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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-05-17 · Heft 20 (17.5.1888) · p. Seite 313

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 20 (17.5.1888)
Date
1888-05-17
Page
Seite 313 (sequence 9)
Language
German
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313 Maurermeister M. Adler, Karl Arnheim, königl. Hofschlossermeister; letztere vier Herren als Inspektoren. A. — Dem gedruckten Jahresbericht entnehmen wir, daß die Ausgaben 9961 M. betrugen, zu deren Deckung 1300 M. nöthig waren, also ein Deficit in dieser Höhe. Der Fonds beträgt M. 89,450. Viele Gesuche, besonders aus Provinzialstädten mußten unerfüllt bleiben. Der Appell an die Mildthätigkeit ist also sehr gerechtfertigt. Frankfurt a. M., 7. Mai. (Privatmitth.) Der aus Nordamerika herüber gekommene Orden Bne Berith, der sich bereits in Hamburg, Berlin, Bielefeld, Düsseldorf u. a. O., etablirt hat, wurde auch hier gegründet und zählt bereits über 100 Mitglieder. Der Verein hat von Seiten der hyperorthodoxen, namentlich von Rabb. R. S. Hirsch, harte Angriffe erfahren, während der Rabb. vr. Horowitz ihm beigetreten ist. Die hiesigen Mitglieder setzen sich aus allen religiösen Fraktionen zusammen, und wird bei den Zusammenkünften das Speisegesetz ff. streng beobachtet. Der Verein, welcher alle politischen und specifisch religiösen Fragen von sich fern hält, hat zweierlei Zwecke: die Geselligkeit (Bankette) und wohlthätige Werke. Was er in letzterer Beziehung gethan, thut oder in Aussicht genommen hat, ist bis jetzt nicht bekannt, und doch muß man eingestehen, daß er nur mit solchen seine Existenzberechtigung erweisen kann. Seine Formeln wollen wir ihm Nachsehen, einen Schwur wegen Geheimhaltens hat der Eintretende nicht zu leisten. Oesterreich-Ungarn. Wien, 7. Mai. (Privatmitth.) Man kann sich leicht denken, welches Aufsehen der Proceß und die Verurtheilung Schönerers hervorgerufen hat, und drängt dieser Vorgang augenblicklich alles Andere in den Hintergrund. Dieser Mensch, welcher zuerst mit der Presse geliebäugelt hat, um von ihr auf den Schild gehoben zu werden, wurde deren erbittertster Feind, weil sie ihm die von ihm geforderten Huldigungen zu bringen nicht gewillt war. Seinem brennenden Ehrgeiz bot sich der Antisemitismus als ein Boden an, auf welchem seine rohen Kräfte sich Namen und Stellung erwerben könne. Er versuchte es zuerst bei den Bauern, hatte aber kein Glück bei ihnen, da sie der Schuh ganz anders drückt, als auf die Leimruthe antisemitischer Hetzphrasen zu gehen. Hierauf wandte er sich an den kleinen Handels- und Gewerbsstand in Wien, namentlich den Vorstädten, und hier fand er großen Anhang. Aber auch in der Studentenschaft, bei den Klerikalen und hochgestellten Feudalherren fand er Anklang. Hierdurch berauscht, hat er sich zu brutalen Gewaltthätigkeiten herangelassen, aber hier traf er auf das Halt!, das ihm der Strafrichter zugerufen. Hier sind aber alle Verhältnisse so verschoben, verworren und zerfahren, daß man für die Zukunft sich kein Urtheil bilden kann, und ich vermag mich nicht der Hoffnung hinzugeben, daß dieses Ereigniß einen Wendepunkt abgeben werde. Vorerst erscheint Schönerer seinem Anhang nun als Märtyrer. Dennoch war es das dringendste Bedürfniß, daß ein solches Urtheil erging und die Majestät des Gesetzes und die Unverletzlichkeit der Staatsgewalt in entschiedener Weise sich bethätige. Schönerer hat diese zum Kampfe herausgefordert, und es kommt nun darauf an, ob die Consequenzen gezogen werden. Wien, 10. Mai. (Privatmitth.) Die Antisemiten terrorisiren geradezu das Abgeordnetenhaus. Bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit sprudeln sie ihre judengehässigen Reden aus, was ihnen nur möglich ist, weil sie bei der „Rechten" dafür Anklang finden. Wir müssen aber, um gerecht zu sein, hervorheben, daß die Abgeordneten jüdischer Religion angefangen, sich ihrer Haut zu wehren. Sie, die so oft geschwiegen — um nicht noch mehr Reden der Antisemiten hervorzurufen, sehen ein, daß ihnen dies nichts helfe. Wir berichten über eine der jüngsten Scenen dieser Art. Es war in der Sitzung vom 5. Mai, wo das Haus mit großer Majorität die Mißbilligung über den antisemitischen Abgeordneten Lueger wegen Verleumdung votirt hatte, als die Verhandlung über das Budget, besonders über das, die Hochschulen betr. Capital verhandelt wurde. Luzzatto (aus Triest, jüdischer Religion) erklärt es für nothwendig, seinen nationalen Standpunkt in der Schulfrage gegenüber einigen Ausführungen Türk's in einer der letzten Sitzungen zu präcisiren. Derselbe hat gesagt, daß er aus verschiedenen Gründen wenigstens die theilweise Einführung der konfessionellen Schule wünschen würde. Das ist Geschmacksache und darüber will ich mit ihm nicht rechten. Er hat aber dabei behauptet, daß die Juden nicht nur wegen ihrer Confession, sondern auch wegen der nationalen Verschiedenheit an dem allgemeinen Unterrichte an den öffentlichen Schulen, sei es als Lehrer, sei es als Schüler nicht theilnehmen sollten, weil sie eine aparte Moral haben. Dagegen muß ich auf das entschiedenste protestiren, denn meines Wissens giebt es nur eine Moral bei allen Völkern (Bravo! Bravo!) und es ist eine Odiosität sondergleichen, behaupten zu wollen, daß der deutsche, italienische, französische oder englische Jude nicht so gut patriotisch und national denkt und fühlt, wie seine christlichen Mitbürger. Speciell in Oesterreich stehen die Juden jedweder Nationalität an wahrem Patriotismus den Staatsbürgern anderer Religionen gewiß nicht nach. (Bravo! Bravo!) Redner bittet sodann die Unterrichtsverwaltung, den Wünschen der italienischen Bevölkerung um Errichtung einer italienischen Universität oder wenigstens einer juridischen Fakultät in Triest Rechnung tragen zu wollen. Vergani (erklärter fanatischer Antisemit) erklärt, daß ihm auch die Debatte über die Hochschulen Gelegenheit biete 20

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