Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1888)
- Date
- 1888-05-03
- Page
- Seite 278 (sequence 6)
- Language
- German
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278 Bemühen, überall, wo er vermochte, der Noth und dem Unglück zu steuern, entsprach auch sein letzter Wille, nach welchem an verschiedene bedürftige Personen schon jetzt Legate in der Höhe von 40,000 M. von seinem Sohne ausgezahlt worden sind. Außerdem haben nach dem Ableben der Wittwe Folgende Schenkungen zu erhallen: 20,000 M. das Waisenhaus in Paderborn, 20,000 M. das Waisenhaus in Königsberg i. Pr., 20,000 M. der Unterstützungsverein für Aerzte, 20,000 M. die verschämten Armen Berlins (zu Händen des Magistrats), 10,000 M. die jüdische Altersversorgungsanstalt. — In Frankfurt a. M. erhielt der israelitische Hilfsverein in der Zeit vom 1. December 1887 bis 31. März 1888 4841 M. an baaren Geschenken, worunter 2000 M. von Freifrau Salomon von Rothschild in Paris. An der Spitze unserer eigenen Berichte erwähnen wir den 28. Jahresbericht der israelitischen Waisen-Erziehungs- Anstalt für Knaben und Mädchen aus Westfalen und Rheinland zu Paderborn. Das ziemlich starke Heft giebt nur zu wenigen Bemerkungen Veranlassung, da es zum größten Theile von den Verzeichnissen der Jahrzeiten, der Spenden und Collecten ausgefüllt wird, die in einem erfreulichen Wachsthum begriffen sind. So ist es der Anstalt jetzt möglich, 60 Waisenkinder zu erhalten. Im verflossenen Jahre entließ sie 10 und nahm 9 wieder auf. Die größten Einnahmen verschaffen der Anstalt noch immer die Stiftungen! von Jahrzeiten (zu 300 M.), deren Zahl sich gegenwärtig! auf 747 beläuft. Hierfür wurden im verflossenen Anstalts-! jahre 9750 M. vereinnahmt. Die Einnahmen beliefen sich! überhaupt auf 33653 M., wovon 6048 M. verzinslich angelegt wurden und 1750 M. in Casse verblieben. Wir können sicherlich dieser Anstalt, welche so vielen sonst verlassenen Waisenkindern Unterhalt und Erziehung bietet, das stetige Wachsthum und Gedeihen wünschen und sie deshalb allen wohlwollenden Herzen empfehlen. Von der Einrichtung von Handarbeitunterricht für Knaben,für welche wir so entschieden eintreten, ist noch nicht die Rede. Von Seiten des Curatoriums müßte dieser eindringliche Rath doch wohl berücksichtigt werden. Am füglichsten wäre es, daß Spenden an diesen geknüpft würden. — Unsere Leser wissen, welchen besonderen Werth wir bem „Mädchenstift zu Frankfurt a. M." beilegen. Es dient dazu, zum großen Theile unentgeltlich junge israelitische Mädchen aufzunehmen, welche sich zu einem Erwerbszweige vorbereiten oder in demselben thätig sind, so daß sie in dem Stifte Gelegenheit für ihr zukünftiges Fortkommen, Schutz und Anleitung zum herzlichen Familienleben finden. Leider stehen noch immer die Mittel dieser Anstalt zu ihren Erfordernissen nicht im Einklang, so daß auch das verflossene Jahr wieder ein Deficit brachte. Der Vorstand sagt hierüber: „Von neuem sehen wir uns daher genöthigt, an alle Gönner und Freunde unserer Anstalt die herzliche und dringende Bitte zu richten, uns zur Förderung unseres Zweckes wirksam zu unterstützen. Die Zahl unserer Pfleglinge betrug bisher durchschnittlich vierundzwanzig. Vielen unter ihnen vermochten wir eine unentgeltliche Aufnahme zu gewähren und hierdurch in der That eine segensvolle Wohlthat zu erweisen. Aber unter den jetzt eingetretenen Verhältnissen würden wir, wenn uns nicht zur Unterstützung unserer Bestrebungen seitens edler Menschenfreunde reichere Mittel zufließen, uns zu unserem größten Leidwesen in die betrübende Nothwendigkeit versetzt sehen, die Zahl der unentgeltlichen Aufnahmen bedeutend zu beschränken. Wir wollen jedoch hoffen und wünschen, daß uns dieser tiefbedauerliche Zwang nicht auferlegt werde! Möge vielmehr der allezeit bewährte Sinn des Wohlthuns in den Herzen unserer Freunde und Gönner nicht erkalten und sich unserer Anstalt gegenüber durch Zuweisung von namhaften Spenden in neuem Glanze bethätigen!" Die Einnahmen beliefen sich auf 14,285 M., wovon 5040 M. Pensionsgelder waren. Die Ausgaben betrugen aber 17,147 M., wovon allein 13,800 M. die Haushaltungskosten erforderten. Das Deficit belief sich also auf 2862 M., die dem Vermögen der Anstalt entnommen werden mußten. Die Anstalt besitzt übrigens seit dem 31. Mai 1880 die Rechte einer juristischen Person. — Der israel. Unterstützungsverein zu Worms hat in seinem 27. Jahresbericht das Bedauern ausznsprechen, daß sich trotz seiner sichtbaren wohlthätigen Wirksamkeit die Zahl der Mitglieder, der Beiträge und der Geschenke vermindert Hube, so daß, um ein Deficit zu vermeiden die Gaben eingeschränkt werden mußten. Es heißt darüber: „Durch die Thätigkett unseres Vereins wurde der Haus- und Straßenbettel wirksam bekämpft; wenn wohlhabende hiesige Israeliten sich dieses Ergebnisses erfreuen, ohne im Geringsten zur Erreichung desselben mitzuwirken, dann entziehen sie sich einer Leistung, zu der sie sich durch ihr Gewissen verpflichtet halten müßten. Wenn sie durch Verweigerung eines Beitrages an unseren Verein es veranlassen, daß mancher würdige Arme unsere Stadt mit einem, seinen berechtigten Anforderungen nicht entsprechenden kleinen Geschenke verlassen muß, da er nach Maßgabe unserer Statuten auch bei Nichtmitgliedern nicht vorsprechen darf, so benachtheiligen sie die Armen und Dürftigen, denen durch Vereinigung aller vorhandenen Kräfte gewiß in wirksamer Weise geholfen werden könnte." Möchten die Betreffenden diese Mahnung wohl beherzigen! Der Verein hatte 3321 M. Einnahmen, die auf 1272 Unterstützungen verwendet wurden. Der Capitalfond beläuft sich auf 12,250 M. — Aus Königsberg if Pr. erhielten wir drei Berichte, der erste ist der 27. Jahresbericht des israelitischen Waisenhauses für Stadt und Provinz. Der Vorstand macht in beredter Weise auf eine Lücke aufmerksam, die sich in der Wirksamkeit der An-