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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-04-19 · Heft 16 (19.4.1888) · p. Seite 247

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 16 (19.4.1888)
Date
1888-04-19
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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247 Die Responsen der Geonim, aus der zweiten Firkowitschischen Sammlung der kaiserlichen öffentlichen Bibliothek zu St. Petersburg, sind mit dem in diesem Jahrgange erschienenen dritten Hefte, das auch Einleitung, Noten und Verbesserungen, ferner ein recht brauchbares Namen- und Sach-Register enthält, beendet. Der Sammelband Kobez al Jad wird diesmal jüdischen Historikern eine reiche Ausbeute gewähren. Das Haskarah- Buch der Wormser Gemeinde und die darauf folgenden Kinoth und Slichoth enthalten, ersteres wichtiges Material zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Worms, letztere aber zu der des Martyiums unserer Väter im Mittelalter. Der Anfang bringt Nachträge zu den früher erschienenen Sammelbänden. Für die Geschichte der hebräischen Philologie ist von besonderer Bedeutung das nach einer einzigen Handschrift in der Vaticanischen Bibliothek von H. I. Mathews herausgegebene Sepher Hagaluj von R. Josef Kimchi. Das Buch, das wahrscheinlich nur in einer einzigen Handschrift vorhanden ist, führt seinen Namen nach Jerem. 32, 14. Der Verfasser liebte es nämlich, seinen Schriften der Bibel entlehnte Titel zu geben, so nannte er seinen Prophetencommentar S ' " miknah, den Pentateuchcommentar Sefer Hathorah, seine polemische Schrift gegen das Christenthum Sefer Habrith, und sein grammatisches Werk Sefer Sikaron. Ueber den Inhalt des Sefer Hagaluj war man bis jetzt im Unklaren. Die Einen (Antonius Margarita, Buxtorf, Sabatui Bas, Heilprin, de Rosst, Fürst und Ghirondi) hielten es für ein polemisches Werk, die Andern (Geiger, Kalisch, Ginsburg und Tauber) für einen Commentar zu den Lrokstas xostorioros. Dukes ist der Einzige, der nicht umhin kann zu gestehen, daß man nicht wissen könne, ob das Buch ein exegetisches oder grammatisches sei. Wie nun aus der vorliegenden Edition ersichtlich ist, gehört das Sefer Hagaluj der grammatischen Literatur an. Das Buch besteht aus zwei Theilen; der erste (S. 5—63) enthält Entscheidungen (Hachraoth) zwischen Menachem und Dunasch und Einwendungen gegen die Entscheidungen (Hachraoth) des Rabenu Tam, der zweite Theil Berichtigungen (Hgahoth) zu jenen Theilen des Machbereth, gegen welche von den frühern Grammatikern keine Einwendungen erhoben wurden. Nach der Ansicht des Herausgebers hätte Kimchi weniger die Sache als die Person des R. Tam vor Augen. Nachdem nämlich Chajug und Abulwalid ihre Werke geschrieben halten, war es eigentlich etwas ganz Müßiges und Ueberflüssiges, zwischen Menachem und Dunasch und deren Schülern Stellung zu nehmen, der Spanier Kimchi wendet sich vielmehr als solcher gegen den Proven^alen R. Tam, der die großen spanischen Grammatiker Chajug und R. Jona außer Acht gelassen hatte. Das Sefer Hagaluj wird viermal in dem Mischlecommentar des Verfassers, achtmal von R. David Kimchi und einmal im Sefer Haschoham des Moses b. Jsak aus England erwähnt. Josef Kimchi hat dasselbe in höherem Alter verfaßt, später als das Sefer Sikaron und Sefer Habrith, die er beide in unserem Buche citirt, außerdem werden fast sämmtliche Grammatiker und Lexicographen angeführt und mehr und minder benutzt. Targum, Mischnah und Talmud begegnen wir sehr oft, hebräische Worte werden häufig aus dem Arabischen erklärt. Das unserer Ausgabe zu Grunde liegende Manuscript enthält ferner Bemerkungen eines gewissen Benjamin, der hinwiederum für Tam gegen Kimchi Partei ergreift und sich auch gegen die im Sefer Hagaluj häufig vorkommenden Vergleichungen des Hebräischen mit dem Arabischen ausspricht. Wie aus diesen, der unserem Buche vorangehenden kurzen Einleitung des Herausgebers entnommenen Angaben erhellt, ist das lange unbekannt gebliebene Sefer Hagaluj, das viele Jahrhunderte im Staube der Bibliotheken geschlummert hat, von nicht geringer Bedeutung für die Geschichte der hebräischen Sprachwissenschaft und wird sein Erscheinen von den Pstegern dieses Zweiges unserer Literatur gewiß freudig begrüßt werden. Dr. E. Neumann. Bonn, 9. April. Herr Emanuel Löw in Szegedin giebt „Gesammelte Schriften" seines Vaters in drei Bänden heraus, wie uns eine Subscriptionsanzeige meldet. Die in mehreren Zeitschriften, besonders im Ben Chananja zerstreuten Aufsätze Leopold Löw's sollen hier zusammengestellt werden. Der Inhalt ist ein sehr mannigfaltiger, sowohl über die Emaucipationsfrage der Juden in Ungarn, als auch über Reform des Judenthums und andere Gebiete der jüdischen Theologie. Wenn auch in dem engen Rahmen von Abhandlungen viele Probleme nicht gelöst werden, so ist es doch immer interessant, wie ein geistreicher und gelehrter Mann sich die Dinge zurechtlegt und sich darüber ausspricht. — In Jerusalem giebt S. Zukermann & Co. unter dem Titel pao min kürzere und längere Aufsätze zumeist russischer Rabbiner über Stellen der h. Schrift, des Talmuds, Maimonides' u. A. heraus. Sie erscheinen in Heften und bilden eine Fortsetzung der rabbinischeu Literatur im Geiste der früheren Jahrhunderte in casuistischer Tendenz. Nichts bezeugt mehr den Abstand zwischen den Anhängern jener älteren und den Jüngeren der neueren Culturstufe innerhalb des Judenthums, als diese, oft geistreichen, jedoch spitzfindigen Aufsätze, welche von den Fortschritten der Exegese keine Ahnung haben. — Der emeritirte Prediger D. Löwy giebt im Selbstverläge in Wien „Tausend Jahre aus dem Leben des jüdischen Volkes im Zeitalter des Talmuds" heraus, und liegen uns bereits sieben Lieferungen vor. Der Verf. beginnt seine Darstellung mit der Rückkehr der Juden nach Palästina

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