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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-03-15 · Heft 11 (15.3.1888) · p. Seite 165

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 11 (15.3.1888)
Date
1888-03-15
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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165 Abnahme wohlthätigen Sinnes zuschreiben. Wenn die gewerblichen Verhältnisse ins Stocken gerathen, so entfallen nicht allein beträchtliche Beiträge, sondern die Ansprüche an den betr. Verein wachsen auch, so daß er dadurch von Deficits bedroht oder gar betroffen erscheint. Dies erfuhr auch, wie der Jahresbericht ausspricht, der „Frauenverein der Synagvgen-Gcmeinde Gleiwitz." Um der gedachten Gefahr zu entgehen, will der Verein eine Lotterie veranstalten, zu welcher die obrigkeitliche Genehmigung erlvartet wird. Das verflossene Jahr brachte dem Vereine an Einnahme 1907 M. und Ausgaben 1844 M., wozu noch Extraausgaben von 234 M. kommen. Der Verein ist durch besondere Spenden noch vor der Klippe vorüber gekommen. — Im Fortgange dieses Artikels werfen wir einen Blick auf eine der großartigsten und segensreichsten Anstalten, auf das „Allgemeine österreichische israelitische Taubstummen-Jnstitut in Wien", dessen 34. Bericht über das Jahr 1887 uns vorliegt. Die Finanzlage dieses Instituts, dessen mustergiltige Einrichtung und segensreiche Wir^amkeit längst allgemein anerkannt ist, ist eine zufriedenstellende, und die im Laufe des verflossenen Jahres ihm zugegangeneu Beiträge, Zuschüsse und Spenden beweisen die fortdauernde Theilnahme, die demselben gewidmet wird. Dennoch reichten die Mittel auch jetzt nicht aus, daß nicht eine ziemliche Anzahl hilfsbedürftiger Zöglinge abgewiesen werden mußte. Noch weniger genügen die Fonds zur Unterhaltung der unentgeltlich aufzunehmenden Kinder, so daß immer wieder an die Wohlthätigkeit der Menschenfreunde appellirt werden muß. Das Institut hatte 91 Zöglinge, und zwar 59 Knaben und 32 Mädchen, von welchen 32 gänzlich unentgeltlich unterhalten wurden. Bemerkenswerth ist, daß aus Wien allein 13 Zöglinge waren, aus Galizien 33, aus Ungarn 16. Nur 6 Ausländer, darunter ein Preuße, frequentirten die Anstalt. Von diesen 91 Zöglingen waren 42 taubstumm geboren, und zwar 20 Knaben und 22 Mädchen; die übrigen waren durch Krankheiten taubstumm geworden. Die Einnahmen beliefen sich auf 53,763 fl. die Ausgaben auf 34,679, und 17,699 wurden auf Ankauf von Effecten verwendet. — Wir entnehmen dem diesjährigen Bericht der „Studienuud Arbeitsbeförderungs- Bereins für Israeliten in Bayern" aus der Einleitung folgende Mittheilungen: „Der Verein hat bereits eine längere Geschichte und verschiedene Stadien der Entwickelung durchgemacht. Im Jahre 1826 als „Wohlthätigkeits-Verein für Israeliten in Bayern" begründet, wurde derselbe 1830 umgestaltet und verfolgte vorzugsweise die Tendenz, „zur Verbreitung eines echt bürgerlichen, gewerbfleißigen Sinnes unter den Israeliten als Grundlage ihrer bürgerlichen Fortbildung mitzuwirken und zu diesem Zwecke israelitische Jünglinge aus Bayern, die sich der Erlernung der schwersten Handwerke und dem Ackerbaue widmen, zu unterstützen." Im Jahre 1840 trat die Nothwendigkeit einer abermaligen Umwandlung und Erweiterung der Statuten ein, die äm 13. Dezember des genannten Jahres auf allerhöchste Entschließung bestätigt wurden. Der Verein führte fortan den Namen: „Unterstützungs-Verein für israelitische Ackerbau- und Handwerkslehrlinge in Bayern". Die Herren Rabbiner Aub, David Neustätter, Arnold Marx, R. D. Rosendahl, vr. A. Behr, Moritz Mändle und Markus Pflaum, sämmtlich bereits verstorben, widmeten dem Vereine ihre hingebende Thätigkeit. 1844 veröffentlichte der Verein eine Rechnungsablage und Bericht nebst tabellarischer Uebersicht des Betriebes der Handwerke und des Ackerbaues vo» den Israeliten in Bayern. Die am Schluffe dieses Berichts abgefaßte Recapitulation giebt das interessante Resultat, daß in Bayern, welches eine Gesammtzahl von 61,000 Juden zählt, sich 4813 dem Handwerke und 1016 dem Feldbaue widmen, was nach Abzug der dem weiblichen Geschlechte angehörigen Hälfte, der für das Kinder- und Greisenalter abzuziehenden Zahl und die nicht unbedeutende Zahl derjenigen ungerechnet, welche sich gelehrten Fächern und der Kunst widmen, ein Fünftheil der männlichen Bevölkerung ausmacht." Ende 1851 beschloß die Generalversammlung die Statuten des Vereines, „um demselben eine seinen Kräften angemessene größere Lebensthätigkeit zu verschaffen, unter wesentlicher Beibehaltung jedoch seines Zweckes, zu revidircn und umzuarbeiten." Der bisherige Name des Vereins wurde als nicht ganz bezeichnend in: „Israelitischer Handwerks- und Ackerbau-Unterstützungs- Verein in Bayern", geändert. In den abermals revidirten Statuten vom Jahre 1867 hatte der § 1 bereits folgende Fassung: „Zweck des Vereines ist die Förderung des bürgerlichen Fortschrittes der Israeliten in Bayern. Er will dieselben zur Erlernung und Betreibung der Handwerke, technischen Gewerbe und des Ackerbaues, dann der technischen Wissenschaften und bildenden Künste durch Unterstützung mit Gelo ermuntern. . . . Im Allgemeinen soll nichts, was auf die bürgerliche Fortbildung der Israeliten fördernd wirken kann, von dem Wirkungskreise des Vereines ausgeschlossen sein." Die Generalversammlung vom 26. April 1874 änderte in dem eben angeführten 8 1 die „technischen Wissenschaften" in „Wissenschaften" und gab dem Z 4: „Ermunterung zur wissenschaftlichen, technischen und künstlerischen Bildung" die folgende noch gegenwärtig geltende Fassung: „Münchener oder auswärtige Israeliten, welche die Baugewerkschule, die polytechnische Hochschule, die Akademie der bildenden Künste, die Universität oder sonstige höhere Lehranstalten hier besuchen, sollen vom Vereine einmalige oder laufende Unterstützungen, ferner Ermunterungspreise, jedoch höchstens in bis zu 200 Mark sich erstreckenden Beträgen erhalten. Auch Gymnasiasten, Lehramtskandidaten und Lehramtskandidatinnen können vom Vereine unterstützt werden".

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