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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-04-26 · Heft 17 (26.4.1888) · p. Seite 268

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 17 (26.4.1888)
Date
1888-04-26
Page
Seite 268 (sequence 12)
Language
German
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268 Rumänien. Bukarest, 13. April. Der „Vointa Nationala" zufolge beabsichtigt die Regierung, die Ausweisungsbefehle zu wider» rufen, die sie im Herbste 1885 gegen mehrere rumänische Israeliten wegen angeblich landesfeindlicher Verbindungen mit der Alliance Israelite erlassen hatte. Bukarest, 15. April. (Privatmitth.) Es ist eine alte Lehre der Geschichte, welche Völker und Regierungen sich nicht zu Herzen nehmen, daß die Vergeltung niemals ausbleibt. Wenn in einem Staate Unrecht und Vergewaltigung gegen eine bestimmte Classe dauernd geübt und die anderen Classen gegen dieselbe aufgehetzt werden, so pflanzt sich der böse Geist auch auf die anderen Classen über und macht sich bei Gelegenheit durch Empörung und Forderungen, die kaum zu erfüllen sind, Luft. Die maßgebenden Männer und Kreise Rumäniens haben sich gegen die schuld- und wehrlosen Juden in so empörender Weise betragen, daß sie jetzt durch den Aufstand des Volkes dafür bezahlt werden. In der Hauptstadt entstanden Volksunruhen, denen endlich Herr Bratiano nach so langer Regierung weichen mußte, Herr Johann Bratiano, der sich die ersten Sporen in der Verfolgung der Juden gewonnen hat, und von welchem die schlauen Umwege erfunden worden, auf welchen die Bestimmungen des Berliner Congresses in Rumänien illusorisch gemacht wurden. Nun aber die Bauernaufstände, die einen immer bedrohlicheren Umfang annehmen, gegen die Großgrundbesitzer, die Aussauger der armen Bauern und gegen die bestechlichen Beamten, denen das Volk das Schlimmste zutraut, gerichtet sind, und die Land verlangen, um sich ernähren zu können. Man hat die Juden aus dem offnen Lande mit der größten Härte vertrieben, ihnen nicht blos die Pacht von Grundstücken untersagt, sondern auch die Viehzucht und den Handel mit Landesprodukten völlig abgeschnitten; dafür hat man sehr zahlreiche Zigeunersamilien ansässig gemacht. Jetzt erndtet man die Früchte. Gerade in Districten, aus welchen man die Juden mit Stumpf und Stiel ausgetrieben, wüthet der Aufstand immer mehr und wird nur mit blutigen Opfern unterdrückt werden. Die Juden waren für den rumänischen Bauern ein unentbehrliches Mittelglied; sie kauften ihm seine überflüssigen Producte ab und führten sie nach dem Auslande aus. Dadurch hatte der Bauer in guten Jahren Gelegenheit, für die schlimmen Jahre sich Etwas zurückzulegen. Dies hat seit einem Jahrzehend aufgehört, und da nun die letzten Jahre die Erndten fehlgeschlagen und Futtermangel eintrat, sind die Bauern zur Verzweiflung gebracht. Sie haben kein Vieh und keine Aussaat mehr und der Hungertyphus wüthet unter ihnen. Dabei müssen sie für ein ungenügendes Stück Land den Großgrundbesitzern Arbeiten leisten, ohne von diesen in der Zeit der Noth ernährt oder unterstützt zu werden. Dies sind die Ursachen der Bauernaufstände. Man erndtet, was man gesäet. In den Ländern der Slaven sind die Juden ein unentbehrliches Mittelglied, ihre Vertreibung ist den Machthabern leicht, aber ihr Ersatz ihnen unmöglich. Deshalb gereicht die Verfolgung derselben in allen slavischen Ländern dem Volke zum großen Schaden. Vielleicht kommt dies mit der Zeit den regierenden Classen zum Bewußtsein. Spanien. Madrid, im April. (Privatmittheilung.) Nach jüngsten Depeschen soll die Conferenz über marokkanische Angelegenheiten nun doch am 1. Mai hier zusammentreten. Möchten die Vertreter der Großmächte die neuesten Vorgänge zwischen der nordamerikanischen und marokkanischen Regierung sich zur Warnung dienen lassen, die bisher von ihnen geübten Schutzrechte nicht ohne sichere Bürgschaften aufzugeben oder nur abzuschwächen. Hat die marokkanische Regierung hierin nur einigen Vortheil erreicht, so wird die zügelloseste Despotie nicht blos von oben, sondern auch durch die ganze Reihe von Beamten ausgeübt werden. Selbst das Scheinbild gemischter Gerichtshöfe wird hier wenig helfen, denn die marokkanischen Beamten sind wenig geneigt, die Urtheile ihrer eigenen Gerichte zu achten, viel weniger solcher gemischten, die sie immer mit scheelen, wenn nicht gehässigen Augen ansehen werden. Alles dies ist so notorisch, daß die Beweise dafür auf der Straße liegen und man die Augen dagegen nur verschließen kann, wenn man will. Madrid, im April. Wie der „Jndep. belge" gemeldet wird, soll die spanische Regierung beschlossen haben, die Einladungen zur marokkanischen Conferenz noch vor Ende April ergehen zu lassen; die Conferenz würde Anfang Mai zusammentreten. Die Tagesordnung ist folgende: 1) Revision der Convention von 1880 betr. das Schutzrecht der Consuln, Abschaffung der Mißbräuche, zu denen dieses Schutzrecht anerkanntermaßen geführt hat, und Gründung von gemischten Gerichtshöfen oder einer - internationalen Commission zur Ueberwachung der Ausstellung von Schutzbriefen; 2) Feststellung wirksamer Garantien von Seiten des Sultans zum Schutze des Handels, der Capitalien und der Unternehmungen der Ausländer, da die Bestimmungen der alten Verträge und der Convention von 1880 beständig verletzt werden. Die Regierungen werden auf der Conferenz durch ihre Botschafter und Gesandten vertreten sein. Bonn, 22. April (Notizen.) Man schreibt uns aus Baumholder, den 8. April. Heute wurde hier die sterbliche Hülle des in Gott entschlafenen Herrn Emanuel Culmann zur letzten Ruhe geleitet. Die Leichenfeierlichkeit gestaltete sich zu einer imposanten „Kundgebung, welche Zeuguiß von der großen Verehrung und Hochachtung ablegte", dessen sich der Entschlafene erfreute. Die gesammte Einwohnerschaft

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