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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-04-05 · Heft 14 (5.4.1888) · p. Seite 211

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 14 (5.4.1888)
Date
1888-04-05
Page
Seite 211 (sequence 3)
Language
German
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211 zwar in zwei Momenten. Zuerst die außerordentliche Verschiedenheit unserer Erdoberfläche. Hier lagern Eis und Schnee bis auf wenige Monate auf großen Flächen, dort der Sand der Wüste in ungemessenen Räumen; hier öffnet sich ein wohlgeschütztes Thal, in welchem üppige Vegetation emporschießt, und dicht daran erhebt sich das rauhe Hochgebirge, wo bis zur Schneelinie nur dürftiges Gras wächst und auch das nicht, wo das Gestein in steilen Felswänden und Kuppen zu Tage tritt; bald werden weite Ebenen durch mächtige Ströme, Nebenflüsse und zahlreiche Bäche bewässert, bald dehnen sich unübersehbare Prairien aus, in welchen nur starkes, manneshohes Gras aufwächst; in dem einen Landstrich birgt die Ackerkrume unerschöpflichen Reichthum an Elementen für den Pflanzenwuchs, in dem benachbarten nur dürftige Nahrung für denselben. Ueberall Verschiedenheit an erfor- -derlicher Arbeit und noch größere an den Erträgnissen derselben. Kann nun der Eskimo das Recht haben, einen gleichen Antheil an den Datteln und Bananen des Afrikaners und dieser an den Fischen und dem Thran des Eskimos zu beanspruchen? Gewiß nicht. Das einzige Recht bildet der Austausch, daß der eine dem anderen zur Befriedigung seiner Bedürfnisse das giebt, was er entbehren und jener brauchen kann, und dafür vom letzteren ein gleichwerthiges Product erhält. Das zweite Moment ist die Verschiedenheit der Menschen, welche die Natur diesen zugetheilt hat. Der eine ist kräftig, der andere schwächlich; der eine fleißig, der andere faul; der eine zu allen Kunstfertigkeiten befähigt, der andere kaum zu einigen Handgriffen; der eine gefräßig und lüstern, der andere mäßig; der eine verschwenderisch, der andere sparsam. Kann nun der Faule ein Anrecht auf die Erträgnisse des Fleißigen, der Gefräßige und Verschwenderische auf die Borräthe des Mäßigen und Sparsamen haben u. s. w.? Nein, hier würde die Gleichberechtigung unnatürlich, widernatürlich, höchstes Unrecht sein. Wir können wohl zugeben, daß die Gleichberechtigung ein Recht auf Arbeit giebt, d. h. daß ein Jeder, wie er in die Gesellschaft hineingeboren ist, so weit ein Recht auf ein gewisses Arbeitsfeld hat, auf welchem er durch seine Arbeit die unentbehrlichen Lebensbedürfnisse erwerben könne. Blickt man aber erst auf die geistigen Arbeiten, so tritt die Verschiedenheit noch greller hervor. Hat der Erfinder einer Maschine nicht mehr Anrecht als der, welcher sie heizt oder in Bewegung setzt? Hat der, welcher ein großes Arbeitswerk mit unermüdlicher Geistesanstrengung herrichtet und leitet, nicht mehr Anrecht, als der mechanische Arbeiter mit seinem geringen Antheil an der Hervorbringung des Productes? So wenig wie auf dem geistigen Gebiete eine genaue Abschätzung des Verdienstes möglich ist, so leuchtet doch ein, daß der, welcher viele Geister aufklärt, zahllose Herzen erfreut, der Einbildungskraft neue und gesunde Nahrung schafft, ein viel höheres Anrecht hat als der, welcher auf dem geistigen Gebiete tagelöhnert. Also selbst hier ist die Gleichberechtigung ein Unding. Und nun sehen wir davon ab, daß sie auch unmöglich auszuführen ist, sowie daß sie durch die Theilung in gleiche Arbeitsstücke und in gleiche Ertragstheile nicht allein der Gesellschaft den größten Schaden brächte, sondern auch die Menschheit in eine Knechtschaft versetzte, ärger als die Sklaverei, alle Freiheit des Willens und t er Bewegung vernichtete und so unerträgliche Zustände bereitete. Diese Seite zu erörtern, ist heute nicht unsere Aufgabe. Genug, daß wir die Gleichberechtigung in den Grenzen zeigten, in welchen sie ein natürliches Recht ist und zu den höchsten Gütern des Menschen gehört, dann aber auch ihre Schranken kennen lernten, wo sie zur Unnatur und zum Unrecht würde. Nein, die Gleichberechtigung darf nicht ein Schlagwort werden, mit welchem man die Menge bethöre, sie zur Unzufriedenheit aufstachele, die Arbeitsunlust fördere und damit auch die Moralität und die Lebensfreude untergrabe .' (Forts, folgt.) Belgrad, im März. Die Spaniole^) in Serbien. (Wadf) der Revue de l’Orient.) Die Spaniolen sind in die Balkanstaaten im fünfzehnten Jahrhundert, unter der Regierung von Stephan Duschan, dem Starken, des Herrschers von Bosnien, Dalmatien und eines sehr großen Theiles der Halbinsel, eingezogen. Dieser große Monarch erkannte sogleich den Vortheil, den er aus dieser Race ziehen konnte, die so viel zur Größe Spaniens beigetragen hatte. Er gewährte ihnen eine ebenso großmüthige wie gescheite Gastfreundschaft. Sein „Zavnick" liefert dafür ruhmreiche Beweise. Er hatte dies nicht zu bereuen. Die spanischen Colonien, die kaum in Bosnien eingerichtet worden, führten sehr lebhafte Handelsbeziehungen mit Italien herbei und brachten die Schätze Bosniens, die sie dem Welthandel übergaben, zu ihrem Werthe. Ihre Thätigkeit wurde als so nützlich anerkannt, daß sogar die türkischen Eroberer, die damals den Werken des Friedens" wenig geneigt und unerbittliche Feinde der unterjochten Racen waren, sich veranlaßt sahen, diese Race friedlicher Arbeiter zu schonen. *) Spaniolen nennt man bekanntlich die Nachkommen der aus Spanien verbannten und geflühteten Juden, welche in den Ländern des damaligen türkischen Reiches neue Wohnsitze gewannen. Sie bewahrten unter dem damaligen duldsamen Szepter der Osmanen ihre Religion, ihre Sitten und sogar ihre Sprache, welche natürlich den altcastilischen Charakter behielt und mt vielen hebräischen und türkischen Aasdrücken vermischt ist, so daß sie vom heutigen Spanischen vielfach abweicht. Sie bilden in Rumänien einen Bruchtheil, in den ehemaligen und jetzigen Provinzen der europäischen und asiatischen Türkei, sowie in Egypten die große Mehrheit der jüdischen Bevölkerung. Redakt. der A. Z. d. I. 14*

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