Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1888)
- Date
- 1888-03-15
- Page
- Seite 174 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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174 > des von einem amerikanischen Konsul ausgefertigten Schutzpatentes und sofortige Regelung früherer Forderungen. Bonn, 11. März. (Notizen.) Man schreibt aus Laupheim vom 20. Febr.: Die Herren Rechtsanwalt Heumann und S. Steiner erhielten in Anerkennung ihrer 25jährigen segensreichen Wirksamkeit als Mitglieder des israelitischen Kirchenvorsteheramtes von der israelitischen Gemeinde einen prachtvollen silbernen Pokal zum Geschenke. Die israelitische Oberkirchenbehörde sprach in einem Glückwunschschreiben genannten Herren ihre volle Anerkennung für ihre Verdienste, welche sie sich um die israelitische Gemeinde erworben, aus. — Aus Wien wird uns geschrieben: Den 26. v. M. verschied im Alter von 67 Jahren der Cantor der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Adolf Fischer, er funetionirte 46 Jahre neben Sulzer als Cantor in der alten Synagoge und war seit vielen Jahren Bürger der Stadt Wien. — Aus Neutra wird gemeldet: Der Vagujhelyer Oakötisr Leopold Bing machte zu Gunsten der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde eine Stiftung von 25,000 Gulden mit der Bestimmung, daß ein Theil dieser Summe für das Kranken- und Waisenhaus und der andere Theil für die dortige Realschule zu verwenden sei. — Ieuille 1 on. Ein Modell des Tempels. Es sind bereits früher Modelle des salomonischen Tempels theils in Holz, theils in Kork angefertigt und ausgestellt worden, besonders nachdem F. Hirt seine bekannte Schrift: „Der Tempel Salomonis" mit 3 Kupfertafeln (Berlin 1803/4.) veröffentlicht hatte. So z. B. war ein solches Modell in recht großem Umfang unter den Antiquitäten in Dresden zu sehen. Das vorzüglichste, auf gründliche Forschungen gestützte und umfassendste befindet sich jetzt in Jerusalem selbst, verfertigt von dem um die Topographie des neuen und alten Jerusalem sehr verdienten Baurath Conrad Schick. Wir entnehmen eine Schilderung desselben dem „Schwäbischen Merkur" vom 18. Februar: „Das Modell ist so gebaut, daß die oberste, jüngste Loge weggenommen werden kann, unter welcher die nächstfolgenden älteren Schichten zu Tage treten, welche in 4 Bildern die Hauptepochen des Tempelbaues darstellen. Auf dem ersten ältesten Bild ist die uatürliche Felsenunterlage des heil. Berges zu schauen, in stufenförmigen Horizontalcurveu von 1,48 m ansteigend. Zwei Bergspitzen sind hier sichtbar: die eine derselben trug den Tempel, die andere die Thürme Man und Hananerba, später die Burg Baris und die Burg der Syrer, welche unter Herodes zur Burg Antonia wurde. Auf Grund der Schick'schen Untersuchungen sind überall die alten Cisternen, Canäle und die Grundmauern, die alten Stadtmauern und die Thore eingetragen, ebenso die noch stehenden zwei Bogen der alten Brücke, welche die Stadt mit der Burg verband. Das zweite Bild giebt den Tempel Salomonis mit den Vorhäfen und Nebenbauten wieder und im Süden außerhalb des Tempels den Königspalast, im Osten die Marktgasse mit der Festungsmauer. Im Tempelbezirk nimmt man die Grenze wahr zwischen dem äußeren, auch den Nichtjuden zugänglichen Tempel und dem inneren Tempel, den nur der Jude betrete» durfte. An der Nordseite sind drei Doppelthore sichtbar, das eine ist im Eckbau. Zwischen der Nord- und Südseite ist der Frauenhof, bis zu welchem die Frauen kamen. Halbrunde Stufen führen von da zum Thore Nikanor, wo der Vorhof der Israeliten betreten wird, innerhalb dessen ist der Priestervorhof. Darauf folgen die hohe Halle, im Innern das Heilige und Allerheiligste, umgeben von drei Stockwerken kleiner Gelassen und Galerien. Das dritte Bild stellt den Tempel des Herodes vor: zunächst den inneren Tempel genau wie der salomonische, während der äußere Tempel erweitert und vergrößert ist. Im Süden ist die große Halle, die Stoa des Herodes, im Norden ist das Thal aufgefüllt und der Teich Bethesda geschaffen, westlich davon ist die Burg Antonia mit dem Burghof und der Brücke zum Tempel. Das Alles wurde von den Römern zerstört. Was später geändert und neu erbaut wurde, stellt das vierte Bild dar, das Bild des heutigen Tempelplatzes, den auch der Türke klaräm es selierif, das edle Heiligthum nennt. Wo einst der Brandopferaltar stand, ist jetzt die 8stöckige Kuppelmoschee (Koppet es sachra), gewöhnlich aber unrichtig die Omarmoschee genannt. Ringsum stehen kleinere Gebäude und die Arkaden. Im Süden steht „ei aksa“, im Westen die Hallenreihe der muhamedanischen Schulen, die mittelalterliche Universität. An Stelle der alten Antonia steht jetzt die Caserne. Im Osten sieht man das goldene Thor und etwas nördlich davon ein kleines Gebäude, den „Thron Salomons", das an der Stelle des einstigen Gerichtshauses steht. Außerhalb der Mauer ragen die türkischen Grabsteine aus dem meterhohen Schutt heraus. Selten versäumt ein Fremder aus den verschiedensten europäischen und amerikanischen Ländern, das Modell zu sehen, das bei vielen der hohen und höchsten Besucher Jerusalems in bester