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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-05-17 · Heft 20 (17.5.1888) · p. Seite 314

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 20 (17.5.1888)
Date
1888-05-17
Page
Seite 314 (sequence 10)
Language
German
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314 über die Juden auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens Klage zu führen und zu beweisen, daß die Juden . . . Präsidentsunterbrechend): Herr Abgeordneter! Sieberühren wieder ein Thema, welches gar nicht zum Gegenstände gehört. (Bravo! Bravo!) Wenn Sie so weiter sprechen, werde ich Ihnen das Wort entziehen. (Widerspruch auf der äußersten Linken.) Lassen Sie die Juden jetzt in Ruhe! (Lebhafte Heiterkeit.) Vergani, fortfahrend: Es muß mir doch gestattet sein, bei der Debatte über die Universitäten von der Verjudung derselben zu sprechen! Redner bespricht das Procentverhältniß der jüdischen Lehrer und Hörer an der Wiener Universität. Das liebste Studium der Juden sei die Medicin; unter den Studirenden der Medicin seien mehr als 50 Proc. Juden. Heute handle es sich nicht mehr um Gleichstellung mit den einheimischen Studirenden, sondern um die Verdrängung derselben. Redner beruft sich bezüglich der Ausbildung zum ärztlichen Berufe und der Ausübung desselben durch die Juden auf einige angebliche Stellen des Talmud. In einem von zwei Rabbinern verfaßten Auszuge aus dem Talmud, Schulchan Aruch genannt, welcher als vollständiges Gesetzbuch für alle Juden Geltung hat, heiße es: Der Jude ist nicht verpflichtet, einen Akum, d. i. einen Christen direct todtzuschlagen, doch ist es ihm verboten. . . Präsident unterbricht den Redner abermals und ersucht ihn, so nicht fortzufahren. Vergani (fortfahrend): Wenn ich beweisen will, daß die jüdischen Aerzte für die christliche Bevölkerung gefährlich sind (Gelächter), so muß ich doch die Gesetze aus dem Tab mud anführen. Es heißt da: Einem Juden ist es ferner erlaubt, an einem Akum (Christen) zu prüfen, ob ein Arzneimittel gesundheitsbringend oder tödtlich sei. Dr. Bloch (dazwischenrufend): Das ist erlogen, wie Alles, was Sie in Ihrer neulichen Rede über die Juden gesagt haben! Fiegl: Ruhig! ruhig! Melden Sie sich doch zu einer thatsächlichen Berichtigung. Präsident: Ich bitte zunächst den Redner nicht zu unterbrechen. Da jedoch der Herr Redner meiner Aufforderung, zur Sache zu sprechen, nicht Folge geleistet hat, entziehe ich ihm das Wort. Adametz schildert die mangelhaften Zustände an der Hochschule für Bodencultur. Präsident: Abgeordneter Vergani erklärte mir, er wolle an das Haus appelliren, ob es ihn noch weiter anhören wolle; ich stelle daher die Anfrage an das Haus, ob es gesonnen sei, den Abgeordneten Vergani noch anzuhören? Dieser Appell an das Haus wird abgelehnt. Dr. Bloch (zu einer thatsächlichen Berichtigung): Es hat dem Abgeordneten Vergani gefallen, seine Wuth nicht blos gegen die Juden, was ich angehen ließe, sondern auch gegen die jüdische Religion auszulassen. Als gewesener Rabbiner kann ich dies nicht ruhig anhören. Er hat eine Stelle aus dem Schulchan Aruch und einen Abschnitt aus dem Talmud vorgelesen. Sie haben gemeint, er lese ihnen das wirklich vor; er hat aber aus dem Buche eines Mannes vorgelesen, welcher in Wien wegen Urkundenfälschung und Betruges zu Zuchthausstrafe verurtheilt wurde. Fiegl: War das ein Jude? Dr. Bloch: Nein, er war ein Katholik; das also ist der Verfasser des Buches, aus dem Redner vorgelesen. Vergani zeigt dem Redner ein Buch. Dr. Bloch nimmt das Buch in die Hand, um nach der Stelle zu suchen. Er bemerkt jedoch unter großer Heiterkeit des Hauses, daß ihm Vergani die Geschäftsordnung in die Hand gegeben hat. Dr. Bloch (fortfahrend) wendet sich sodann gegen die Bemerkungen des Abgeordneten Vergani, daß 80 jüdische Professoren und Docenten an der Universität seien. Diese Ziffer sei unrichtig, selbst die getauften Juden mit dazu gerechnet. (Große Heiterkeit.) Uebrigens würde er sofort seine Zustimmung dazu geben, daß kein getaufter Jude angestellt werde. (Heiterkeit.) Auf die Bemerkung Vergani's über die jüdischen Aerzte erwiderte Redner mit dem Hinweise, daß im Mittelalter selbst die Päpste jüdische Aerzte gehabt haben. Uebrigens möchte er da erzählen, was in Jägerndorf sich ereignet hat. In Jägerndorf ist ein schlesischer Arzt wegen Unzucht eingesperrt worden; es ist kein Jude, sondern ein Antisemit und sein Name ist Türk. (Bewegung.) Ich empfehle daher den Antisemiten diesen deutsch-nationalen Arzt, welcher bei Gelegenheit von den preußischen Behörden wegen Unzucht, begangen an Patienten, abgefangen wurde. Wien, 11. Mai. Der K. K. Oberstabsarzt Dr. Mich. Waldstein wurde von Sr. Maj. dem Kaiser zum General- Stabsarzt des österreichisch-ungarischen Heeres ernannt. Es ist dies der erste Fall, daß ein Jude diese hohe Stellung erlangt. — Im Abgeordnetenhaus ist ein Antrag eingebracht worden, um dem Redeschwall und den Hetzreden der Antisemiten eine Schranke setzen zu können, wonach das Haus einen zeitweiligen Ausschluß eines Abgeordneten beschließen könne. Brünn, 3. Mai. Gestern hat hier unter Vorsitz des Landesrabbiners Dr. Placzek eine von der überwiegenden Mehrzahl der Rabbinen Mährens und Schlesiens besuchte Conferenz stattgefunden, welche einhellig eine an das Abgeordnetenhaus zu richtende Petition des Inhaltes beschloß: das Haus wolle den Gesetzentwurf zur Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der jüdischen Religionsgenossenschaften in der Fassung des Herrenhauses unverändert annehmen. Die Versammlung erklärte, in der Petition Bürgschaften für den Erfolg aller Bemühungen zu erkennen, welche dahin gerichtet

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