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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-03-15 · Heft 11 (15.3.1888) · p. Seite 163

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 11 (15.3.1888)
Date
1888-03-15
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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163 digt gegen seinen Nächsten und man legt ihm einen Schwur auf, und es kommt der Schwur vor deinen Altar in diesem Hause": so bringe Gott die Wahrheit an den Tag und die Schuld des Einen, und strafe ihn, und die Unschuld des Anderen und lohne ihm nach seinem Wandel. Es setzt dies voraus, daß zu jener Zeit in schwierigen Streithändeln der Eid vor dem Altar im Tempel abgenommen wurde. Er geht dann über zu dem Falle, wo „Israel geschlagen wird vor dem Feinde, weil sie gegen dich gesündigt, und sie bekehren sich zu dir und bekennen deinen Namen und beten und flehen zu dir in diesem Hause, so vergieb der Sünde deines Volkes Israel und bringe sie zurück in das Land, welches du ihren Vätern gegeben." Es ist dies die typische Form für alle folgenden Sätze. Das Mißgeschick, das die Gesammtheit oder die Einzelnen trifft, ist Folge einer Versündigung, die aber durch aufrichtige Reue, inniges Bekennt niß und Gebet zur Vergebung kommt. Uebrigens ist hier nur von einem Theile gefangen fortgeführten Volkes die Rede, da das übrige Volk im Tempel seine Reue bekennt. Der folgende Satz handelt von einer Dürre, welche bei mangelndem Regen eingetreten. Die Sünde ist uni so strafbarer, „da Gott ihnen gezeigt hat den guten Weg, auf welchem sie wandeln sollen." Hieran schließt sich „Hungersnoth im Lande, Getreidebrand, Heuschrecken und Belagerung durch den Feind." „Bei jeder Plage, jeder Krankheit" möge das Gebet jedes Menschen erhört werden, wenn sie erkennen, ein Jeglicher die Plage seines Herzens, und ihre Hände ausbreiten zu diesem Hause, so vergiebt und thue und gieb einem Jeden ganz nach seinem Wandel, wie du sein Herz erkennest, denn du kennest allein das Herz aller Menschensöhne, auf daß sie dich fürchten alle Zeit." Also auch hier der allisraelitische Gedanke, daß das Geschick des Menschen sich nach seinem Wandel richte, doch nicht von dessen äußerlicher Seite, sondern nach seiner innersten Gesinnung. Hat aber bis jetzt der Beter nur das Volk Israel, für das und in dessen M'tle dieser Tempel erbaut worden, im Auge gehabt, so schließt er von hier ab (B. 41) auch die Nichtisraeliten, die „Fremden" ein, worunter durch die Bezeichnung '-02 nicht etwa bloß die im Lande ansässigen Fremden, sondern alle Menschen zu verstehen sind. „Aber auch auf den Fremden, der nicht von deinem Volke Israel ist und aus fernem Lande kommt, um deines Namens willen — denn sie werden hören von deinem großen Namen und deiner allmächtigen Hand — und er kommt und betet in diesem Hause, höre du im Himmel, der Stätte deiner Wohnung, und thue Alles, um das der Fremde zu dir rufet, auf daß alle Völker der Erde erkennen deinen Namen, dich zu fürchten wie dein Volk Israel." Man merke cs sich also endlich, daß, so eng und unmittelbar sich der israelitische Geist mit Gott verbunden glaubte, er sich doch niemals die Menschheit, die gesammten Menschen, ohne Unterschied, aus dem Verhältniß zu Gott ausgeschlossen dachte, vielmehr seinen Blick stets dahin gerichtet hielt, daß sich einst alle Völker zu der Lehre vom einzigen Gotte, zur israelitischen Gotteslehre bekennen werden. Den Weg zu diesem Ziele dachte sich der Israelit ganz besonders dadurch geebnet, daß Gott Israel stets wieder aus den über dasselbe als Strafe verhängten Mißgeschicken vor den Augen der Völker errette, und hier daß Gott das Gebet des Fremden, welches er in diesem Tempel aus seines Herzens Drange spricht, erhöre. Im Folgenden kommt der Beter noch einmal auf Kriegsfälle zurück. Zieht Israel aus in vollem Rechte, so möge Gott ihm Sieg verleihen. „Wenn sie aber sündigen wider dich — denn es ist kein Mensch, der nicht sündige—" und sie werden besiegt, und der Sieger führt sie gefangen in das Land des Feindes, fern oder nahe, und sie bekehren sich und flehen zu Gott im Lande ihrer Sieger, sprechend: wir haben gesündigt, haben uns vergangen, haben gefrevelt! und sie bekehren sich zu dir mit ganzem Herzen und ganzer Seele und beten zu dir, gerichtet nach dem Lande, das du ihren Vätern gegeben, nach der Stadt, die du erwählet und nach dem Hause, das ich deinem Namen gebaut: so erhöre sie Gott und schaffe ihnen Recht und vergebe ihre Vergehungen, und daß die Sieger sich ihrer erbarmen und sie zurückgehen lassen. Und hierzu die Schlußworte: „Denn dein Volk und dein Besitzthum sind sie, die du herausgeführt aus Egypten, dem eisernen Ofen, daß deine Augen offen seien auf das Flehen deines Volkes Israel, indem du auf sie hörest in allem, was sie zu dir rufen!" Wir sehen, daß das Bewußtsein des Berufes als Religionsvolkes aufs Lebhafteste vorhanden war, womit aber die Erkenntniß nicht ausgeschlossen war, daß diese Lehre an sich universell, für das ganze Menschengeschlecht bestimmt sei. Mit diesen Lehren und Gedanken trat also nach unserer Urkunde der Tempel auf Morijah in seine erhabene Bestimmung ein; diese Lehren und Gedanken waren an ihm haftend gedacht, da sie aus dem Munde seines Erbauers ausgesprochen sein sollten. Es versteht sich von selbst, daß nicht alle, die in diesem Tempel fungirten und die in seine Vorhöfe und Hallen eingingen, von solcher Anschauung beseelt waren. Da sie aber dem Könige Salomo selbst in den Mund gelegt und in die sanetionirlen Bücher der Geschichte ausgenommen waren, besitzen sie einen gültigen Charakter und müssen als Zeugniß für den altisraelitischen Geist anerkannt werden. Wohlthiilige Werke. 1. Wir nehmen unsere Berichte über wohlthätige Vereine und Anstalten wieder auf, da mit der Wende des bürgern*

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