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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-04-12 · Heft 15 (12.4.1888) · p. Seite 231

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 15 (12.4.1888)
Date
1888-04-12
Page
Seite 231 (sequence 7)
Language
German
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m gleich ist sie für Juden eine Erziehanstalt, in welcher auch arme. Zöglinge angenommen werden. Deshalb großer Zuzug von außen, während die dortige kleine jüdische Gemeinde kein genügendes Contingent von Schülern stellen könnte. Der vorliegende Bericht von Ostern 1887 bis Ostern 1888 bietet zunächst den Lehrplan der Schule, der nach jederRichtung hin als pädagogisch durchaus angemessen und den Forderungen unserer Zeit entsprechend erscheint. Für die israelitische Religionslehre, einschließlich Hebräisch, sind in jeder der 6 Klassen wöchentlich 4 Stunden bestimmt. Von den Unterrichtsstunden im Singen wird eine für Synagogal- und eine für Chorgesang verwendet. Die Schule wurde von 239 Schülern besucht und zwar von 108 Juden und 131 Christen. Hausschüler 133, Stadtschüler 106. Unter diesen Schülern 116 Preußen. Das Stiftungsvermögen beziffert sich auf M. 575,600, der Pensionsfonds ans M. 100,030, außerdem noch einige kleinere Stiftungsfonds. — Das diesjährige Programm der Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt a. M. bringt eine Abhandlung über einige Abschnitte der deutschen Grammatik auf der Stufe höherer Lehranstalten von Dr. Ta chau, einen würdig und warm verfaßten Nekrolog Jakob Auerbach's von Dr. Baerwald und Schulnachrichten. Auch hier wird uns ausführlich der Lehrplan mitgetheilt. Für die Religionslehre sind in jeder Klasse 2 Stunden wöchentlich und für das Hebräische 2 Stunden, in der fünften 3, in der sechsten 4 Stunden wöchentlich bestimmt. Die Schule wurde von 287 Schülern und die Vorschule von 132 besucht. Darunter waren nur 3 evangelisch und 2 katholisch; die Mädchenschule frequentirten 283 Schülerinnen. Berlin, 1. April. (Privatmitth.) Wenn irgend Etwas die Antisemiten und ihre Anhänger seitens der Regierung des Kaisers Friedrich tief zu treffen vermochte, so war es die Ertheilung des Schwarzen Adlerordens an den Justizminister Friedberg und den Präsidenten des Reichsgerichtes Simson. Wenn zu ihrem Lieblingsargumente geworden, daß sie nicht gegen die Religion, sondern nur gegen die Race der Juden ihren feindseligen Kampf richteten — weil eben unsre Zeit vorgiebt, die Religionsfreiheit nicht antasten zu wollen — so sind sie durch die Auszeichnung jener beiden Männer vom neuen preußischen Könige geradezu dementirt worden. Denn jene beiden hohen Justizbeamte sind getaufte Juden, gegen welche Kategorie sich der Haß der Antisemiten nicht minder wie gegen die Juden richtet. Sinison's Vater war ein geachteter Geschäftsmann in Königsberg und des Justizministers Vater ein jüdischer Lehrer in Märkisch-Friedland. Jene werden sich also mit ihrer Behauptung, die Race sei es, die sie befehden, im Widerstreite mit dem erlauchten Staatsoberhaupte befinden. In ihrer Verlegenheit oder, sagen wir, in ihrer Bestürzung bei dem Erscheinen des kaiserlichen Erlasses wagten sie die, den kaiserlichen Worten gerade widersprechende Ausrede, es sei darin nur von der Gteichachtung der Religionen, nicht der Race die Rede. Die obige Thatsache nimmt ihnen auch diese scheinbare Ausflucht. Berlin, 1. April. Abordnungen der Vorstände der jüdischen Gemeinden Berlins und Charlottenburgs haben in einer kürzlich stattgehabten Sitzung beschlossen, daß die jüdische Gemeinde Charlottenburg, welche bisher mit der jüdischen Gemeinde Berlin eine Gesammtheit bildete, sich von der Berliner Gemeinde abzweigen und eine selbständige Gemeinde bilden soll. Die jüdische Gemeinde Berlin wird der Charlottenburger Gemeinde eine noch näher zu bestimmende Abfindungssumme behufs Einrichtung der Cultusbedürfnisse (Baues einer Synagoge, Erweiterung eines Kirchhofsterrains n. s. w.) zahlen. — Man hat hier bemerkt, daß bei den Gottesdiensten, welche für den Kaiser und dessen Familie abgehalten worden, Kögel, Parisius, Stechow — aber niemals Stöcker snngirt hat. — Prof. Harry Breßlau ist neu in die Centraldireetion der Nonumenta Oormaniao berufen worden. Er hat vornehmlich mit die Geschichte Kaiser Konrad II. gepflegt. Er schrieb zu diesem Hauptstücke der sächsischen Kaisergeschichte „die Kanzlei Konrad II." und später eine Geschichte Konrads und Jahrbücher des deutschen Reiches unter Konrad 11. Weiterhin beendigte er nach S. Hirsches Hinscheiden dessen Lebensbild Heinrich I!. Auch zur neueren Geschichte hat Dr. Breßlau mehrere Schriften veröffentlicht. Er ist 1848 geboren, studirte in Berlin und Königsberg und wurde 1869 in Göttingen Doctor. Bei der Berliner Universität lehrt er seit 1872. Seit 1877 ist er außerordentlicher Professor. Hamburg, 27. März. Das gestern gefeierte 50jährige Doctorjubiläum des Rechtsanwaltes Dr. Isaak Wolffson nahm eine Dimension an, die ihm einen öffentlichen Charakter verlieh und deshalb an dieser Stelle eine ausführliche Miltheilung verdient. Herr Dr. I. Wolffson, der in allen Kreisen unserer Be völkerung hochverehrte und als Jurist im ganzen deutschen Vaterlande gekannte und geschätzte hiesige Rechtsanwalt, begeht heute sein 50jähriges Jubiläum als Doctor der Rechte. Am 19. Jannar 1817 in Hamburg geboren, studirte und promovirte er in Göttingen, konnte aber, in seine Vaterstadt zurückgekehrt, hier zunächst noch nicht selbständig die Advocatnr betreiben, vielmehr wurde ihm dies erst möglich, nachdem im Februar 1849 die Israeliten zum Erwerb des Bürgerrechts zugelassen waren. In den Jahren 1848/49 war er ein hervorragendes Mitglied der Constituante. Seit Errichtung der neuen Bürgerschaft im Jahre 1859 bis jetzt ist der Jubilar Mitglied dieser Körperschaft, deren Präsident er auch zeitweise war. Zu dreien Malen wurde Dr. I. Wolffson auch

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