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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-04-05 · Heft 14 (5.4.1888) · p. Seite 213

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 14 (5.4.1888)
Date
1888-04-05
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
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213 herbeigeführt hatte. Die Geschichtsschreiber Serbiens Ranke, Vouk Karadjitsch, Nil Popow erwähnen dessen nicht einmal. — Der Fürst Milosch schätzte sehr wohl die Ergebenheit seiner jüdischen Unterthanen und zog Nutzen davon. Er nahm oft Zuflucht zu den Diensten der Kumavramovitch, Davitcho, Tchelebonovitch, Oserovitch, Kohen, Taitatzak, Andjelkovitsch, Russo, Azrielovitch u. s. w. Einige reiche Familien, welche vor der fortwährenden Gefahr einer Revolution in Permanenz flohen, ließen sich in Wien nieder. Das thaten die Russo, die Farchy, die Adouts. Aber sie hörten nicht auf, sich für die Sache ihres ehemaligen Vaterlandes zu interessiren; sie unterhielten mit ihm fortgesetzte Beziehungen und in jedem Kriege Serbiens flössen ihre patriotischen Gaben zu allererst. Die serbischen Spaniolen ließen sich von der Undankbarkeit gewisser serbischer Staatsmänner nicht abschrecken, die Karadyordyvvitch hatten, sobald sie zur Macht gelangten, nichts Eiligeres zu thun, als die Juden aller Bürgerrechte zu berauben. Die Alliance israelite universelle machte alle möglichen Anstrengungen, um die Rücknahme dieser entehrenden Gesetze zu erlangen. Aber vergeblich. — König Milan war es, der den treuen und ergebenen Dienern seiner Vorfahren Gerechtigkeit widerfahren ließ und die Ideen unsres humanen und aufgeklärten Jahrhunderts zur Geltung brachte. Nach der Zeit der Kämpfe für die Befestigung seines Landes und seines Thrones, gelang es ihm endlich, sich zum Herrn der Situation zu machen und sein Volk die großmüthigen und liberalen Grundsätze annehmen zu lassen, von denen er erfüllt ist. Bor drei Jahren benutzte er dies, um seinen jüdischen Unterthanen den Genuß der Menschenrechte zu verschaffen. Ein Ukas, unterzeichnet von H. Marinkovitch, schaffte die Gesetze ab, welche den Juden den Aufenthalt im Innern des Landes untersagten. — Im Schooße der serbischen königlichen Familie war dieser großmüthige und weise Akt seit lange vorbereitet gewesen. Die Tante des Königs Milan (die Prinzessin Julie Obrenovitch, geborene von Hunyady) besuchte im Jahre 1864 das jüdische Viertel von Belgrad und sie war überrascht von der Intelligenz der Frauen und jungen Mädchen dieses Viertels. Diese beklagten sich bitter, wie schwer ihnen das Erlernen der Landessprache gemacht werde, da man den jüdischen Kindern den Zutritt zu den serbischen Schulen untersagte. Dank der Initiative der Prinzessin wurde eine serbische Schule für die jüdischen Kinder gegründet und seitdem assimiliren sich die Spaniolen Belgrads sichtlich mit der serbischen Nation. Herr Samuel Davitcho, der vor 16 Jahren zum Präsidenten der israelitischen Gemeinde zu Belgrad gewählt wurde (und der immer wiedergewählt worden), übergab die Sekretärfunktionen seinem Sohne, der die „große Schule" besuchte, und die Gemeindebücher wurden in serbischer Sprache geführt. Ich will mich nicht über die Rolle auslassen, welche die serbischen Spaniolen in dem Handel spielen. Es ist nur wichtig, zu constatiren, daß sie sich völlig serbisirt haben. Sie sprechen die Landessprache sehr gut und nehmen einen lebhaften Antheil an dem Geistesleben der Nation. Sie verlernen die Sprache Calderons und Lope da Vegas, die allgemeine Sprache per Excellenz unter den in Europa gesprochenen Sprachen, und in Zukunft auf die serbische Nationalität vertrauend, welche sie für die ihre halten, assimiliren sie sich ihren Mitbürgern mit erstaunlicher Schnelligkeit. Ich will hierfür zum Erweise nur die Israeliten der neuen Landschaften nennen. Vor zehn Jahren serbische Unterthanen geworden, geben sie betreffs des serbischen Patriotismus den Mitgliedern der israelitischen Gemeinde zu Belgrad, die drei Jahrhunderte alt ist, nichts nach. H. —tcho. Mhlthiitige Werke, in. Wir haben die Jahresberichte der Achawa und des Lehrer-Unterstützungs-Vereins für Westfalen und Rheinland erhalten. Da die recht günstigen Ergebnisse dieser Vereine im Jahre 1887 bereits durch Correspondenzen in unsrem Blatte mitgetheilt worden, gehen wir darüber hinweg. Nur eine Bemerkung wollen wir noch einmal zu machen nicht unterlassen. Sie bezieht sich auf die Erschwerung des Eintritts neuer Mitglieder, da nicht wenige Lehrer nicht im Stande sind, die geforderte Summe als Eintrittsgeld zu bezahlen. Was statutenmäßig festgesetzt ist, das ist rechtens, aber Statuten lassen sich abändern. Allerdings wachsen mit der Zeit die Mittel eines solchen Vereins und der in denselben Eintretende erlangt also eine viel größere Aussicht auf Unterstützung in der Zeit der Noth. Aber diese Vereine sind Werke der Wohlthätigkeit, und solche dürfen nicht nach dem Maßstabe des Gebotenen, sondern des Bedürfens gemessen werden. Der Einwand, den man unsrem Wunsche, den Eintritt neuer Mitglieder erleichtert zu sehen, entgegenstelleir kann, ist, daß, je größer die Anzahl der Mitglieder wird, desto eher die Quoten durch die Menge der Ansprüche vermindert werden. Unsere Vereine sind durch ihre Organisation in der glücklichen Lage, ihren Verpflichtungen stets Nachkommen zu können, dadurch nämlich, daß sie jedes Jahr den statutenmäßig bestimmten Theil der Einnahme nach dessen Höhe und der Zahl der die Unterstützung ansprechenden zu vertheilen verpflichtet sind. Hierdurch wird die Größe des Quvtums jährlich größer oder kleiner, und sind nun die Unterstützung Verlangenden in größerer Zahl, so wird das Quvtum geringer ausfallen. Wir wollen darauf nicht erwidern, daß ja auch viele der Mitglieder nicht in den Fall kommen, die Mittel des Vereins in Anspruch zu nehmen.

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