wurde dort Professor des Handelsrechts in Kings College. Von seinen zahlreichen Schriften seien nur erwähnt: „International Cornrnercial Law“ (1863) „ Wages and Earnings of the Working Classes“ (1867) „History of British Commerce and of the Economic Progress of the British Nation from 1863—70“ (2. Auflage 1880) und „War and its Consequences. With Proposals for the Establishment of a Court of International Arbitration“ (1881). — Aus Brody wird geschrieben: Der im April d. I. hier verstorbene Arzt Dr. Karmin vermachte sein, auf 10000 Gulden sich belaufendes Vermögen dem hiesigen israel. Waisenhause. Jeuilleton. Gin Mailied im Jaßre 1888. „Amor ei deliciae generis liumani“. Der Wonnemonat ist in's Land gekommen, Der sonst das Herz erweitert und beglückt; Warum bleibt diesmal ach! es so beklommen, Und Schmerz auf Aller Antlitz ausgedrückt? Hat denn der Mai sein Wort uns nicht gehalten, Nicht junges Laub und Blüthen uns gebracht? Entthronet nicht des Winters langes Schalten Und nicht entfaltet die erhoffte Pracht? C nein! Nicht ändert sich der Lauf der Dinge, Es waltet stet und fchllos die Natur: Ein And'res ist es, ivas ich heute singe, Mein Lied, es folgt nicht ihrer sichern Spur. Ein Klaglied ist's und gilt dem Mann der Schmerzen, Der auch im Mai noch nicht Genesung fand, So sehr erfleht sic war aus Aller Herzen, Die ihm sind zugekehrt im Deutschen Land.

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