Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1888)
- Date
- 1888-03-01
- Page
- Seite 142 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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142 l Herzog Heinrich dem Jüngern im Jahre 1557 erlassene Verbammngsdecret, das auch die in Göttingen wohnenden Juden betraf, wurde in Folge kaiserlicher Jntercession vom Herzog Julius, dem Sohne Heinrichs, den 12. August wieder aufgehoben. Herzog Julius gestattete sogar „einer ansehnlichen Anzahl vornehmer Juden nach vorausgcgangener Vergleichung mit ihm und mit seiner ausdrücklichen Einwilligung, an den ihm und seinen Unterthanen geeignet scheinenden Orten auf seine Anweisung sich häuslich niederzulassen und zu besetzen." Aber schon der Nachfolger des Herzogs Julius, der Bischof-Herzog Heinrich Julius, dccretirte den 3. Mai 1589 und wiederholt den 15. Juli 1591 die Austreibung der Juden aus allen Städten seiner Lande. Gestützt auf ihre alten privilegirten Rechte widersetzte sich die Stadt Göttingen dem herzoglichen Befehle. Der Stadtrath wandte sich den 13. August 1591 mit einer Gegenvorstellung direct an den Statthalter, Kanzler und die Räthe zu Wolfenbüttel, in welcher er hervorhob, daß „den Juden noch einige Jahre von ihren Vorfahren verschrieben wären und daß es den unvermögenden Bürgern unmöglich wäre, ihre Pfänder in so kurzer Zeit von ihnen einzulösen." Diese Vorstellung hatte nicht den erhofften Erfolg; der Statthalter erließ vielmehr ein sehr ungnädiges Antwortschreiben, in welchem er im Namen des Fürsten dem Rathe den Befehl ertheilte, bei einer Strafe von 400 Goldgulden sich dem Mandate gemäß zu verhalten. Da riefen die Juden Göttingens und die der andern von der Vertreibung bedrohten Städte die Hülfe ihrer einflußreichen Glaubensgenossen in Prag an; diese wandten sich mit einer Bittschrift an den Kaiser Rudolf II., auf dessen Befehl Herzog Heinrich Julius nicht allein das Verbannungsdecret aufhob, sondern auch günstiger gegen die Juden gestimmt ivurde i). Die Juden konnten sich der Ruhe nur wenige Jahre erfreuen. Schon 1601 wurde ihre „Abschaffung" von Neuem decretirt; im Jahre 1614 versprach der Landesfürst auf Bitten der Stände, „ihnen zwischen dato und Ostern auszubieten", und im Jahre 1639 versicherte der Herzog, „die Juden sollen nach obigen alten Constitutionen ausgeboten und nicht wieder ins Land gelassen werden." Die wenigen Juden, welche in Göttingen wohnten, hatten nach einer Verordnung vom Jahre 1723 alljährlich „ihre erhaltenen Concessiouen zum Schutz und ihr Gewerbe beim Rath vor- und anzuzeigen. 1734, in dem Jahre, in welchem in Güttingen die Universität errichtet wurde, und in den folgenden Jahren befanden sich dort nicht mehr als drei jüdische Familien, i) Das Weitere hierüber bei Wiener: „Die Juden unter den Braunschweigischen Herzogen Julius und Heinrich Julius, in der Zeitschrift des Hist. Vereins für Niedersachsen, Jahrg. 1861." und doch wurde im Jahre 1753 der Stadt Göttingen ausdrücklich die Versicherung ertheilt, „daß die Anzahl der Juden nicht weiter vermehrt, sondern nach und nach vermindert werden sollte!" Das war zwei Jahre früher, als der Göttinger Theologe Ritter Michaelis Moses Mendelssohn's erste Schrift so anerkennend recensirte. Im Jahre 1765 belief sich die Zahl der jüdischen Familien auf sieben, im September 1776 auf zehn mit 82 Personen und im Jahre 1790 gab es in Göttingen 12 jüdische Familien. Einen Gönner fanden die Juden Göttingens in dem edlen Minister von Münchhausen, der sich ihrer bei jeder Gelegenheit annahm; selbst einige Göttinger Professoren gaben Juden zur Erlangung des Schutzes Empfehlungen. Von den Juden, welche damals in Göttingen wohnten, sind bekannt Jakob und Mendel Gumprecht; sie trieben Seidenhandel und standen mit Mendelssohn in Verbindung. Kg. Correspon-m). Berlin, 19. Febr. 1888. Ein Festlommers. Zu Ehren ihres Docenlen, Herrn Dr. David Cassel, der am Sonnabend, 11. d. M., sein 70. Lebensjahr vollendet, hielten am Mittwoch, 15. Febr. Abends die Hörer der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums" im Saale des Brüdervereins einen solennen Feflkommers ab, zu welchem sich außer einer Reihe von Studierenden anderer Facultäten die namhaftesten hiesigen Vertreter und Förderer der Wissenschaft des Judenthums und andere persönliche Freunde des Jubilars eingefunden hatten. Man bemerkte unter anderen: Prof. Steinthal, Docent 'Dr. Müller, Prof. Dr. Lazarus, Rabbiner Dr. Maybaum, Rabbinatsassessor Dr. Rosenzweig, Dr. Ritter, Dr. Kirstein, Dr. Apolant, Geheimrath Dr. Kristeller, Sanitätsrath Dr. Neumann. Um c. 974 Uhr eröffnte der Präside, cand. phil. Blumenthal, den Commers mit einem Salamander auf S. M. den Kaiser als den erhabenen Beschirmer aller Wissenschaften und Künste, woran derselbe in seiner eigentlichen Eröffnungsrede nach einer allgemeinen Begründung der Feier und nach einer kurzen Begrüßung der Gäste die namentlich an der älteren Semester gerichtete Aufforderung zu geselligem Frohsinn und zu heiterer Festesfreude knüpfte. Nach dem ersten, von einem Commilitonen gedichteten Festliede, schilderte Dr. Oppenheim die Verdienste, die sich der Gefeierte als Schriftsteller wie als Lehrer erworben, und schloß seine Festrede mit einem Salamander auf das Wohl des Jubilars. Nach Absingung des zweiten Liedes dankte Cand. phil. Schulmann allen erschienenen Gästen für die durch ihr Erscheinen in erster Reihe dem Jubilar, dann