Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1888)
- Date
- 1888-03-01
- Page
- Seite 141 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227717-3227727--45131-3264626- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
141 Schlag gegen die Humanität und geben jenes schöne Vorrecht des Culturstaates auf, auch in barbarischen Ländern für Recht und Menschlichkeit einzutreten. Wo aber irgend eine wirkliche Bürgschaft dafür finden, daß im marokkanischen Staate Sicherheit des Eigenthums und des Lebens hergestellt werde — hier, wo selbst die Intentionen des Sultans' nur geringe Wirkung außerhalb seiner Residenz besitzen? Wenn die nordamerikanische Regierung tölpelhaft zugegriffen und ihr Schutzrecht mit einem Male aufgegeben hat, so ging dies nur aus einer jener Regierung eigenen Unkenntnis; der Verhältnisse in der alten Welt hervor, so wie aus ihrem Grundsatz, sich um außeramerikanische Verhältnisse nicht zu kümmern. Die europäischen Mächte haben andere Interessen. Kurz, das Schicksal tausender unsrer Glaubensgenossen hängt von dem Ausgang dieser Angelegenheit ab, und man wird es uns nicht verdenken, wenn wir wünschen, daß die Conferenz gar nicht zu Stande komme. Kriegsverwickelungen, wie der Correspondent der Voss. Ztg. meint, hat übrigens! dieses Schutzrecht noch nicht herbeigeführt. Redact.) Bonn, 19. Februar. (Notizen.) Aus Stuttgart wird geschrieben: Die älteste Schwester Berthvld Auerbachs, Jeanette Auerbach, welche seit einer Reihe von Jahren in der Nachbarstadt Cannstatt wohnt, wird dem „Neuen Tageblatt" zufolge in Kurzem nach Amerika abreisen, um im Kreise ihrer Kinder, die sich sämmtlich in der neuen Welt niedergelassen haben, ihren Lebensabend zw beschließen. Jeanette Auerbach hat, wie aus den Briefen ihres Bruders hervorgeht, mannigfachen Einfluß auf dessen schriftstellerische Thätigkeit gehabt; der Dichter hat auf ihr treffendes Urtheil stets viel Werth gelegt. Die ehrwürdige Frau steht jetzt im 78. Lebensjahre, sie erfreut sich noch größter Rüstigkeit. — Man schreibt aus Berlin vom 20. d.: Einer der ältesten Tagesschriftsteller, der Di. phil. Sally Gumbinner, ist heute Morgen hier nach kurzer Krankheit verstorben. Geboren am 2. Januar 1817 zu Berlin, wo er auch seinen Universitätsstudien von 1835—38 oblag, trat er wenige Jahre nach deren Beendigung in die Redaktion der „Spenerschen Zeitung" ein, welcher er bis 1874 angehört hat. Seit 1842 stand er mit der „Köln. Ztg." in Verbindung, für welche er bis in die letzten Tage seine Lebens thätig war. Auch für die »Voss. Ztg." war der Verstorbene seit seinem Austritt aus der „Spen. Ztg." verdienter Mitarbeiter. Abgesehen von seiner journalistischen Thätigkeit war er vielfach mit historischen Studien und archivalischen Arbeiten beschäftigt. Mit einem glücklichen Gedächtniß begabt, war der Heimgegangene ein Stück Berliner Chronik und die „Voss. Ztg." verdankte ihm manchen schätzenswerthen Beitrag in der Zeitung selbst wie in der Sonntagsbeilage. Auch für Fachzeitschriften war er fleißiger Mitarbeiter. Mit großer Wärme hing er an den Interessen und der Entwickelung seiner Vaterstadt. Seit langen Jahren wirkte er als Schiedsmann, der hiesige Schiedsmannsverein wählte ihn zu seinem Vorsitzenden, und als solcher Präsidirte er noch vor wenigen j Wochen, wenn auch nicht mehr in ungebrochener Kraft, der letzten Monatssitzung des Vereins, über die er noch in der „Voss. Ztg." berichtete. (Eine Zeit lang war der Verst. auch Mitglied des Curatoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums.) — Aus Teplitz (Böhmen) wird uns geschrieben: Der an die Stelle des Herrn Dr. Ad. Rosenzweig zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählte Herr Dr. Adolf Kurrein, gegenwärtig Rabbiner in Bielitz, wird in den nächsten Wochen sein Amt antreten. — Aus Jordan o w (Galizien), 14. Februar schreibt man uns: Sonntag, den 12. d. um Mitternacht brach im israelitischen Cultustempel zu Jordanow Feuer aus, welches so rasch um sich griff, daß der Tempel innerhalb einer Stunde ein Schutthaufen wurde, ohne daß man die Gesetzrollen retten konnte. — Aus Pest wird uns mitgetheilt: Am 20. d. M. fand am hiesigen Rabbiner-Seminare nach vorangegangener Prüfung die feierliche Entlassung von fünf in der Anstalt ausgebildeten Rabbinern statt. Zwei derselben, Dr. Feldmann und Dr. Pinkusseld, haben bereits Anstellung gefunden; der erstere in Czegled, der andere in Duma-Foldvar. I e u i i i e i o tt. Zur Geschichte -er Juden in Göttingen. Ein jüngst von mir erworbenes Manuscript „lieber die Inden in Götringen", das vor ca. 100 Jahren in keineswegs judenfreundlichem Sinne geschrieben wurde, führt mich auf die Geschichte der Juden in genannter Stadt, in der sie bereits im 13. Jahrh. ansässig waren. Früher als Hannover hatte die Stadt Göttingen das Recht erlangt, Juden in Schutz und Gebiet zu nehmen. Zwischen den Jahren 1553 und 1594 wurde den Juden in den herzoglich Braunschweig-Lünneburg'schen Landen nicht weniger als fünfmal aller Schutz gekündet. Das von