Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1888)
- Date
- 1888-04-26
- Page
- Seite 264 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3227717-3227735--45262-3264765- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
264 letzten Jahrzehnten erwachten Streben nach Wissen und Bildung nahm gleichfalls die jüdisch-spanische Literatur einen neuen Aufschwung und lieferten die Pressen in Wien, Belgrad, besonders in Konstantinopel, Salonichi und Smyrna eine verhältnißmäßig große Anzahl jüdisch-spanischer Schriften. Man beschränkte sich nicht mehr auf das Uebersetzen von Bibel und Gebetbuch, von Moralschriften, Sittenlehren33), Auszügen aus dem Sohar^) man fing an auch Jugendschriften, Grammatiken^) Wörterbücher36), selbst eine Arithmetik^) in Ladino zu bearbeiten. Man übersetzte zur Abwehr gegen die Angriffe auf das Judenthum das alte Werk „Chissuk Emuna"^ transseribirte die von M. de Leon 1640 besorgte spanische Uebersetzung des „Scheuet Jehuda" (Leiden der Juden) ins Jüdisch-spanische^) und bearbeitete eine „Historia Universal por el uso de los gecos“ nach der Geschichte P. Parley's.^o) Auch Volksschriften wurden theils übersetzt, wie die „Abhandlung über die Thiere" von Kalonymos ben Kalonymos^), theils neu bearbeitet, so eine „Geschichte Joseph's"^-) u. a. Bezeichnend für den Culturzustand ist, daß noch 1865 in Smyrna die Biographie des Kabbalisten Isaak Loria und ein sogenanntes medicinisches Schristchen, sympathetische Mittel enthaltend, in Ladino erschienen ift.43) Das bedeutendste Werk der jüdisch-spanischen Literatur ist „Meam Loes“, ein encyklopädischer, weitschichtiger Commentar über den Pentateuch, an dem verschiedene Verfasser, wie Jakob Kuli, Isaak Magriso, Isaak Bechor Arguiti, arbeiteten und von dem mehrere Auflagen erschienen sind.") 33) „Pele Joez“ von Et. Papo, übersetzt von Juda Papo (Wien 1870). — „Mekor cliajim“ (Konst. 1861); „Damesek Eiieser“ von E. Papo (Belgrad 1850). 34) Belgrad 1859. 35) „Orannn. de la lengua Santa“ (Smyrna 1852), von M. D. Alkelai (Bukarest 1860). 36) „Diccionario de la lengua santa con la declaracion de cacla vierbo en la lengua sephardis“ (Konst. 1855). 37) vvn Älkelai (Belgrad 1867). 38) Smyrna 1840. Eine Widerlegung der Old Paths von M'Caul schrieb Raphael Katsin (Smyrna 1855). 39) Belgrad 1859—60. 40) Salonichi 1861. 41) Salonichi 1867. 42) Livorno 1872. 43) „Librejo de Rephuot“ (Smyrna 1865). 44) Steinschneider, „Hebr. Bibl." XVII, 15. Das 1. Buch Mos. erschien 1. Ausl. Konst. (?), 2. Aust. Salonichi 1798, 3. Aust. Smyrna 1864; 2. Buch Mos. 1. Ausl. Konst., 2. Aust. Smyrna 1864; 3. Buch Mos. Smyrna 1871; 4. Buch Mos. ebendas. 1872; 5. Buch Mos. Konst. 1733. (unvollendet), Smyrna 1872. i Der Commentar erstreckt sich auch über das Buch Josua, von Menahem Mitrani^), und über die Estherrolle, von Raph. Chijja Pontremoli.^o) Seit einigen Jahren erschienen und erscheinen zum Theil noch in spanischer Sprache mit hebräischen Typen in Konstantinopel, Salonichi, Smyrna und Wien nicht weniger als 9 Wochen- und Tageblätter, von denen „La Epoca“ von Saadia Halevi in Salonichi, „La buena Esperanca“ von Aaron de Joseph Hazan in Smyrna, „El National“ von M. Malorcas in Konstantinopel, „El Sol, Revista scientifica e litteraria“ von David Fresko in Konstantinopel die gelesensten fiiib.47) M. Kayserling. Bonn, 30. April. Wir haben zur Zeit über das treffliche Werk des vr. Rabbinowicz in Paris, die systematisch geordnete und mit Anmerkungen und Abhandlungen versehene auszügliche Uebersetzung des Talmud in französischer Sprache berichtet. Zu unserer Freude kommt uns die Mittheilung zu, daß die Auflage dieses bändereichen Werkes erschöpft ist und der Verfasser an eine neue Auflage gehen will. Die Herren A. Franck und Jules Simon leihen diesem Unternehmen ihre Hilfe und dringende Empfehlung. — Die Verlagshandlung La Ruelle in Aachen hat auf Veranlassung des Herrn Rabbiners vr. Jaulus ein schönes Tableau im größten Format hergestellt, besonders für Israeliten bestimmt. In einem imposanten Portal, dessen Kapital und Säulen mit Arabesken geschmückt sind, befindet sich das sehr getroffene Bildniß Kaisers Friedrich, und darunter in prächtiger Schrift jener Satz des kaiserlichen Erlasses an den Reickskanzler, welcher die Gleichachtung aller Religionen und Nationalitäten verlangt und den Bekennern aller Confessionen die gleiche landesväterliche Liebe verheißt. Im Kapital rechts und links liest man die Worte Spr. Sal. 20, 28 und 24, 21, auf der einen Säule Jerem. 46, 28, auf der andern Jesaias 45, 17, am Fuße Maleachi 2, 10. Die Ausführung ist höchst elegant und geschmackvoll, und macht das Tableau zu einer würdigen Zimmerzier. Preis M. 1,50. 45) 2. Theil, Wien 1856. 46) Smyrna 1864. 47) Außerdem erschienen „El Progresso“, von Molko (Konst.); „El Tiempo“, von Carmona (Konst.); „El Telegraph, Eco del mondo judaico“ (Konst.); „El Dragoman“, von Joj. Calvo (Wien). Deutschland. Berlin, 13. April. (Privatmitth.) Es sind ganz eigenthümliche und recht bedauerliche Vorgänge, die sich gegen- 4/t. wartig hier abspielen. Gerade aus den Kreisen, welche sonst mit ihrer monarchischen und königstreuen Gesinnung sich brüsten und jeder Opposition Feindschaft gegen Kaiser und Reich zuschreiben, gerade aus diesen Kreisen eröffnet sich ein