Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1888)
- Date
- 1888-03-08
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
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157 trächtliche Summe wurde dem Jubilar eingehändigt, die er als Fond für die Bekleidung armer Kinder widmete. — Der Oberstlieutenant vom 30. Artillerie-Regiment Eduard Lippmann ist zum Obersten und zwar zum Direktor der Artillerie zu Dünkirchen ernannt worden. — Die Duelle werden unter den Juden recht häufig. Auch diese Unsitte, dieses Erbe einer barbarischen Zeit, hat unsre gegenwärtige jüdische Jugend aufgesangen. In diesen Tagen fand in der Umgegend von Paris ein Duell statt, bei welchem die beiden Gegner und der Zeuge Juden waren: Cahen, Vary und Weil. In der Umgegend von Wien hat der Sohn des Pastor Alex. Warmann ein Duell gehabt, bei welchem er sehr gefährliche Wunden davongetragen haben soll. — Aus Miskolcz wird geschrieben: Die hiesige Chewra Kadischa beging am 19. Febr. die Jubiläumsfeier ihres hundertzwanzigjährigen Bestandes. Aus Anlaß dieser Feier wurden mehrere namhafte Spenden gemacht. I e u i t l e 1 o n. Äug dem Stilleben einer kleinen Gemeinde. Unser verehrter Mitarbeiter, Herr Di-, G. Wolf hat in einem Heftchen die Geschichte der israelitischen Cultusgemeinde zu Horn in Nieder-Oesterreich geschrieben. Allerdings spiegeln sich nur weither die weltgeschichtlichen Ereignisse in dieser kleinen Gemeinde ab. Aber ihre innere Entwickelung erscheint uns interessant genug, da wir von den großen Schwierigkeiten erfahren, welchen noch heute die Bildung einer kleinen Gemeinde unterworfen ist, wie sich jedoch immer wieder Kräfte finden, um jene zu beseitigen. Wir geben daher die betr. Hauptstelle aus der Schrift unseres Freundes. Nach Ostern 1338 begann seitens der fanatisirten Bevölkerung, welcher man eine Hostienschändung weisgemacht, Metzeleien in Nieder-Oesterreich, welchen auch die bis dahin bestandene jüdische Gemeinde in Horn zum Opfer fiel. Von da ab bis zum zweiten Jahrzehnt des jetzigen Jahrhunderts wohnten in Horn keine Juden. Im Jahre 1815 kam zuerst Schlesinger aus Pießling in den Horner Bezirk und ging da seinen Geschäften nach, dem dann sein Sohn Josef, der nachmalige Begründer der jüdischen Gemeinde in Horn, im Jahre 1832 folgte. Diesem schlossen sich später andere Juden an. Sie verstanden es, sich das Wohlwollen und die Freundschaft der Beamten zu erwerben und waren wegen ihres rechtschaffenen Wandels bei der Land- und Stadtbevölkerung beliebt, ja sogar die katholischen Geistlichen führten in ihren Predigten die Juden als Muster und Beispiel an. Als dann das Jahr 1848 kam, war der genannte Josef Schlesinger der erste, der im politischen Bezirke Horn, in Altenburg, wo sich ein Benedictinerstist befindet, ein Haus, ein Viertel-Lehen erwarb, um daselbst eine Handlung zu errichten. Der Zuzug war übrigens auch nach dem Jahre 1848 nicht groß und jene Juden, die in Geschäftsangelegenheiten dahin kamen, verspürten keine Lust, sich daselbst zu stabilisiren, da sie ihre Heimathsgemeinden, mit welchen sie durch zahlreiche Fäden verbunden waren, nicht gänzlich verlassen wollten. Ueberdies fehlten doch in Horn alle Anstalten für das rituell jüdische Leben. Trotzdem die politischen Verhältnisse der Juden sich gänzlich umgestaltet hatten, so war man in der Praxis doch engherzig und war die Erlangung der Besugniß ein Gewerbe zu betreiben mit Schwierigkeiten verbunden und wurde diese gewöhnlich auf dem Recurswege durch die Statthalterei erreicht. Thatsächlich begnügten sich die meisten Juden mit Hausirpäffen. Im Jahre 1857 war eine jüdische Familie, bestehend aus sieben Personen, in Horn ansässig und im Jahre 1863 neun Familien. Die neun Familienväter vereinigten sich in diesem Jahre zu einer Religionsgenoffenschaft und beschlossen zunächst einen Religionslehrer zu bestellen, da, nach den jüdischen Satzungen, die erste Pflicht einer Gemeinde darin besieht, für den Unterricht zu sorgen. Mit der Wohnung für den Lehrer wurde zugleich ein Betlocal verbunden. Dieser erste Lehrer war Gabriel Sabl aus Bisenz in Mähren, der zugleich die Functionen eines Vorbeters und Schächters versah. Er war ein tüchtiger Lehrer und wirkte zur vollsten Zufriedenheit; aber er starb schon im Jahre 1866 an der Cholera, welche nach dem Kriege zwischen Oesterreich und Preußen auch in der Horner Gegend wüthete. Da die Israeliten daselbst noch keinen Friedhof hatten, so wurde die Leiche nach der nächsten jüdischen Gemeinde, nach Schaffa gebracht. Dort wollte man sie aber nicht beerdigen lassen, weil der Heimgegangene an einer epidemischen Krankheit gestorben war. Der Leichnam wurde hierauf wieder nach Horn gebracht und nun wurve amtlich angeordnet, denselben im sogenannten Preußenfriedhofe, im „Himmelreiche" zu bestatten. (Dieser Friedhof wurde nämlich im Jahre 1866 in Folge vieler Sterbefälle preußischer Soldaten errichtet. Das Feld, wo derselbe sich befindet, heißt das „Himmelreich") Ein Leichenstein mit hebräischer In-