Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1888)
- Date
- 1888-05-03
- Page
- Seite 285 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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285 — gestohlen. Als die Thäter wurden der bereits neunmal wegen Diebstahls bestrafte Anton Peyer und der zweimal wegen Betrugs verurtheilte Commis Mathias Prießnitz eruirt. Der Schwurgerichtshof verurtheilte Peyer zu sieben Jahren und Prießnitz zu fünf Jahren schweren Kerkers. I e u i 1 i c t o tt. Die Mythologie der alten Egypter. Vorurtheile, welche einmal von einer autoritativen Seite ausgegange» und sich im Publikum weithin verbreitet haben, sind schwer wieder zu verdrängen und man muß deshalb seine Bemühungen immer wieder erneuern, um endlich eine richtige Auffassung zu erwirken. Eine Zeit lang herrschte in der Gelehrtenwelt die Ansicht und Tendenz vor, keinem Volke eine originelle schöpferische Kraft zuzutrauen, sondern gerade die bedeutendsten Erscheinungen auf die Uebertragung von einer Nation zur anderen zurückzuführen. Daß in manchen Zweigen und Erzeugnissen des Glaubens, der Wissenschaft und Kunst ein solches Uebereinkommen von einem Volke zum anderen und dann eine besondere Entwickelung wirklich stattgefunden, darf man nicht leugnen. Der Jrrthum lag nur darin, daß man nunmehr jede Erscheinung auf Entlehnung von früher civilisirten Nationen zurückführen wollte, auch wenn hierfür nur wenige Anhaltspunkte sich boten. Daß die weiten Entfernungen und der Mangel an Verkehrsmitteln hierbei große Schwierigkeiten bereiten mußten, wurde nicht berücksichtigt. Wenn nun eine gründlichere Kenntniß durch die fortgesetzte wissenschaftliche Forschung erlangt und für jene Annahmen den nachdrücklichsten Widerspruch erhob, so dringt dieser doch nur sehr langsam bei dem größeren Publikum durch. Zu diesen Vorurtheile» gehört die Behauptung, daß die mosaische Lehre und das mosaische Gesetz recht wesentlich aus Egypten entlehnt seien und hier ihre bedeutendsten Elemente geschöpft hätten. Diese Meinung kam zu einer Zeit auf, wo die Egyptologie noch in Kinderschuhen stand, jedoch die mangelhafte Kenntniß sofort verwerthet ward, um für Alles, was das Alterthum geschaffen, den Ursprung in Egypten zu suchen. Allerdings fand man thatsächliche Vergleichspunkte nicht viele, z. B. in der Bundeslade; aber das mystische Dunkel, welches um den Kern der egyptischen Mythologie schwebte, gab Raum, um die mosaische Gotteslehre aus dem egyptischen vorgeblichen Philosophem herzuleiten, und dann machte man vorzugsweise geltend, daß die Israeliten aus Egypten gekommen und Moses am egyptischen Hofe erzogen, in der Lehre und den Sitten der Egypter bewandert sein mußte. Wir haben von jeher das Gegentheil behauptet. Wir wiesen wiederholt den geraden Gegensatz nach, welchen die Lehre und das Gesetz Israels dem egyptischen Wesen gegenüber einnehmen. Moses selbst mußte die traurigen Folgen erkannt haben, welche das egyptische Volk von seinen religiösen und socialen Ansichten und Grundsätzen zu erleiden hatte. Nirgends war die Knechtschaft des Volkes, die materielle und geistige so groß wie in Egypten, wo der Despotismus, die Priesterherrschaft, der Aberglaube, das Kastenwesen, die Aussaugung des Volkes durch den König, die Priester und die Kriegerkaste in diesem Maße das Volk in Fesseln geschlagen hatten. Abgesehen von dem allgemeinen Gesichtspunkte kann man auch die Lehre und das Gesetz der mosaischen Urkunde hinsichtlich ihrer Gegensätzlichkeit gegen alles Egyptische in Betracht ziehen, und wird hierin zu den bestimmtesten Resultaten gelangen. Je ausgedehnter und tiefer die richtige Kenntniß der altegyptischen Monumente und namentlich der Papyrusrollen wird, desto überzeugender stellt sich unsere Ansicht heraus. Aber man darf deshalb nicht unterlassen, dem größeren Publikum die Beweise dafür vorzuführen. Darum folgende Mittheilungen. Der bedeutendste Epyptologe der Gegenwart ist wohl Pros. Heinrich Brugsch (Brugsch-Pascha), derselbe giebt in der Sonntags-Beilage zur „Voss. Ztg." vom 15. April eine Abhandlung über „die Mythologie der alten Egypter". Er beginnt dieselbe mit folgendem Satze: „Sollte ein Schriftgelehrter in unseren Tagen geduldig und außerdem reich genug sein, um seine ganze Zeit dem einzigen Zwecke widmen zu wollen, die männlichen und weiblichen Mitglieder der egyptischen Götterwelt, wohl geordnet nach Namen, Titeln und Bildern, außerdem mit Angaben über ihr zeitliches und örtliches Vorkommen, in alphabetischer Reihenfolge in einem großen Werke zu vereinigen, so könnte er selbst das höchste menschliche Lebensalter erreiche», ohne seine Aufgabe vollständig gelöst zu haben. Die Masse der mythologischen Ueberlieferungen Egyptens aus einer längst vergessenen Epoche der menschlichen Geschichte ist geradezu unerschöpflich, und fast jede Stunde liefert auf dem Boden des Nilthales und seiner Todtenstätten aus den Rändern der angrenzenden Wüsten neue Beiträge zu dem vorhandenen Ueberfluß. Wer, selbst ohne Kenntniß der hieroglyphischen Inschriften irgend eine europäische Sammlung altegyptischer Denkmäler durchmustert, wird bald zu der Ueberzeugung gelangen, daß die Gottheiten nach ihren bildlichen Darstellungen aus einer achtungswerthen Zahl bestehen mußten, deren Unterschiede im Einzelnen der aufgesetzte Thierkopf auf einem \,s!'!' '