Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1888)
- Date
- 1888-04-26
- Page
- Seite 266 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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266 dem jüdischen Religionsunterrichte zugewiesen sind, nicht ausreichend erscheinen, um auch nur den bescheidensten Ansprüchen genügen zu können, so wurden für die betreffenden Schüler und Schülerinnen am Sonntag Bormittag zwei besondere Stunden angesetzt, um gewissermaßen dem in den genannten Schulen crtheilten Unterricht als Ergänzung zu dienen. Der Unterricht wird von den drei Lehrern der Gemeinde, classenweise ertheilt und hat in dem einen Jahre seines Bestehens bereits recht gute Erfolge erzielt, wie eine am 15. d. Mts. veranstaltete öffentliche Prüfung bewies. Zn derselben war ein auswärtiger Fachmann zugezogen J) und die Eltern, sowie der Gesammtvorstand und die Schulcommission wohnten derselben bei. Das Resultat der Prüfung wird sicherlich die wenigen Eltern, welche bisher ihre Kinder an diesem Unterrichte nicht theilnehmen ließen, veranlassen, ihren Widerstand aufzugeben, zumal da die Zweckmäßigkeit, ja Nothwendigkeit doch Jedem einleuchten muß. Dem Fleiße und der bewiesenen Tüchtigkeit der Lehrer gebührt volle Anerkennung, sowie dem Vorstand der Synagogengemeinde und der Religionsschulcommission für die der nachahmungswerthen Einrichtung bewiesene Hingebung der Dank der nächsten Interessenten nicht nur, sondern der ganzen Gemeinde. Siegen, 16. April. (Privatmitth.) Die heute ausgegebene Nummer des „ Siegener Volksblattes" wurde wegen angeblicher Stöckerbeleidigung mit Beschlag belegt. Da solche Beschlagnahmen gewöhnlich eintreten, wenn schon eine Anzahl Errmplare ausgegeben ist, so war ich im Stande, den incriminirten Artikel zu lesen und kann nur mit vielen Anderen darauf gespannt sein, ob die Beschlagnahme aufrecht erhalten werden wird! Die Rede Stöckers war eine Art Bericht vor seinen Wählern und zur Rechtfertigung seiner Abstimmungen. Der Juden erwähnte er nur kurz, indem er sagte, was „seine jüdischen Mitbürger" betrifft, so werde er „wie ein getreuer Ekkehard des deutschen Volkes gegen sie auftreten". Das ist eben so fadenscheinig wie lächerlich! Sich selbst als „einen getreuen Ekkehard" proclamiren, dazu gehört eine gewisse Stirn. Mag Stöcker immerhin noch „gegen uns auftreten" — daß er nichts Wesentliches gegen uns auszurichten vermag, könnte er längst wissen — aber man muß sich doch consequent bleiben und seiner ersten Staffel nicht vergessen wollen. Oesterreich-Ungarn. Pest, 12. April. (Privatmitth.) Der hiesige israel. Handwerks- und Ackerbau-Verein, dessen Wirken, die Verbreitung des Handwerks unter unseren Glaubensgenossen anzustreben, in immer weiteren Kreisen anerkannt wird, veri) Also eine Art Schulinspection, die wir stets befürworteten Iiedaction. öffentlichte jüngst seinen Jahresbericht Pro 1887. Die Anzahl seiner Handwerkszöglinge betrug zu Ende des Jahres 1886 124, im Laufe des Berichtjahres wurden 60 ausgenommen; freigesprochen wurden nach Beendigung ihrer Lehrzeit 26 und in Folge freiwilligen Austrittes war aus anderen Gründen gestrichen 20, so daß mit Ende 1887 verblieben 138. Von diesen sind 25 Schlosser, 16 Tischler, 12 Spengler, je 9 Tapezierer und Drechsler, je 6 Goldarbeiter und Mechaniker, 5 Schriftsetzer, 8 Buchbinder, 4 Täschner, je 3 Metallgießer, Metalldrucker, Schildermaler, Schnurmacher, Maschinenschlosser und Porzellanmaler, je 2 Buchdrucker, Handschuhmacher und Uhrmacher, je 1 Sattler, Faßbinder, Bürstenbinder, Bildhauer, Gerber u. dgl. m. Ackerbauzöglinge hat der Verein 2 und solche, welche auf Kosten des Vereins die Staats-Gewerbe- Mittelschule besuchen 11. Das Vermögen des Vereins belief sich Ende December 1887 auf 44991 fl. 29 kr. Zu bedauern ist, daß der Verein aus Mangel an Mitteln von den Bittstellern um Aufnahme, deren Zahl sich im abgelaufenen Jahre auf 109 erhöhte, 49 die verdiente Berücksichtigung nicht gewähren konnte. Frankreich, Paris, 13. April. Wir berichteten, daß einige Israeliten aus Algerien, die sich in Alexandrien aufhalten, eine Beschwerde bei der französischen Deputirtenkammer eingereicht haben, weil man sie nicht für Franzosen ansehen und ihnen deshalb die Rechte nicht zugestehen wolle, die sie als Franzosen zu genießen haben. Die Petitionskommission der Kammer hat diese Beschwerde sorgfältig geprüft und einen ausführlichen Bericht erstattet, der mit dem Anträge schließt, die Beschwerde als völlig begründet der besonderen Aufmerksamkeit des Ministers des Auswärtigen zu empfehlen. — Es gehört durchaus nicht zu den Seltenheiten, daß hiesige Israeliten gemeinnützige Anstalten, ohne irgend consessionelle Berücksichtigung, gründen und mit den nöthigen Geldmitteln ausrüsten. So hat Herr Henry Bamberger ein viertes Asyl für Obdachlose errichtet und mit einer Jahresrente von 15,000 Francs ausgestattet, in welchem zwei Säle mit je 72 und 112 Betten und einem besonderen Saal zu 16 Betten für Kranke und Leidende sich befinden. Die philanthropische Gesellschaft, welche derartige Anstalten beschützt, hat an dem betr. Gebäude eine Inschrift anbringen laffen, in welcher Henry Bamberger als Gründer und Erhalter derselben bezeichnet wird. — Durch ein Decret des Präsidenten der Republik werden die Legate des sel. B. Oppenheim zu Paris autorisirt: das Hospital Rothschild erhält 45,000 Francs, dieselbe Summe das Wohlthätigkeitscomite und 10,000 Fres. der Verein zur Unterstützung von Handwerkslehrlingen und Arbeitern; sämmtlich für Juden. — Die Buchhandlung Dentu (3 place de Valois) ver-