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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-03-29 · Heft 13 (29.3.1888) · p. Seite 194

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 13 (29.3.1888)
Date
1888-03-29
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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iöi dement aus der staatlichen Gemeinschaft zu verbann:., suchte und die Schritte vorbereitete, welche uns Ausnahme- und Beschränkungsgesetzen wieder unterwerfen sollten, wie man den Geist der Jugend mit inhumanen, den Grundsätzen des modernen Staates zuwiderlaufenden Anschauungen vergiftete, wie man uns zu gesellschaftlichen Parias wieder Herabdrücken zu können vermeinte, ist ja allgemein bekannt. Was Wunder, daß uns da der Erlaß des neuen Kaisers mit seiner einfachen und doch entschiedenen Aussprache der Rechtsgrundsätze und der Humanität wie ein mächtiger Lichtstrahl, wie ein den Dunstkreis durchschneidender Sonnenblick erscheint! Gerade weil derselbe nicht bloß die Gleichstellung aller Religionsgenossenschaften ausspricht und daß sie alle dem landesväterlichen Herzen gleich nahe seien und daran erinnert, daß in der Zeit der Gefahr alle Deutschen, welches Bekenntnisses sie auch waren, für das Vaterland mit gleicher Opferwilligkeit in den Kampf traten — sondern weil dieses eine Moment in dem Erlaß nur als ein Glied der ganzen Kette erleuchteter Gesichtspunkte auftritt, als ein untrennbares Glied der gesarnrnten Anschauung über die Bestrebungen, die Ziele und das Wesen unsrer Zeit, über das, dessen wir Alle bedürfen, dies macht den Werth dieser kaiserlichen Kundgebung aus. Freilich wird das Freudengefühl, das in unsren Herzen geweckt ist, durch die Bangigkeit bedrückt, welche der körperliche Zustand dieses allgeliebten Monarchen einflößt. Was aber auch die nächste Zukunft sei: wir haben den blauen Himmel und die grüne Erde wieder gesehen; die Menschenwelt und besonders die deutsche Nation hat aus dem erlauchten Munde wieder einmal gehört, was wahren Rechtes sei, und das ist zweifellos eine Stärkung, eine Erkräftigung des Rechtes und der Wahrheit, die nicht alsbald aus den Geistern wieder verdrängt werden kann. Man hat wieder einen kräftigen Anhalt gewonnen, um dem übelwollenden Geiste Widerstand leisten zu können. In seinem Vortrage über „die Demuth", den wir in Nr. 11 besprochen haben, bemerkt Prof. Steinthal, daß das „selig" irn Neuen Testamente nichts anderes sei, als das in unsrer heiligen Schrift nicht selten vorkommende Diese Bemerkung veranlaßt uns, der Sache ein wenig näher zu treten. Im griechischen Texte heißt es j,ia'/MQiog, die prosaische Form von {.idxaQ, das besonders bei Homer und Hesiod zuerst das Glück der Götter, dann übertragen das Glück von Menschen, besonders der reichen und begüterten, bezeichnet, endlich auch das Glück einer gewissen Klasse der Verstorbenen auf der „Insel der Glücklichen", die im Ozean gelegen und auf welcher die im Kampfe gefallenen Heroen und Halbgötter des vierten Menschengeschlechtes sorgenlos und ohne Tod leben. Ebenso bezeichnet das nur im st. eoirntr. pl. gebräuchliche Glück, Heil, das dem Menschen in vollem Maße unter gewissen Bedingungen wird. Sehen wir nun zunächst, welche diese Bedingungen sind, die unsre heilige Schrift für dieses Glück aufstellt. Da dasselbe doch vorzugsweise nur dem Individuum als solchem zu Theil werden kann, wird man leicht voraussetzen, daß am häufigsten in denjenigen Büchern der heiligen Schrift Vorkommen werde, welche die Religion des Individuums behandeln, wie die Psalmen, die Sprüche, Hiob. Jndeß wird es doch auch von ganz Israel gebraucht. 5 Mos. 36, 29 heißt es: „Glücklich bist du, Israel, wer ist wie du ein Volk, dem Gott hilft?" Ebenso Ps. 33, 12: „Glücklich ist das Volk, deß Gott der Ewige ist", d. h. das den Ewigen anbetet und seinen Vorschriften folgt. So heißt es 89, 16: „Glücklich das Volk, das den Drommetenklang kennt, im Lichte deines Angesichtes wandelt". Der „Drommetenklang" bezeichnet hier den ganzen Cultus, die Anbetung Gottes, die mit dem aufrichtigsten Wandel noch dem Willen Gottes verbunden ist. (Vgl. 144,15.) Abgesehen nun von dieser Allgemeinheit, welchen Individuen wird nun jenes volle Glück zugeschrieben? Am häufigsten wird es in denen gefunden, welche in ihrem Herzen ein unbedingtes Gottvertrauen hegen, denen hierdurch schwere Leiden zu ertragen leicht wird und die in voller Ergebung ihren Wandel nach dieser engen Annäherung an Gott einrichten. Dies spricht Jesaias 30, 18, Psalm 2, 12. 34,9. 40,5. 84,13. 146, 5, Sprüche 16, 20 aus, wer seine Zuversicht auf Gott setzt, wessen Hoffnung Gott ist, der wird glücklich, beglückt genannt. Neben diesem Gottvertrauen wird in der Gottesfurcht und in der Treue gegen die Gotteslehre die Bedingung des Glücksgefühls gefunden, so Ps. 112, 1. 128.1, Sprüche 29, 18 und öfter. Darum wird auch glücklich genannt, „deß Stärke in Gott ist". Ps. 84, 6 „die Bewohner des Hauses Gottes" 84, 5, ebenso 65, 5, „die Gott suchen mit ganzem Herzen 119, 2. Diesen allgemeinen Eigenschaften reiht sich die Weisheit an. „Glücklich ist", ruft der Spruchredner 3, 13 aus, „welcher Weisheit fand, der Einsicht erwarb", 8, 32 „glücklich ist, der auf die Weisheit hört und sie in sich bewahrt Tag und Nacht". Vor Allem aber nennt Jesaias 56, 2 denjenigen glücklich, „der Recht und Barmherzigkeit (np-m) übet". Und wie Ps. 1, 1 negativ der glücklich genannt wird, „der nicht wandelt im Nathe der Frevler und im Pfade der Sünder nicht steht und auf dem Sitze der Spötter nicht sitzet, sondern an des Ewigen Lehre Lust hat und über deß Lehre sinnet Tag und Nacht", so werden die glücklich gepriesen 106, 3, „die das Recht wahren, Barmherzigkeit üben aller Zeit". So heißt es 119, 1: „Glücklich sind die vollkommen (oder untadelig) in ihrem Wandel, die in der Lehre des Ewigen gehen". Es steht Hiob (5,17) zu, daß er den Menschen glücklich preist, „den Gott züchtigt,"

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