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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-04-19 · Heft 16 (19.4.1888) · p. Seite 253

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 16 (19.4.1888)
Date
1888-04-19
Page
Seite 253 (sequence 13)
Language
German
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253 den starb den 4. d. M. der ehemalige Prediger vr. Moritz derselbe, der 1846 das Buch Hiob in rhythmisch-gegliederten Löwenthal im Alter von 71 Jahren. Es ist dies wohl Uebersetzung mit Commentar herausgegeben hat. — Ieuil Die Juden in Smyrna. Smyrna, Ende März. Wir haben in vor. Nummer eine Original-Correspondenz aus Smyrna gegeben, die sich mehr über die Spaniolen überhaupt ausließ. Jetzt lesen wir in der „Franks. Ztg." „Reisebriefe aus der Levante" von H. Scherer, der schon wiederholt im Oriente verweilte und zwar längere Zeit. Er giebt folgende interessante Schilderung der Juden in Smyrna. Er schreibt: Von den steilen Höhen des Türkenviertels steigt man auf wahren Kletterpfaden und auf einem aller Beschreibung spottenden Master, wo Gebirgsschuhe gute Dienste leisten würden, herab zu dem Ghetto. Die Zahl seiner Inwohner wird auf 20,000 geschätzt, was alle Wahrscheinlichkeit für sich hat, denn wir kommen jetzt zu den Völkerschaften, wo es zur Ebre und Freude gereicht, viele Kinder auf die Welt zu bringen. Ein Dutzend ist keine Seltenheit.') Die hiesigen Juden sind zumeist spanischer Herkunft und sprechen die Sprache in einem mit Italienisch vermischten Patois. Ihre politische, noch mehr aber materielle Lage hat sich in dem letzten Jahrzehnt wesentlich gebessert. Früher nur Kleinhandel und das sogenannte „Serafs", Geldwechsel betreibend, haben sie sich jetzt auch aufs Engrosgeschäft verlegt und arbeiten, wohl mit Unterstützung von europäischem Kapital, selbst in der Exportbranche und wie allerwärts mit Erfolg. Den Bazar kennen sie wie ihre Tasche und wissen in seinen labyrinthischen Gängen und Winkeln jede Waare aufzutreiben und an den Mann zu bringen. Als Rajahs der Pforte unterthänig, haben sie mit ihren christlichen Mitbürgern derselben Kategorie gleiche Rechte und Pflichten, und sie werden nicht mehr, wie es früher allerdings geschah, als Parias behandelt. Die Regierung hat sie, als wegen vermeintlichen Christenmordes zur höheren Weihe des Passahfestes eine Razzia in Scene gesetzt werden sollte, energisch geschützt. Auch will man bemerken, daß an der Börse von Galata ihr Einfluß und Gewicht dem seither exclusiven Privilegium der Armenier für Anlehensoperationen empfindliche Concurrenz zu bereiten anfange. Die „Alliance israelite“ hat sich hier in einem stattlichen Gebäude niedergelassen und sorgt freigebig für Unterricht, Kranken- und Armenpflege. Die Mildthätigkeit der Wiener Rothschilde preist die am Eingang in 1 e f o n. das von ihnen begründete Spital auf einer Marmortafel angebrachte schwungvolle Inschrift. Selbstverständlich sind es bis jetzt nur wenige Auserwählte, denen es gelungen, sich aus der Masse emporzuschwingen. Bon einer politischen Emancipation, bürgerlich - socialen Stellung des Judenthums, wie sie bei uns besteht, kann keine Rede sein. Im Ghetto sieht es noch recht mittelalterlich aus. Die Zwangspflicht, darin zu wohnen, ist zwar aufgehoben, aber die Gewohnheit bleibt fortbestehen. So geht es auch mit der Kleidung. Die Männer, hager und von hoher Statur, tragen Fez, langen Kaftan, im Winter mit Pelz verbrämt, darunter ein blousenartiges Gewand, umgürtet mit breiter Schärpe, weitfaltige Culotte, weiße Strümpfe, offene Schuhe, und verwenden viel Sorgfalt auf ihren Haar- und Bartwuchs. Die grauen sind tief „an coeur“ ausgeschnitten'), tragen kurze Röcke und seidene Pumphosen, die über den Knöcheln geknüpft werden, die Berheiratheten als Kopfputz eine mit Geschmeide durchwirkte hohe Haube, bei den Unverheiratheten j hängt das üppige Haar in Zöpfen herab. Alles in buntesten Farben. Von kleinem Format und plastischem Ebenmaß sind die Füße; sie stecken in goldgestickten Pantoffeln und diese wieder in Holzgaloschen zum Schutze gegen den Koth. Sie verstehen indeß damit ganz leicht und graziös über die Abgründe und Spitzen des horrenden Pflasters zu balanciren. Beim Ausgehen verschleiern sie sich öfters, doch mehr aus Scheu und um vor Insulten sicher zu sein, religiöse Vorschrift ist es nicht. Die Gesichtszüge sind ziemlich scharf geschnitten, aber frisch von Farbe und von lebhaftem Ausdruck. Wenn ich mir dagegen unsere Landsmännin auf der Zeil und im Palmengarten denke, welches Extrem und doch ein gewisser Grundzug der Verwandtschaft.. . Während bei den Türken Alles verschlossen gehalten wird, stehen im Ghetto den Tag über die Häuser weit offen, man blickt von der Straße bis in das Innere. Wenn man sie so zu ihren Festlichkeiten versammelt oder auch mit dem Wasserkrug am Brunnen stehen sieht, wird nian unwillkürlich an die Esther's und Rebekka's der biblischen Legenden und Bilder erinnert. Eines Besuches werth ist der jüdische Friedhof, der hoch und frei gelegen, ein wundervolles Panorama über Golf, Gebirg und Stadt entrollt, wogegen die türkischen in der Wildheit und Finsterniß ihres Cypressenhains verborgen sind. 1) Während die Frauen ini Orient ihr Gesicht bedecken, lassen sie die Brust nur wenig verhüllt. Redakt. 1) Bei den Türken ist dies nicht der Fall. Redact.

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