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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-05-03 · Heft 18 (3.5.1888) · p. Seite 286

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 18 (3.5.1888)
Date
1888-05-03
Page
Seite 286 (sequence 14)
Language
German
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286 stehenden oder sitzenden menschlichen Körper oder symbolische Zeichen in äußerlichster Weise andeuten. Er wird sich vielleicht darüber unterrichten können, daß ein sperberköpfiges Mannesbild den Gott Horus oder den egyptischen Apollo, daß ein schakalköpfiger Gott den bekannten Anubis, ein widderköpfiger den egyptischen Zeus oder Ammon und ein Mann mit dem Kopfe eines langschnäbligen Ibis Thot oder den egyptischen Hermes darstellen sollte." Der Vers, zeigt nun, welche Bedeutung die einzelnen besonderen Kennzeichen, die Thierköpfe, die Stäbe u. s. >v. selbst die Farben hatten, Symbole, welche dem damaligen Standpunkt des Menschengcistes entsprachen und deshalb Jedem verständlich waren. Von hier aus werden uns einige Winke sür die, allerdings höchst einfache und der Natur entsprechende Symbolik an der Stiftshütte, der Gewandung des hohen Priesters und dem Opfercultus geboten. — Innerhalb dieser Tausende localer und modifizirter egyptischer Göttergcstalten sucht nun Brugsch nach dem eigentlichen Kerne der egyptischen Mythologie, den er in folgender Weise darstellt. „Die egyptische Götterwelt, aus neun männlichen und weiblichen Gottheiten bestehend, wurde als die Schöpfung eines unsichtbaren, unerfaßlichen, unbeschreiblichen und namenlosen Gottes ohne Anfang und ohne Ende angesehen. Der Gott weilte einsam und allein in dem unendlichen feuchten llrstoff oder dem Chaos, der von dichter Finsterniß umgeben war und in träger Ruhe verharrte. Nach seinem eigenen Willen beschloß er am Anfang aller Dinge die Schöpfung der Welt und geheime Kräfte im Chaos (unter dem Bilde einer Achtheit von vier Götterpaaren dargestellt) regten sich, um dem göttlichen Willen zu dienen. Nach dem Inhalt eines Papyrus im britischen Museum werden dem Ewigen die Worte in den Mund gelegt: Ich bin es. Ich ward zu einem Gewordenen, Und indem ich ward, wurde das, was geworden ist Und alles, was geworden ist, ward nachdem ich geworden war. In sichtbarer Gestalt aus dem Urgewässer hervortretcnd, öffnete Gott seine Augen, und Sonne und Mond zerstreuten durch ihren Lichtglanz die tiefe Finsterniß, welche des Chaos umgab. In einem groben Bilde, welches mit der Darstellung der aus sich selbst heraus zeugenden Urkraft oder dem egyptischen Plan in Verbindung stand, gab der Gott auf unnatürlichem Wege einem Zwillingspaare Gestalt und Leben, dem Gotte Schou oder der Luft als Stütze und Träger des Himmels gedacht, und der Göttin Tafnut, des in mondhellen Nächten niedcrfallenden und nach altem Glauben die Fruchtbarkeit der Erde und ihrer Bewohner erweckenden Thaues. Beide innig mit einander verbunden bildeten das Urelternpaar aller später entstandenen Gottheiten. Schou, der göttliche Sohn, raubte dem Vater das Augenpaar und begann in einem Zeiträume unermeßlicher Perioden as Schöpsungswerk auf dem Wege der natürlichen Generation fortzusetzen. Die vom Sonnen- und Mondlicht durchtränkte Lust, als deren Vertreter Schou erscheint, gab offenbar den Stoff für den Raub der Augen seines Erzeugers. Die Augen wurden an den Vater zurückgegeben, der sie unter Thränen in Empfang nahm und an die Himmelshöhe versetzte. Aus den gefallenen Thränen entstand das Menschengeschlecht. Aus der Verbindung des Zwillingspaares ging ein neues Götterpaar hervor, in welcher sich die Erde und der Himmel personificirte. Es sind die Stammcltern Keb, der egyptische Kronos und Erdgott, und die Hiiumelsgöttin Nut (die egyptische Rhea), welche ihren Leib über den zu Boden gestreckten Ehegatten ausbreitete. Sie erzeugten fünf Kinder, welche der Reihe nach an jedem einzelnen der fünf Schalttage des egyptischen Jahres geboren wurden und deren Namen zu den bekanntesten der epytischen Mythologie gehören: Osiris, Horus, Set und die beiden Göttinnen Isis und Nephthys. Osiris, der eigentliche Landesgott, vertrat das befruchtende Element des Feuchten, wie es im Nilstrom zur Zeit der Schwelle am sichtbarsten zur Anschauung gelangte. Das allmähliche Fallen der Fluth, vom Ende der herbstlichen Jahreszeit bis zur Mitte des Winters hin, ward gleichzeitig mit den abnehmenden Tagen in derselben Epoche des Jahres in Verbindung gesetzt und der Osirisname deshalb gleichzeitig auf die zur unteren Hemisphäre niedersteigende Herbst- und Wintersonne bezogen. Im Horus verbarg sich die Vorstellung des Frühlingslichtes, welches nach der vollendeten Wintersonne (Osiris) aus der Tiefe zur oberen Hemisphäre emporsteigt und dessen Erscheinung zur Frühlingszeit die Jahresepoche der aufsprossenden Ackersaat bezeichnete. Hatte die Sonne um die Zeit der Sonnenwende ihren höchsten Stand erreicht und trafen ihre sengenden und dörrenden Strahlen die ausgetrockuete Erde, so trat der Name Set an Stelle des Horus ein. Mit ihm verbanden sich die Vorstellungen des dürren, wüsten, unfruchtbaren (bis zum Meere hin) und aller den regelmäßigen Gang der natürlichen Erscheinungen der Dinge störenden schädlichen Einflüsse. Set ward zu einem bösen Dämon, der wie ein Götterfeind seine Stelle inmitten der Schaar der Himmlischen einnahm und dem griechischen Typhon das egyptische Vorbild lieferte. Von diesen Anschauungen ausgehend erkannte man in ihm zugleich die Ursache des Vergehens und der Auslösung alles Entstandenen, die unerbittliche Naturnothwendigkeit, welche den Tod herbeiführt, aber im letzten Grunde doch nur die Macht, um mich des Dichters Wort zu bedienen, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Wie im Gegensatz zu ihm Osiris als Ursache des Entstehens betrachtet wurde, so stellte Isis die nothwendige Ergänzung dieses Gottes, die gebärende und ernährende Naturkraft dar, welche den Zeugungskeim empfängt und zur Reife

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