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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-03-15 · Heft 11 (15.3.1888) · p. Seite 164

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 11 (15.3.1888)
Date
1888-03-15
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 lichen Jahres uns zugleich die Jahresabschlüsse jener wieder zuflicßen. Wir thun dies nicht allein, um immer von Neuem unsererseits zum Bewußtsein zu bringen, daß wohlthätiges und gemeinnütziges Wirken einen wesentlichen Theil unserer Religionslehre nnd religiösen Uebung ausmacht, sondern auch einerseits, um denjenigen Männern und Frauen, welche solchen Werken ihre Thätigkeit widmen, eine Befriedigung zu schaffen, andererseits, um zur Nachahmung anzufeuern, besonders auch zu regelmäßiger Organisation und Controle. — Wir beginnen mit einigen recht erfreulichen Erscheinungen. Aus London wird berichtet, daß daselbst eine Vereinigung aller Chebroth zur Ausführung kommt. Bei den äußerst verschiedenen Elementen, aus welchen die jüdische Bevölkerung der großen Themsestadt besteht, Portugiesen, Deutschen, Italienern und in sehr bedeutendem Umfange polnisch-russischen Juden, war es natürlich, daß sich diese verschiedenen Nationalitäten und Riten in mehrfache Gemeinden mit ihren Synagogen spalteten. Diese Gemeinden hatten aber bald den gesunden Sinn, sich zu einer Union zu verbinden, in welcher die Delegirten jeder Gemeinde Platz nahmen. Man kennt den vielfachen Nutzen, welchen diese Delegirtenversammlung nach innen und außen gehabt hat. Jetzt sind nun die wohlthätigen Vereine und Anstalten diesem Beispiele gefolgt und haben eine Union gebildet. Man kann hieraus auf sehr große Bortheile für die Ausübung der Wohlthätigkeit rechnen. Man wird die bedeutenden Ziele gemeinsam ins Auge fassen und mit gemeinsamen Kräften zu erreichen trachten; man wird denjenigen Einrichtungen, welche in dieser oder jener Gemeinde aus Mangel an Mitteln leidet, zu Hülfe kommen; man wird besonders jenem Mißbrauche steuern, der daraus entsteht, daß gewisse Subjecte sich bei den verschiedenen Vereinen mehrfache Unterstützung erbetteln. Die neue Verbindung hat dem Lord Nathaniel v. Rothschild, der schon den Vorsitz in der Synagogen-Delegirten- Versammlung führt, auch ihre Präsidentschaft angetragen. Er hat sie angenommen und hielt an die desfallsigen Deputirten eine Ansprache, in welcher er zuerst seinen Dank „für die große Ehre, welche ihm durch diese Wahl erwiesen sei", aussprach. Er hofft, daß diese neue Bereinigung für alle Gemeinden der großen Stadt bedeutende Vortheile haben werde und erinnerte an die biblische und talmudische Vorschrift, sich nicht zu spalten und zu trennen. Zuletzt fügte er hinzu: „Nicht weniger wichtig ist die strenge Beobachtung der Gesetze des Landes. Die Mehrzahl von Ihnen sind aus fremden Ländern hierher gekommen, wo Sie die grausamsten Verfolgungen erlitten haben. Sie haben sich hier ein neues Vaterland geschaffen, gerade in einem freien Lande, wo keine Religionsverschiedenheit irgend jemanden verhindert, sich dem von ihm erwählten Berufe zu widmen. Jedoch um ohne Beunruhigung die Freiheit zu genießen, muß man die Gesetze des Landes respectiren, und diese neue Institution ist bestimmt, Ihnen den Weg in dieser Richtung hin zu zeigen." — Aus Berlin erhalten wir den Bericht über Einnahmen und Ausgaben des Vereins „Jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen sowie der Hülss- Anstalt für Wittwen und Waisen" vom Jahre 1887. Wie beträchtlich die Anzahl der jüdischen Handwerker und Künstler in Berlin ist, ersieht man daraus, daß dieser Verein 281 Handwerker und Künstler als ordentliche Mitglieder zählt, außerdem aber 332 Ehrenmitglieder, welche Beiträge zahlen, ohne Anrecht auf Unterstützung. Diese 613 Mitglieder brachten an Beiträgen 5256 M. zusammen und beliefen sich durch Zinsen und Geschenke die Einnahmen auf 9762 M., welche außer dem Ankauf von Pfandbriefen im Betrage von 2085 M. für Unterstützung ausgegeben wurden. An Vermögen besitzt der Verein 28,013 M. Mögen mit dem steten Anwachs der jüdischen Bevölkerung in Berlin sich die Zahl der Handwerker, die Zahl der Mitglieder dieses Vereins, die Mittel desselben und seine wohlthätige Wirksa.mkeit immerfort vergrößern! — Aus Frankfurt am Main wird berichtet: Die Israelitische Sterbecasse, deren Mitgliederstand sich Ende 1887 auf 258 ordentliche und 98 außerordentliche Mitglieder belief, hat durch Beschluß der Generalversammlung vom 5. Dec. 1886 die Wirksamkeit der Casse auch auf weibliche Personen ausgedehnt. Die Mitgliederzahl hat dadurch einen Zuwachs erfahren. Die Casseneinnahnien beziffern sich auf 3419 M», wovon 535 M. auf Geschenke entfallen. Die Ausgaben betrugen im Jahre 1887 2888 M. Ferner: Der Verein zur Bekleidung bedürftiger israelitischer Knaben hat im vergangenen Jahre 210 Knaben mit Kleidern, Hemden und Stieseln versehen. Die Ausgaben des Vereins betrugen 9753 M., die Einnahmen 7910, darunter Mitgliederbeiträge 3156 M. — Neben großen Vereinen in großen Städten darf man das Aufblühen ähnlicher Veranstaltungen in kleineren Gemeinden nicht übersehen, da es hier die weise Benutzung der in geringerem Maße vorhandenen Mittel gilt. So besteht in Homburg v. d. Höhe ein „Israelitischer Armen-Holz-Verein", welcher dies Jahr seinen siebzigsten Gründungstag feierte und seit zwei Jahren einen Zweigverein „Zur Ausstattung israelitischer Mädchen" gründete. Jene Feier wird in dem Berichte in einem schönen Gedichte und einer recht lesenswerthen Einleitung begangen. Durch zahlreiche Geschenke nahmen die Einnahmen die Höhe von 4553 M. ein, wovon 3976 M. neu angelegt wurden, wodurch das Vermögen des Vereins aus 6214 M. besteht. Die Bilanz des Mädchen-Ausstattungs-Vereins zeigt 1168 M., von denen jedoch noch keine Unterstützung gewährt werden. Dies sind gewiß schöne Resultate, die der Thätigkeit des Vorstandes alle Ehre machen! — Wenn wohlthätige Anstalten in finanzieller Beziehung in Verlegenheiten gerathen, so darf man dies nicht immer der

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