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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-04-05 · Heft 14 (5.4.1888) · p. Seite 221

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 14 (5.4.1888)
Date
1888-04-05
Page
Seite 221 (sequence 13)
Language
German
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221 gehakt geleistet werden." Ganz besonders will der Vers. „Stipendien für deutsche Studirende der jüdischen Theologie aussetzen", damit keine polnischen und galizischen Rabbiner in deutschen Gemeinden fungiren. Den Gipfel ersteigt der Vers., indem er die „Gründung einer nationalen Kirche" fordert, welche so allgemeine Glaubenssätze aufstelle, daß Protestanten, Katholiken und Juden sich in ihr zu einer „Union" vereinigen! Wahrscheinlich will dann der Vers., daß alle Deutsche sich zu dieser Kirche bekennen sollen, was freilich ohne einigen Zwang z. B. auch für die Materialisten und Atheisten nicht geschehen könnte. Man bedenke, daß die deutschen Staaten sich bis heute noch nicht einmal zu der einheitlichen Bestimmung eines doch vom Staate angcsetzten allgemeinen Bet- und Bußtages sich vereinigen konnten, um die Aussichten auf eine solche deutsch-nationale Kirche zu ermessen. Zu dem vorletzten Vorschläge möchten wir bemerken, daß der Vers, eher einen Borschlag hätte machen sollen, daß die Juden einen Fond bilden müßten, um die Behörden zu belohnen, welche einen jüdischen Subalternbeamten anstelle». Es wäre dieser Vorschlag gerade so vernünftig wie der seinige, aber den Verhältnissen angemessener. Hiermit können wir wohl diese Broschüre, die in dieser ihrer Art recht lehrreich ist, bei Seite legen. Feuilleton. Eine Scene im österreichischen Abgeor-netenhause. Die Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses vom ^0. März, in welcher der Bericht über die gerichtliche Verfolgung Schönerer's, dieses wüsten Judenhetzers wegen Gewaltthätigkriten zur Verhandlung stand, war so charakteristisch für die dabei handelnden Personen, daß wir eine genauere Schilderung hier wiedergeben müssen, um unseren Nachkommen eine bleibende Erinnerung daran und den Anhalt zu einer sichern Beurtheilung zu geben. Dieselbe ist aus der ziemlich unparteiischen Feder des Wiener Corresp. der „Boss. Z." geflossen. Es heißt da: „Unser Abgeordnetenhaus beschäftigte sich heute ausschließlich mit der Person des Herrn von Schönerer. Gegen den genannten Abgeordneten lagen zwei gerichtliche Auslieferungsbegehren vor. Das Strafgericht verlangte die Auslieferung wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit und Erpressung, begangen durch den bekannten Ueberfall der Redaction des „N.W.Tgbl.", das Bezirksgericht hingegen forderte die Auslieferung wegen Beleidigung einer Amtsperson und Einmengung in eine Amtshandlung anläßlich der Auflösung eines Commerses der seither unterdrückten Burschenschaft „Teutonia". In beiden Fällen wurde dem gerichtlichen Begehren Folge gegeben, und die Zwischenfälle während der Sitzung zeigten, daß das ganze Haus Herrn von Schönerer fallen läßt und endlich die Entschlossenheit bekundet, auch das seinige zur Einengung der antisemitischen Bewegung beizutragen. Vor dein Hause hatten sich die nationalen Antisemiten massenhaft eingefunden, aber nur die Wenigsten erhielten Eintrittskarten. Im Hause selbst herrschte eine gewisse Erregung, denn man wußte, daß Schönerer und alle übrigen Antisemiten sprechen wollten, was gemeiniglich zu Scandalen führt. Schönerer nahm als Erster in eigener Sache das Wort, aber es wollte ihm nicht gelingen, seine Handlungsweise zu entschuldigen, wie er denn überhaupt, wenn er aus aphoristischen Bemerkungen heraus- - treten will, als Redner banal, seicht und ohne Schwung spricht. Mit Grobheiten allein bezwingt man die Zuhörer nicht. Schönerer verlangte zunächst vom Präsidenten, daß er den Zeitungsberichterstattern, welche notorische Fälscher seien, den Zutritt in's Haus verwehre. Smolka ruft ihn deßhalb zur Ordnung, indem er bemerkt, daß die Journalisten „ebenfalls Menschen" und achtbare Personen wären. Schönerer erzählt hierauf, daß das Abgeordnetenhaus jedesmal eine „Riesenblamage" erlebte, wenn es ihn auslieferte, und daß es auch diesmal so sein werde, denn die Richter ließen sich nicht beeinflussen und gingen auf derartige tendenziöse Anfeindungen nicht ein. Was er und seine Freunde in der Redaction des „Tagblatt" gethan, sei nichts als eine „freie Meinungsäußerung (schallendes Gelächter) gewesen". Er sei in der Redaction erschienen, um die Redacteure zur Rede zu stellen, weil sie die falsche Nachricht über den Tod Kaiser Wilhelms verbeitet hatten. Man hätte die Blätter wegen dieser falschen und beunruhigenden Nachricht mit Beschlag belegen und anklagen sollen, aber es geschah nichts dergleichen. Die „Preßbestien" konnten thun, was sie nur immer wollten. Er habe den gesetzlichen Boden nicht verlassen; hätte er diese Praxis üben wollen, so würde er bis an's Ende seiner Tage im Kerker sitzen müssen, weil er dann die I „Judenbuben", „diese Kerle", mit der Peitsche behandelt hätte. Er wollte eine Interpellation einbringen, auf daß die Regierung gegen die Blätter einschreite, welche die falsche Nachricht von dem Tode des Kaisers Wilhelm verbreiteten, aber er habe nur acht Unterschriften gefunden. Smolka rügt den Ausdruck „Preßbestien" und droht ihm mit Entziehung des Wortes. Schönerer ruft: Wenn Sie mir das Wort wegen dieses Ausdruckes entziehen, so werden Sie beitragen,! daß drei Viertel des germanischen Volkes in mein Lager! kommen. Ich habe den Ausdruck „Preßbestien" vor Lausend

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