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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-05-03 · Heft 18 (3.5.1888) · p. Seite 284

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 18 (3.5.1888)
Date
1888-05-03
Page
Seite 284 (sequence 12)
Language
German
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284 Euch Anerkennung und Verehrung ausspricht auf Euren Wegen für Eure Treue und liebevolle Theilnahme an uns und unseren Wohnorten seit langer Zeit. Wenn wir nach so vielen Jahren der Noth und Drangsal, die wir erdulden mußten, im Glauben an die Vorsehung treu ausharrten und den Boden unserer Väter einmüthig bebauen, — wenn wir nicht allein nicht verzweifelten, sondern in der vollen Hoffnung lebten, daß der Tag nicht fern sei, an welchem wir unser Leben werden in Ehren fristen können; wenn unser Vertrauen nicht erloschen ist, daß Licht und Frieden im heiligen Laude aufstrahlen und unsere Stätten blühen werden, so wisset, theure Brüder, daß uns dieser Trost durch Euch und alle Geehrten in unserem Stamme, die Freude Zions wird. Gar oft war die Noth groß und ohne Eure Hilfe wäre schwerlich einer von uns am Leben geblieben. So hoffen wir denn auch in Zukunft, daß unsere Brüder uns nicht verlassen und uns nicht zurückweisen werden, so oft wir uns an sie wenden. Ihr habt bewiesen, daß Israel noch lebt und wir keine verlorene Heerde sind, daß ein sehendes Auge und hörendes Ohr dem Hilferuf unserer bedrängten Brüder zugewendet ist. So nehmet denn, geliebte Brüder, unseren Dank, der der Tiefe unseres Herzens entquillt, und haltet Euch versichert, daß der Ewige Euer Wohlthun an uns nicht vergißt. Gebe Gott, daß Ihr sehet, wie Eure Saat aufgeht und Eure Hilfe Segen bringt unseren Bedrängten, deren Aufrichtung Euch am Herzen liegt. Folgen 6 Namensunterschriften. Südamerika, BuenoS-Ahres, 1. April. (Privatmitth.) Seit Jahren weilt hier ein Galizier Namens Carl Rock, der ein Wohlthäter großen Stiles und dessen Lebenslauf höchst interessant ist. In Mosciska, einem kleinen galizischen Städtchen als Kind armer jüdischer Eltern geboren, wanderle er, nachdem er Vater und Mutter verloren, im Alter von 16 Jahre» in die Fremde aus. In den Hotels fast sämmlicher Großstädte Europas bedienstet, fand er in der Folge eine Anstellung als Kammerdiener beim Baron Günzburg in Petersburg und gründete schließlich vor 23 Jahren selbst ein Hotel „Australia" in Galatz. Jedoch auch hier mißfiel es ihm und so ging er eines Tages nach Amerika. Durch hervorragenden Unternehmungsgeist, rastlose Thätigkeit und hauptsächlich durch strenge Ehrlichkeit verstand er es, sich dort Vermögen zu erwerben, worauf er sich endlich als Hausbesitzer und Rentier in Buenos-Ayres ansässig machte. Er gehörte fast allen größeren jüdischen Wohlthätigkeits-Vereinen Amerikas und Europas an; so ist er Mitglied der ^^.Iliunos lsraelite Universelle“ in Paris, der „Israelitischen Allianz" in Wien, und des Vereins „Schomer Israel" in Lemberg mit namhaften jährlichen Beiträgen. Vom Freimaurer - Verbände, dem er auch angehört, wurde ihm eine hohe Auszeichnung zu Theil. Seine sehr bedeutenden Wohlthaten erstrecken sich nicht nur auf seine und seiner Ehegattin Verwandten, sondern auch auf einen weiten Kreis von Hilfsbedürftigen, ohne Unterschied der Confessio» und Nationalität. Dabei ist er seinem Glauben so anhänglich und treu, daß ihm kein Opfer zu theuer ist, um das Wohl des Judenthums zu befördern, und dieser Carl Rock ist ein lebendiger redender Beweis gegen die bösen Antisemiten. In seinem edlen Werke wird Herr Carl Rock von seiner wackeren, in Strilka bei Altstadt (Galizien) geborenen Gattin nee Bader kräftigst unterstützt. „Wohlthaten zu üben ist", laut seinem Ausspruche in einem seiner Briefe, „meine einzige Lebensaufgabe." Bonn, 29. April. (Notizen.) Aus Pest wird uns geschrieben: Die vor Kurzem verstorbene Frau Julie Spitzer geb. Schultheiß hat folgende Legate hinterlassen und zwar für das der Pester israelitischen Religionsgemeinde gehörige Knabenwaisenhaus 10,000 st., für eine „Gerson und Julie Spitzer"-Stiftung des neu zu gründenden Arbeiter-Versorgungs-Vereins der in der Blaudruckfabrik von Gerson Spitzer u. Comp, in Altofen beschäftigten Arbeiter 10,000 fl., für verschiedene hiesige Wohlthätigkeitsvereine 10,000 fl., zum Bau des neuen israelitischen Spitals 5000 fl., dem israelitischen Mädchenwaisenhause 5000 fl., der Pester Chewra Kadischa 2000 fl. und endlich dem israelitischen Siechenhause 2000 fl., zusammen also 44,000 fl. -- Das antisemitische Blatt „Függetlenseg" hat heute, den 22. d. M., zu erscheinen wieder begonnen und zwar als Sonntagsblatt zu dem Preise von zwei Kreuzern. Die Antisemiten verfolgen den Zweck besonders das Volk gegen die Juden aufzustachel», sie finden noch immer fruchtbaren Boden. — Die Wittwe des jüngst verstorbenen Herrn Joseph Hirschmann, der durch 23 Jahre Präsident der israelitischen Cultusgemeinde in Arad war, hat den verschiedenen Wohlthätigkeitsvereinen in Arad 4000 sl. gespendet. — Aus Wien wird gemeldet: Den 22. d. feierte der um die Entwickelung des Kindergartenwescns in Oesterreich hochverdiente Direktor der Israelitischen Kiuderbewahranstalt und der ersten Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen, Herr A. S. Fischer, im Vereine mit seiner Gattin das Jubiläum seiner 25jährigen Wirksamkeit. — In der Nacht vom 4. auf den 5. December v. I. wurde in de» Tempel der israelitischen Gemeinde in Fünfhaus mittelst Nachschlüssels eingedrungen und aus demselben außer dem Inhalte zweier erbrochener Sammelbüchsen verschiedene Tcmpelgeräthschaften, insbesondere auch ein massiv silberner Armleuchter — zusammen im Werthe von 610 fl.

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