Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1888)
- Date
- 1888-04-19
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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24S 3. Abtheilung enthält größere Erzählungen von B. Reis und dem Herausgeber, die 4. Abtheilung Poesien von M. H. Mane, Js. Kammer, Kaplan, Schapira. Js. Goldmann, Danziger, N. Samueli. Naturwissenschaftliche, uiedicinische und geographische Arbeiten bilden den Inhalt der übrigen Abtheilungen dieses Jahrbuchs, das Jedem etwas bietet und in der periodischen Literatur der Gegenwart einen ehrenvollen Platz einnimmt. — Für das Jahr 5649 ist der „Jllustrirte israelitische Volkskalender" von Jakob B. Brand eis (Prag 1888) bereits erschienen und enthält neben dem üblichen Kalender und den üblichen Beilagen ein größeres schwungvolles Gedicht zum 40jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers Franz Josef, die Jahresrevüe vom Herausgeber, eine recht interessante Erzählung von S. Kohn, Aphorismen für Geist und Herz, und Humoristisches. Den hübsch ausgestatteten Kalender schmücken das Porträt des Kaisers und die Abbildungen der neuen türkischen Synagoge in Wien und der neuen Synagoge in München. Dr. Kayserling. Deutschland. Bonn, 11. April. (Privatmitth.) Es gereicht zu hoher Befriedigung, wenn wir die von den Zeitungen mitgetheilten Listen durchmustern, den bedeutenden Antheil zu gewahren, welchen unsere Glaubensgenossen an den Beiträgen haben, welche zur Unterstützung der durch die furchtbaren lleberschwemmungen Geschädigten geleistet werden. Möge sich dies noch immerfort mehren, da in der That der angerichtete Schaden und die daraus erwachsene Noth unübersehbar ist. Der echte Geist der jüdischen Humanität und der patriotischen Gesinnung kann durch nichts mehr bethätigt werden, als in jeder Gefahr, in jeder Bedrängniß dem Mitmenschen und Mitbürger nach Kräften beizuspringen. — Nachträglich wollen wir bemerken, daß wir gedruckte Trauerreden, gehalten bei der Gedächtnißfeier für den verewigten Kaiser Wilhelm von den Herren Rabbinern und DD. Gelbhaus in Bordhausen, Landsberger in Darmstadt und Dessauer in Meiningen erhalten. Berlin, 9. April. Folgende Corresp. der „Frkf. Ztg." erscheint beachtenswerth: „Freisinnige Blätter haben wiederholt mit besonderer Genugthuung verzeichnet, daß unter den Geistlichen, die seither in der Charlottenburger Schloßcapelle funktionirt haben, sich der Hofprediger Stöcker nicht befunden hat. Die Thatsache ist richtig. Es sind sämmtliche Hof- Prediger inzwischen in Charlottenburg gewesen, einzelne sogar mehrmals, auch andere Berliner und Potsdamer Geistliche haben den Gottesdienst dort abgehalten, nur Herr Stöcker noch nicht, und es unterliegt gar keinem Zweifel, daß er absichtlich übergangen wird. Ueberraschen darf das Niemanden, am wenigsten Herrn Stöcker selbst, denn auch er hat sich wohl kaum einer Täuschung darüber hingegeben, daß der Kaiser den Mann nicht als Geistlichen vor sich fungiren sehen will, dessen Name aufs Engste mit einer Bewegung verknüpft ist, die er als Schmach für Deutschland bezeichnet, hat. Herrn Stöcker wird das auch nicht besonders erschüttern; er ist eine abgehärtete Natur und wartet seine Zeit ab. Auch in der antisemitischen Bewegung legt er sich seit einiger Zeit Reserve auf. Ob dies mit Rücksicht auf die veränderten Verhältnisse geschieht oder aus anderen Gründen, vielleicht wegen der Trauerzeit, bleibt abzuwarten. Seine Anhänger nehmen an dieser Zurückhaltung nicht Theil. Sie haben an, letzten Samstag unter Führung des bekannten Herrn Liebermann v. Sonnenberg, der sich nach seinen Erfolgen in Hessen und Westfalen auch in Berlin wieder für möglich zu halten scheint, eine große Musterung abgehalten. Die Versammlung, welche den Beweis liefern sollte, daß der Antisemitismus noch nicht todt sei, war sehr gut besucht; das Publikum, das bekannte: viele untere und mittlere Beamte, elegante Referendare und „deutsche" Studenten, ein Theil zünftlerischer Handwerker. Die Reden waren die bekannten; der besondere Anlaß derselben ist gleichgültig; man brauchte von dem Vorgang kaum Notiz zu nehmen, wenn nicht die Einleitung einige Beachtung verdiente. Herr v. Liebermann forderte die versammelten Antisemiten — Juden und Socialdemokraten waren ausdrücklich ausgeschlossen — auf, nach altem Brauche zunächst ein Hoch auf den Kaiser auszubringen. Das geschah sofort, und als der letzte Ruf verklungen war, fuhr der Vorsitzende fort: „Sie haben mich unterbrochen, denn ich wollte Sie auffordern, das Hoch auch auszubringen auf den Mann, der uns vorbildlich vorschwebt, Se. Kaiserliche Hoheit den Kronprinzen Wilhelm". Großer Jubel folgte sofort, und die nun folgenden Hochs klangen überaus kräftig. Herr v. Liebermann constatirte das etwa mit den Worten: „So, das war der alte gewohnte Klang." Der Vorgang beweist jedenfalls, daß der Kronprinz sich unter den Anhängern des Herrn v. Liebermann ganz besonderer Sympathien erfreut. Ob dies auf Gegenseitigkeit beruht, ist be- 16