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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-03-29 · Heft 13 (29.3.1888) · p. Seite 204

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 13 (29.3.1888)
Date
1888-03-29
Page
Seite 204 (sequence 12)
Language
German
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204 scheu Stände, von welchen jene Bedrückung ausgeht, zu werfen. Hierzu dient ein Artikel der „Franks. Z." vom 17. März: „Rumänische Schattenbilder". Die Schilderung ist von einem durchaus unparteiischen Manne geschrieben, welcher längere Zeit in Rumänien gelebt hat. Unparteiisch ist er, denn er würdigt recht warm die großen Fortschritte, welche Rumänien seit zwei Zahrzehnten, namentlich unter dem Ministerium Bratiano, gemacht hatte und die eine bedeutende Zukunft dieses Staates erwarten lassen. Aber wie anders wird es, wenn der Verfasser auf die sittliche Beschaffenheit der Rumänen kommt! Was mit sehr geringer Ausnahme den Rumänen zum Verderben gereicht, bezeichnet er als die Repräsentanzmanie der Rumänen, die sich bis zu den untersten Stufen der Beamten erstreckt, die einen maßlosen Luxus, eine unbegrenzte gesellschaftliche Verschwendung bei allen Beamten und in den bojarischen Familien bewirkt. Hierdurch die Bestechlichkeit, die durch kein Gesetz verhindert werden kann, da das Backschischsystem zur anderen Natur geworden, wie denn soeben wieder zwei höhere Offiziere, weil sie es zum großen Schaden des Staates gar zu arg getrieben, in Untersuchungshaft genommen werden mußten. Hierzu endlich die Entartung des Familienlebens, nameirtlich die Käuflichkeit der Frauen. Es ist notorisch, daß vom letzteren Alles untergrabenden Uebel nur die Juden des Landes frei sind. Daß in so gearteten Menschenklassen die Tendenz obherrscht, so weit ihre Hand reicht, Alles auszusaugen und auszupressen, ist selbstverständlich, wie daß ihnen hierzu die schütz- und wehrlosen Juden wie ein Material, wie ein Schwamm, den man immer von Neuem ausdrücken kann, erscheinen. Deshalb müssen die Juden außerhalb des Gesetzes gestellt werden, um mit ihnen ganz nach Belieben verfahren zu können, da ja die Justizbeamten nicht besser sind, als die Funktionäre der Verwaltung. Wir machen deshalb auf den angeführten Artikel aufmerksam. Amerika. Washington, 14. März. Bei dem Interesse, welches mir für den Gegenstand, die Verhinderung von Einwanderungen, haben, theilen wir folgende Nachricht mit. Der gestern Unterzeichnete chinesisch-amerikanische Vertrag verbietet auf 20 Jahre chinesischen Arbeitern die Einwanderung in die Bereinigten Staaten. Chinesen, welche hier Familien haben oder Eigenthum im Werthe von 1000 Dollars und mehr besitzen, dürfen nach China reisen und hierher zurückkehren, wenn sie sich genügend ausweisen. Für die während der Ruhestörungen in Kalifornien geschädigten Chinesen ist eine Summe von 275,000 Dollars bestimmt. Man erwartet mit Sicherheit, daß der Senat den Vertrag ratifiziren. wird. — Erfreulich ist es, daß jetzt sehr viele aus Rußland hier eingewanderte Juden sich soweit eingewohnt und Erwerb gefunden haben, daß sie ihre Familie, die sie in Europa zurückgelassen, Nachkommen lassen wollen. Freilich nehmen sie hierzu Unterstützungen der europäischen Vereine in Anspruch und erhalten auch solche, müssen jedoch immerhin einen Theil der Ueberfahrtskosten aus eigenen Mitteln tragen. Bonn, 25. März. (Notizen.) Aus Pest wird uns geschrieben: Die jüngst entlassenen Hörer des hiesigen Landes- Rabbiner-Seminars vr. Schwarz und vr. H. Kohn wurden zu Rabbinern gewählt, ersterer in Erlau, der andere in Belvvar (Kroatien). — Die neuerbaute Synagoge in Haraßti wurde den 13. d. M. feierlich eingeweiht. — Aus Klausenburg wird gemeldet, daß die Nagy-Almaser israelitische Winkelschule in Folge einer Ministerialverordnung geschlossen wurde. — Zu Vercelli (Italien) ist vor Kurzem der Rabbiner Pontremoli verstorben, der den Ruhm hatte, mit Giuseppi Levi (verst. 1875) die erste italienische israelitische Zeitschrift Educatore israelita gegründet zu haben, eine Zeitschrift, welche unter den mißlichen Umständen, in welchen sie erstand, wo in Italien eine so große Verworrenheit herrschte, außerordentlich segensreich wirkte. Seit 1844 bekleidete er in Vercelli verschiedene Lehrämter an jüdischen und öffentlichen Anstalten und übernahm dann das Rabbinat. Er war in Jvrea 1818 geboren und sein Tod wird allgemein als ein großer Verlust für das italienische Judenthum betrauert. I e«i l l e 1 o n. Äus -er Praxis. Von L. S. II. Wenn in der großen Mehrzahl die jüdischen Ehen glückliche, d. h. friedliche und in Treue gehaltene sind, so giebt es dafür mehrfach Ursachen, die sich bewußt zu machen nicht j unnöthig scheint. Denn bei der Entwicklung der sozialen; Verhältnisse ist es überaus wichtig, daß sich die Juden auch j für die Zukunft diese Grundlage eines schönen Familienlebens bewahren. Wir halten es deshalb für ganz wichtig und für eine Pflichterfüllung, daß die jüdischen Kanzelredner recht oft über das Familienleben sprechen und die Herzen dafür zu bewegen suchen. Ja, der lebendige Fortbestand des

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