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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-03-15 · Heft 11 (15.3.1888) · p. Seite 175

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 11 (15.3.1888)
Date
1888-03-15
Page
Seite 175 (sequence 15)
Language
German
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175 Erinnerung steht. Auch der deutsche Kronprinz hatte sich zu Ende der 60er Jahre das Modell angesehen und sich günstig über die Arbeit des schwäbischen Meisters ausgesprochen. Was aus Mortara geworden ist. Hierüber giebt uns ein kürzlich erschienenes Werk Aufschluß: Reisebnefe aus Spanien und Marokko von Franz Rotes (Einsiedel, Benzig 1888). Einen Auszug bringt die „Franks. Ztg." vom 5. d. Mortara, als Kind jüdischer Eltern in Bologna im Kirchenstaat 1851 geboren, wurde bekanntlich in seinem zweiten Jahre während einer Krankheit von einem christlichen Dienstmädchen getauft und als später die Sache bekannt wurde, von der päpstlichen Regierung seinen Eltern gewaltsam genommen, nach Rom gebracht und dort in einem Kloster erzogen. Die päpstliche Regierung berief sich nicht bloß darauf, daß alles Getaufte dem Papste angehöre, sondern auch darauf, daß die Eltern Mortara's durch Annahme eines christlichen Dienstmädchens die Staatsgesetze verletzt und dadurch den Anspruch auf ihr Kind verwirkt hätten. Alle Proteste der Eltern und der liberalen Welt halfen nichts; die päpstliche Regierung hatte die Macht und sie behielt das Kind. (Auch wir mit den Unterschriften von einigen 60 deutschen Rabbinern richteten damals einen Protest an Pius IX., welcher durch Vermittelung der preußischen Gesandtschaft an den Adressaten gelangte, jedoch wie alle anderen Schritte seitens der europäischen Diplomatie unberücksichtigt blieb. Kurz darauf war Bologna nicht mehr unter der Botmäßigkeit des Papstes. Die Mutter des Knaben war wahnsinnig geworden. Redakt.) Das war im Jahre 1858. Zwölf Jahre später brach der päpstliche Thron zusammen und nun faßten die Eltern Mortara's wieder Hoffnung, zu ihrem Kinde zu kommen, aber die Klostererziehung hatte bereits ihre Wirkung gethan: um allen Reklamationen zu entgehe», floh der 19jährige Mortara nach Innsbruck, wo er mehrere Jahre Theologie und Philologie studirte. Dann ging er nach Paris, wo er an der Sorbonne seine Studien fortsetzte und Doktor wurde. Im Jahre 1878 lud er seine Mutter — sein Vater war inzwischen gestorben — zu sich nach Paris und sie folgte seiner Einladung; seither steht er mit Mutter und Geschwistern in Briefwechsel, aber keines seiner Verwandte» hat bis jetzt die christliche Religion angenommen. Nach Vollendung seiner Studien wurde Mortara Missionsprediger, als welcher er in Paris und Lyon wirkte; durch die Märzdekrete vertrieben, kam er nach Spanien, wo er unter die regulirten Chorherren von St. Lateran ging, die in der Nähe von Cadix eine Niederlassung haben. Von dort aus macht er Missionsreisen durch Spanien, und auf einer solchen traf ihn der Verfasser des oben citirten Werkes. Außer dem bereits Erzählten theilt der Verfasser mit, daß Pater Mortara ein wissenschaftlich sebr gebildeter Mann sei und außer italienisch ebenso geläufig deutsch, englisch, französisch, spanisch und baskisch spreche. Außerdem sei er gründlich in der modernen Sprachforschung zu Hause, sei ganz begeistert für Deutschland und erkenne auch die großartigen Leistungen der Protestanten an, „was ihm, wie er lachend erzählte, manchen Vorwurf von Seiten der Spanier zugezogen hat, die jede» Protestanten gleich verbrennen möchten". Das der Erzählung beigegebene Porträt Mortara's in der Tracht eines apostolischen Missionärs zeigt offene, intelligente und fast noch etwas kindlich angehauchte Züge, die gar nichts Fanatisches an sich haben. Vielleicht ist der Mann glücklich; gegen die Wiederholung eines Frevels, wie er an ihm und seiner Familie begangen wurde, hat inzwischen di; Weltgeschichte gründliche Maßregeln ergriffen. Ein israelitischer Kaufmann, Ausgang der Sst er, selbstständig, in besten Vermögens- Verhältnissen, aus guter Familie, gebildet u. soliden und liebenswürdigen Charakters sucht mangels Damenbekanntschaft auf diesem Wege eine Lebensgefährtin. Gewünscht wird womöglichst ein blondes Mädchen mit schönem reinem Teint, von schöner Figur, gebildeten liebevollen Wesen und Herzensgüte. Auf obige Eigenschaften wird mehr gesehen als auf großes Vermögen. Reflectirende belieben vertrauensvoll ihre Mitthellungen, womöglichst mit Photographie, welche wieder retour» nirt wird, an Rudolf Masse in Frankfurt a. M. unter Xo.783 zur Weiterbeförderung gelangen lassen. sF.200 Anzeigen. Jsr.Töchter-Perrstonat «.Höhere Unterrichts-Anstalt. Gegründet 1864. — Ausnahme von Zöglingen zu jeder Zeit. — Prospekte auf Wunsch. Jiau Direktor Therese Grouai», Berlin, Hinörrstnstr. 11, Königsplatz. von Geschwister Sobernheün, Bingen a.Rh. Ausnahmen von Zöglingen zu jeder Zeit. Beginn des Sommersemesters am 9. April. |sr.|ett|tmmtu. höhereWchterschule niso Mahoth empfiehlt in bef. feinster Waare A. Slemberg sen., Vlotho -.Weser. Technicum Mittweida — Sachsen. — Maschinen Ingenieur - Schale W erkmeister - Schnle. I

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