Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1888)
- Date
- 1888-03-08
- Page
- Seite 156 (sequence 12)
- Language
- German
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156 jetzt Szabo agitirt, Propaganda. In dem Orte Kis-Udvarnok haben die Weiber ihre Männer so eingeschüchtert, daß diese nicht wagen, für einen Andern als für Keglevich zu stimmen. Der Antisemit Komlossy hielt auf offener Straße eine Ansprache, er hetzte gegen die Juden und wollte den von Jstoczy und seiner Partei bei der ersten Wahl so warm empfohlenen Ludwig Szabo unter Hinweis auf dessen bekannte Affaire vor der Wählerschaft in Mißkredit bringen. Aber Szabo erschien während der Rede mit den hiesigen Antisemiten, welche Komlossy verhöhnten. Der anwesende Stuhlrichter Otto mußte einschreiten und die Versammlung auflösen. Komlossy, welcher bis zur Wahl hier bleiben wollte, um gegen Keglevich und Szabo zu agitiren, mußte wegen der drohenden Haltung, welche die Antisemiten gegen ihren eigenen Apostel einnahmen, den Bezirk verlassen. DunarSzerdahelh, 24. Februar. Die Wahl fand heute statt. Bon 1985 stimmberechtigten Wählern stimmten 1839 und zwar für Krauß 872, für Bartal 714, für Keglevich 253. Da die absolute Majorität 920 beträgt, diese Stimmenanzahl aber auf keinen der Kandidaten entfiel, ist eine Stichwahl zwischen Krauß und Bartal erforderlich. Rußland. Warschau, 25. Febr. Die „Corr. de l'Est" berichtet von hier: Anläßlich des Purimsestes befanden sich heute Abend um 61/2 Uhr gegen 5000 Juden in der Synagoge. In Folge eines aus unbedeutender Ursache ausgebrochenen Streites brach eine Panik unter den auf der Galerie anwesenden Frauen aus. Mehrere Personen wurden getödtet, viele schwer und zahlreiche leicht verwundet. Bonn, 4. Mürz. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin vom 23. Februar: Heute Vormittag 11 Uhr wurde unter zahlreichem Trauergeleite Dr. S. Gumbinner auf tem jüdischen Friedhof in Weißensee zur letzten Ruhe bestattet. Der Verein „Berliner Presse" hatte dem Verewigten, seinem langjährigen Mitgliede, einen Palmenzweig gewidmet. Die Berliner Bezirksvorsteher hatten eine Abordnung entsandt; der Verein Berliner Schiedsmänner ehrte seinen Vorsitzenden durch die Anwesenheit seines Gesammt-Borstandes und legte einen großen Lorbeerkranz mit Schleife am Sarge nieder. Unter den sonstigen Leidtragenden bemerkte man den Stadtverordneten Dr. Neumann, Herrn Willianl Schönlank, Vertreter aus ärztlichen, juristischen und anderen Kreisen. Nach dem Sprechen der rituellen Gebete erfolgte still die Einsenkung des Sarges in die Erde. — Man schreibt aus Frankfurt a. M. vom 24. Februar: Nach längerem und schweren Leiden ist vorgestern Abend Herr Stadtrath Adolf H. Strauß verschieden. Der Verstorbene gehörte einer alten hiesigen Kaufmanns-Familie an und war am 16. September 1823 geboren. Von den Geschäften hatte er sich seit langer Zeit zurückgezogen. Am 20. November 1868 wurde er, aufgestellt von der demokratischen Partei, in die Stadtverordnetenversammlung und von dieser 1870 zum unbesoldeten Stadtrath gewählt. Seit 18 Jahren hat Strauß ununterbrochen dem Magistrate angehört, in welchem er vorzugsweise auf dem Rechneiamte die Kassengeschäfte verwaltet hat. Die Gemeindeverwaltung verliert an dem Hingeschiedenen einen pflichttreuen, uneigennützigen Verwalter ihrer Interessen und wird sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung fand heute unter außergewöhnlich großer Theilnahme statt. Vor dem Leichenwagen ging die freiwillige und Berufsfeuerwehr mit ihrer Musik, dann folgten einige Klassen der Realschule der israelitischen Gemeinde und außer den Verwandten und Freunden die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, der Vorstand und Ausschuß der israelitischen Gemeinde, städtische und Cultusbeamte, Mitglieder von Freimaurerlogen. Auf dem Friedhof legte Herr Stadtverordneter Rosenthal Namens des Vorstandes der israelitischen Gemeinde einen Palmzweig auf den Sarg, indem er den Heimgegangenen als selbstlosen freisinnigen Bürger, als treuen Familienvater, als aufopfernden Arbeiter für das Wohl der Allgemeinheit schilderte. Herr Oberbürgermeister Dr. Miquel widmete dem pflichtgetreuen unermüdlichen Collegen einen warmen Nachruf. Darauf sprachen noch Herr Rabbiner Dr. Plaut, Herr Dr. Mannheimer für die Loge zum Frankfurter Adler, Herr Dr. Ad. Brüll für die Realschule der israelitischen Gemeinde. — Man schreibt aus Wien: Der Wiener Schriftsteller Michael Klapp, welcher am 26. Febr. in Wien verstorben ist, hat sich namentlich auf dem Gebiete des gröberen Lustspiels oder feineren Schwankes Moser'sche Schule einen Namen gemacht. Allgemeinen und anhaltenden Erfolg errang namentlich sein vielgegebenes „Rosenkranz und Güldenftern", minder erfolgreich war schon das bei uns gegebene „Fräulein Kommerzienrath". Klapp war 1832 in Prag geboren. Er widmete sich der Journalistik auf dem Gebiete des Feuilletons. Sein erstes Buch waren die „komischen Geschichten aus dem jüdischen Volksleben". Seine größte litterarische Leistung war der Roman „Die Bankgrafen", welcher das Wien der Gründer- und Krachzeit zum Hintergrund hatte. — Man berichtet aus dem Haag: Am 12. Febr. begingen wir den Tag, an welchem die Amtsführung unseres Oberrabbiners Herrn B. S. Bernstein ihr vierzigstes Jahr vollendet hatte. Dem fast achtzigjährigen ehrwürdigen Greise, der noch heute allen Pflichten seines Amtes mit größtem Eifer nachkommt, wurden die verdienten Huldigungen zu Theil. Nach einem feierlichen Gottesdienste brachten zahlreiche Deputationen und Personen ihm die Zeichen ihrer Verehrung. Unter den Glückwünschenden befand sich auch der emeritirte protestantische Pastor Ridder. Eine be-