Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1888)
- Date
- 1888-04-19
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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251 quier G. Köhler, Rendant des Vereins, Fürstenwalde, Spree. Kaufmann I. Koch, Berlin, Fennstr. 52/51. Kaufmann F. Landsberger, Breslau. Kaufmann I. Lauffer, Frankfurt a./O. Rechtsanwalt Di-. Mann, Stettin. Geh. San.-Rath Dr. Marcuse, Berlin, Bendlerstr. 18. Posthalter I. Meseritzer, Schriftführer des Vereins Fürstenwalde/Spree. Consul Fritz Nachod, Leipzig. Leiter der jüdischen Taubst.-Anstalt M. Reich, Fürstenwalde/Spree. Hoflieferant Louis Ed. Sachs, Berlin, Taubenstr. 7. Kaufmann A. Stein, Fürsten- Walde/Spree. Rentier W. Wolffssohn, Vorsitzender des Vereins, Fürsten walde/Spree. Berlin, 9. April. (Berichtigung.) In der vorletzten Nr. der „Zeitung des Judenthums" berichten Sie, daß die hier bestehenden „B’ne B’rith Logen" sich eine eigene Synagoge haben erbauen lassen. — Es ist das ein Jrrthum, nicht die Logen, sondern ein hier bestehender, zufällig denselben Namen führender Verein ist es, der nach jahrelangem Streben die neue Synagoge Grüner Weg 19, welche für 600 Personen — nicht 400, wie angegeben — Platz bietet, geschaffen hat. — Der Verein „B’ne B’ritli“ hat sich vor ca. 8 Jahren gebildet, mit der Aufgabe, im Osten Berlins (der beider Einrichtungen entbehrt) eine Synagoge und eine Religionsschule zu unterhalten, was ihm, wenn auch mit großen Opfern, bisher gelungen ist. G. Sp. Oehringen, 1. April. Auf Anregung des Lehrers Spatz in Affaltrach versammelte sich hier eine Anzahl isr. Lehrer und Vorsänger des Hohenloher Gaues und der Umgegend, um sich über allerlei Standesfragen zu besprechen. Das Ergebnis dieser Besprechung war die Gründung eines isr. Lehrervereins für Hohenlohe-Franken zur Wahrung und Förderung von Standesinteressen. Zum Vorstand des Vereins wurde Lehrer Forchheimer-Ernsbach, zum Schriftführer Spatz- Affaltrach gewählt. AuS Kurheffen, 6. April. Bekanntlich hatten die Antisemiten geplant, in Kassel einen Heerd für ihre Hetzereien anzulegen; dies gelang ihnen aber nicht, und so versuchen sie es, sich auf dem Lande niederzulassen. Daß sie hier mehr Anklang fanden, bewies die Wahl Böckels in den Reichstag; doch ist die Wiederwahl desselben zweifelhaft. Der „Frks. Z." schreibt man jetzt: „Die Antisemiten wühlen bereits nach Kräften, um bei der nächsten Reichstagswahl den Wahlkreis Homberg - Fritzlar - Ziegenhain für ihren Candidaten, Herrn Max Liebermann von Sonneberg, zu erobern. Am 2. dieses M. erschien in Treysa (Kr. Ziegenhain) der letztgenannte Herr, ferner die Antisemiten Förster und Stehlig (letzterer ein Reallehrer aus Kassel), angeblich um mit hiesigen Gesinnungsgenoffen eine Gedächtnißfeier für Kaiser Wilhelm zu veranstalten. Da sie ein passendes Local nicht fanden, hielten sie ihre — übrigens recht schwach besuchte — Versammlung im Freien ab. Die „Gedächtnißfeier" für den verstorbenen Kaiser bestand dann in Wahrheit in der Abhaltung von Hetzreden gegen die Juden, welche gemeinschaftlich mit Polen und Franzosen als die größten Feinde Kaiser Wilhelms hingestellt wurden. Hierauf zog man in das „Hotel zur Burg", wo eine geschlossene Versammlung stattfand, zu der nur Gesinnungsgenossen zugelassen wurden. Dort hielt Herr Liebermann eine jedes Maß überschreitende Schimpfrede gegen die Juden und die „jüdische Presse", und forderte zum Abonnement auf den famosen „Reichsherold", sowie zum Beitritt zum „Reformverein" auf. Letzterem Verlangen kamen in der That — zwei Anwesende (Beamte) nach. Dem ganzen Gebühren der Herren Antisemiten nach zu urtheilen, werden wir das zweifelhafte Vergnügen haben, sie bald wieder zu sehen und zu hören." Oesterreich-Ungarn. Wien, 5. April. (Privatmitth.) Ich glaube annehmen zu dürfen, daß Ihre Leser über die Sitzung des Herrenhauses am 23. März, in welcher die Regierungsvorlage in Betreff der Regelung der äußern Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft zur zweiten und dritten Lesung und in der Form zur Annahme gelangte, wie sie von der Commission umgeändert wurde, bereits unterrichtet sind. Außer dem Berichterstatter nahmen der Minister für Cultus und Unterricht Dr. v. Gautsch und Baron Königswarter das Wort. Es hat allgemein sympathisch berührt, daß Letzterer als Jude das Wort genommen und von seinen Glaubensbrüdern sprach. Die jüdischen Abgeordneten im Unterhause nehmen sonst in Judenangelegenheiten nicht das Wort, und am allerwenigsten würden sie sich in solchen Fällen als Juden geriren. Die Rede dürfte da und dort in jüdischen Kreisen böses Blut gemacht haben; denn Herr Baron Königswarter übte starke Kritik an den Verhältnissen der Juden in Galizien. Leider muß man sagen, daß sie berechtigt war. Ich möchte nur auf einen Punkt Hinweisen, den ich schon vor einiger Zeit gestreift habe. Die Zahl der unehelichen Kinder unter den Juden in Galizien ist eine unverhältnißmäßig große nuos^ und zwar aus dem Grunde, weil die betreffenden Eltern nach dem jüdischen Gesetze rite getraut sind, aber nicht nach dem bürgerlichen. Dieser Zustand war bis zum Jahre 1860 gewissermaßen begreiflich, denn bis dahin bestand der § 124 des bürgerlichen Gesetzbuches, nach welchem jüdische Ehen vom Kreisamte bewilligt werden mußten. Man mußte also zum Kreisamte und das Brautpaar hatte 13 Zeugnisse beizubringen. Dem wollte man ausweichen und ließ sich einfach nur nach jüdischem Ritus trauen. Ich sagte, daß dies „gewissermaßen" als Entschul- 16*