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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-03-29 · Heft 13 (29.3.1888) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 13 (29.3.1888)
Date
1888-03-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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emeine des Iudentliums. / Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig « Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. GZepeöition: Leipzig, Woßplerh 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 29. März 1888. Nr. 13. Iabalt, Leitende Artikel: Ein Lichtstrahl. — '"iSPN! — Ueber die Erziehung jüdischer Waisenmädchen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Frankfurt a. M, Mainz, Dresden. — Oesterrreich-Ungarn: Wien, Pest. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Rumänien: Frankfurt a. M. — Amerika: Washington. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Aus der Praxis. II. — Vermischtes. Sleikc'i'ibe €Xzti&e(. Bonn, den 25. März. Ci« Lichtstrahl. In der Zuschrift eines Correspondenten, der in unmittelbarer Verbindung mit Brüssel, London, Paris, Madrid und Rom steht, heißt es: „Es giebt gegenwärtig keinen Menschen, noch weniger einen Monarchen, der so von Allen in der ganzen civilisirten Welt geliebt wird, dem so die Sympathien Aller so zugewendet sind, wie dem deutschen Kaiser Friedrich — vielleicht mit Ausnahme einer gewissen Sippe in Deutschland. Wenn man ihn schon wegen des Heldenmuthes bewundert, mit welchem er sein Leiden erträgt und in den rauhen Norden eilte, um seinen Pflichten zu genügen, so steigerte sich dies zur Begeisterung durch die Ansprache „An mein Volk" und den „Erlaß an den Reichskanzler". Durch diese beiden Urkunden offenbarte sich die ganze Höhe der Ansichten und Gesichtspunkte, welche der neue Kaiser hegt und in langer Vorbereitung sich ausgestaltet hat, und die er zugleich in edelster Form zum Ausdruck zu bringen versteht. Um so mehr steigt das Gebet zu Gott empor, daß dem Kaiser Friedrich das Leben viele Jahre verlängert und Kraft und Energie gewährt werde, um seine Ideen zu verwirklichen und die Hindernisse, auf die er stoßen wird, zu überwinden!" Diese Worte bedürfen keines Zusatzes, und wir halten uns überzeugt, daß alle unsre Leser diese Ansicht und diesen Wunsch theilen. Die Geschichte lehrt uns, daß es Zeitpunkte giebt, in welchen sich nach und nach — bisweilen gegen den Willen der in der Zeit herrschenden Männer — ein Dunstkreis über der Erde oder einem größeren oder kleineren Theile derselben sammelt und znsammenballt, und daß da plötzlich ein mächtiger Sonnenstrahl durch den Dunstkreis blitzt und , denselben zertheilt, daß der blaue Himmel und die grüne Erde den Augen sichtbar werden. Ach ja, der Himmel war blau und die Erde grün auch vorher, aber sie waren verhüllt und zeigen sich jetzt erst in ihrer Herrlichkeit. So sind in der Menschenwelt lichtere Ansichten und das Bedürfniß nach besseren Zuständen, nach der Herrschaft des Rechts und Aufklärung längst vorhanden, aber sie werden niedergedrückt durch die Wucht bestehender Uebelstände, welche die Obmacht besitzen — bis plötzlich ein mächtiger Lichtstrahl die herrschende Verworrenheit durchbricht und der Zeit das in ihr lebende Wesen wieder frei zum Bewußtsein bringt. So war es mit Luther, so mit Lessing, so mit den Maßnahmen der ersten französischen Versammlung 1789. Was diese der Menschheit verkündeten, war längst vorbereitet, längst in den Geistern vorhanden, aber es bedurfte der Männer, die es auszusprechen den Muth hatten und die den Geistern das Wort offenbarten, welches die in ihnen schlummernden oder unterdrückten Ansichten zum offenen Ausdruck brachten. — Wenn irgend Jemand von einer, das Licht verhüllender Dunstwolke sprechen darf, so sind wir Juden aus der letzten Zeit am meisten dazu berechtigt. Wie sich der Antisemitismus mit neuer Kraft erhob, wie er durch die vorherrschenden Parteien selbst in den Parlamenten sich kundgab, wie man uns offen aus Genossenschaften hinausdrängte, welche nügemeine, gemeinnützige Zwecke zu verfolgen hatten, wie man uns als fremdes Volks- 13

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