Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-03-22 · Heft 12 (22.3.1888) · p. Seite 179

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 12 (22.3.1888)
Date
1888-03-22
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227717-3227730--45172-3264670
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

179 vielen kleinen Gemeinden, um Cultus und Unterricht erhal> teu zu können. Sehr viele derselben befinden sich in einer recht drückenden Lage, die deshalb noch inimerfort wächst, je mehr wohlhabende Mitglieder nach den größeren Orten verziehen. Gerade aus diesem Umstande bestände für diese größeren Gemeinden eine gewisse Verpflichtung, denjenigen kleinen Gemeinden zu Hilfe zu kommen, die wegen Mangels einzigen Rabbiner zählen, auch nicht einmal in Dortmund, wo 1180 Juden wohnen. Anders wieder die Rheinprovinz mit 213 Orten und 10 Rabdinen. Wir bemerken beiläufig, daß es früher in Westfalen 2 Rabbinate gab, zu Münster und in Beilon, letzteres für „das Herzogthum Westfalen", das jetzt nicht mehr besteht. Wir wolle» nicht unterlasse», zur Entschuldigung hervorzuheben, daß es in Westfalen sehr an Mitteln mit sehr ungeschulten Subjecten als Vorsänger! viele tüchtige Lehrer giebt, welche auch das Predigeramt und Lehrer fürlieb nehmen müssen — da die Millionen des! versehen, staatlichen Cultusetats nur für evangelische und katholische! Gemeinden vorhanden sind. Wir führen dies hier nicht! weiter aus, weil wir in diesem Punkte keinen Erfolg erwar- : ten. Allerdings hat der deutsch-israelitische Gemeindebund! auch dieses Moment in sein Programm ausgenommen; aber! Wohlthiitige Werke. ii. Wir entnehmen dem „Leipziger Tageblatt" einen Be» seine Mittel reichen nicht aus, um etwas Erkleckliches dafür-richt über die dortige „Mendelssohn-Stiftung" wörtlich, zu leisten. Wir glauben aber, daß er seiner Bestimmung! um so mehr, als er eine Anerkennung des jüdischen Wohloorzugsweise entsprechen würde, wenn er diesen Gegenstand i thätigkeitssinnes besagt. zu einer besonderen und energischen Bestrebung machte. j „Am 26. Februar fand im Sitzungssaale der Synagoge Werfen wir noch einen Blick auf einen speciellen Gegen-!die 27. ordentliche Generalversammlung einer Stiftung statt, stand. Bekanntlich sind in einigen deutschen Staaten die welche nun schon seit mehr als ein viertel Jahrhundert segens- Rabbinatsverhältnisse gesetzlich geordnet, in Preußen hingegen! reich wirkt. Die Mendelssohn-Stiftung trägt den Namen hiervon keine Spur. Jede Synagogengemeinde hat das Recht,: des großen Philosophen und seines Enkels, des Componistwi. einen Rabbiner anzustellen oder nicht, ihn frei zu wählen,, Studirende unserer Hochschule und Schüler unseres Conser- und der Gewählte hat keinerlei bestimmte Prüfung zu bej vatoriums sind es denn auch, welche sie im Falle genügender stehen, seine Anstellung muß nur von der Aufsichtsbehörde.'Würdigkeit und Bedürftigkeit durch Stipendien unterstützt; bestätigt werden, welche ihn jedoch nur ablehnen kann, wenn! aber außer den Jüngern der Wissenschaft und der Musik geer politisch oder moralisch Anstoß gegeben hat. Es war desj währt sie bekanntlich auch Künstlern und Kunstgewerbetreiben, halb eine gewisse religiöse Culturentwickelung, inwiefern in j Schriftstellern, Lehrern u. s. w. im Nothsalle vorübergehende den preußischen Gemeinden sich die Anstellung von Rabbiner: i kleinere Unterstützungen. gestalten werde. Denn nachgerade starb die alte Rabbiner- Der vom Vorsitzenden gegebene Rechenschaftsbericht über generation aus und die Gemeinden fühlten kein Bedürfniß, das abgelaufene Jahr, sowie der Cassenabschluß des Schatz- Rabbiner aus der alten Schule wieder anzustellen. Aber meisters ergaben einen erfreulichen Stand dieses im Dienste auch das Bedürfniß, jüngere wissenschaftliche Rabbiner anzu-! der Humanität wirkenden Bereins. Zwar ist eine kleine Abstellen, war erst sehr schwach da, und dazu fehlte es auch an! nähme der Mitgliederzahl (von 160 auf 154) zu eonstatiren genügender Zahl solcher. Die Zeit ist fortgeschritten und dergewesen, da Einige durch Wegzug oder Tod ausgeschieden Ausgleich hat sich eingestellt. Es ist daher immerhin interessant, zu erfahren, inwiefern die Gemeinden im preußischen Staate Rabbiner angestellt haben, wobei nicht unberücksichtigt bleiben muß, daß es keine geringen Opfer Gemeinden von .">00 Seelen und wenig darüber kostet, einen Rabbiner anzustellen, der Gymnasial- und Universitätsstudien gemacht hat. Hierin zeigen nun die verschiedenen Provinzen nicht geringe Verschiedenheiten. Heben wir einige Beispiele hervor. In der Provinz Ostpreußen mit 64 Orten, wo Juden wohnen, sind 5 Rabbiner, in Westpreußen mit 59 Ortschaften sind 12 Rabbiner, in der Provinz Posen mit 117 Ortschaften 27 Rabbiner angestellt. In der Provinz Sachsen mit 33 Ortschaften 4 Rabbiner, wobei zu bemerken, daß nur eine dieser Gemeinden über 1000 Seelen zählt, angestellt. Ein anderes Äild bietet Westfalen, wo wir 167 Ortschaften und — keinen sind, allein das Vermögen der Stiftung hat sich trotzden: gehoben, und zwar vorwiegend durch Schenkungen, unter denen 3000 M. Legat des verewigten früheren Vorsitzenden Herrn Hermann Meyer und 2000 M. Geschenk von dessen Kindern hervorzuheben sind. Der Fonds der Stiftung beträgt gegenwärtig über 36,000 M. Bon den Zinsen dieses Capitals, dem disponiblen Fonds und den Mitglieder-Beiträgen, ergaben sich über 3000 M. verfügbarer Betrag, aus welchem die Stiftung die eingegangeneu Gesuche größtenteils zu berücksichtigen in der Lage war. Die Seetion I der Stiftung hat 36 Semesterstipendien verteilen können und zwar 14 an Mediciner, 5 an Philosophen, 2 an Juristen. 10 an Conservatoristen, 4 an Schüler der Kunstacademie, 1 an eine Kindergärtnerin. Hierbei ist ohne engherzige eonfessionelle Beschränkung sorgfältig nach Verdienst und Bedürftigkeit ver- 12*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.