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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-03-01 · Heft 9 (1.3.1888) · p. Seite 134

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 9 (1.3.1888)
Date
1888-03-01
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
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134 übertragen von Joseph Sattinger (Arad, Szechenyi 1887). Der Inhalt des Buches bezieht sich insonders auf die gegen die ungarischen Juden geführten Angriffe der Antisemiten und bringt mancherlei Bemerkenswerthes, wenn auch in etwas losem Zusammenhänge. — Der Verlag von Wilhelm Friedrich in Leipzig sendet uns zwei eigenthümliche Schriften zu, die soeben die Presse verlassen haben: „das Leben nach dem Tode von R. F. Carstensen (Prediger in Copenhagen), deutsch von Emil Jonas". Der Verfasser beantwortet zuerst die Frage: „Schweben die Heimgegangenen in dem unendlichen Raume des Aethers umher, oder sind sie versammelt an bestimmten Stellen im Jenseits?" Dann bringt er eine Erklärung der im alten wie im neuen Testamente auf die Unsterblichkeit und die Auferstehung der Tobten von den christlichen Theologen gedeuteten Stellen. Die andere Schrift führt den Titel: „Der Tod der Unsterblichen von Wilhelm Stoffregen." Der Leser dieses Titels wird schwerlich errathen, was den Inhalt des Buches ausmacht. Der Verfasser will zeigen, daß es mit den Resultaten der ganzen bisherigen Philosophie nichts sei und macht zu diesem Zwecke Streifzüge durch die Geschichte der Philosophie, wobei er sich die Geistesheroen, die er unter die Lupe seiner Betrachtung zieht, nach Belieben auswählt, z B. von Descartes zu Kant übergeht. Zum Schluffe giebt er eine Verherrlichung der deutschen Nation zum Besten, die wir, so sehr auch wir Verehrer des deutschen Genius sind, doch nur als einen überschwenglichen Chauvinismus betrachten können. Er sagt: „Die That! Das ist der große Name unseres Gottes —ja, vorzugsweise des unsrigen, denn keine Nation ist in dem Maße wie die deutsche, zur sittlichen That geboren und geschaffen .... Die hervorstechendste Seite des Deutschen ist seine kriegerische Natur. Dieser kriegerische Drang jammert und lechzt von Zeit zu Zeit nach Bethätigung, er läßt die Grenzsteine des stets zu kleinen Vaterlandes nicht lange in der Erde stecken." Deshalb schweift der Deutsche „als eroberungslustiger Colonist" in die Ferne und dies ist auch der Grund seiner Neigung für die Kritik. Als Beweis hierfür läßt er „ein Bataillon von Beweisgründen aufmarschiren, wenn er den Geist Friedrichs des Großen heraufruft, und eine ganze Armee von Gründen stellt das eine Wort Göthe zur Verfügung" u. s. w. Jedenfalls hat der Verfasser hierbei die deutsche Kritik vernachlässigt, welche stets nach richtiger und unparteiischer Auffassung der Geschichte strebt. — Eine höchst werthvolle Gabe bringt uns die überaus fleißig gearbeitete: Obrestornatia Targumica quam collatis libris manu scriptis antiquissimis Tiberiensibus editionibusque impressis eeleberrimis ad Codices vocalibus Babylonicis instructos edidit adnotatione critica et glossario instruxit Adalbertus Merx. (Berlin, Reuther 1888.) Nach ausführlichen Prolegomena werden folgende Stücke mit kritischen und erklärenden Noten zusammengestellt: 1. Mos. 1—4, 24. 49. 2. Mos. 15, 20 -24. 3. Mos. 9—11. 4. Mos. 20, 12-25. 5. Mos. 26—29, 8. 32-34. Richter 5. 2. Sam. 22—23, 7. Jesaias 52, 13-53, 12. Jona 1 — 4. Micha 1—7. Habakuk 3. Man sieht, daß die hier gegebenen Stellen zu den wichtigsten und schwierigsten der heiligen Schrift gehören. Ein reiches Glossarium bringt viele für die Wortkunde wichtige Anmerkungen. — In demselben Verlage erschien: Joma der Mischnatractat „Bersöhnungstag". Herausgegeben und erklärt von Hermann L. Strack, Professor. Nach den besten kritischen Quellen und Hilfsmitteln erhalten wir den vokalisirten Text des Tractats Joma mit kritischen und erklärenden Anmerkungen und einem Vokabulär. In Kurzem soll in gleicher Weise der Tractat Aboda sara erscheinen.— Herr Alexander Weill in Paris hat abermals eine, diesmal 294 S. starke Schrift im Selbstverläge herausgegeben, welche an paradoxen Aussprüchen so reich ist, daß die mannigfaltigen geistvollen Bemerkungen darunter verschwinden. Sie ist betitelt: Le Centenaire de l’Emancipation des Juifs (Paris, Selbstverlag, 11 Faubourg Saint-Honore, 1888.) Der zu Abschweifungen geneigte Verfasser behandelt „die Juden seit dem zweiten Tempel bis 1789; Katechismus der emancipirten Juden; die emancipirten Juden; allgemeiner mosaischer Katechismus; israelitischer mosaischer Katechismus". Wir hatten schon vor geraumer Zeit Veranlassung, die eigenthümlichen Ansichten des Herrn A. Weill zu kennzeichnen und zu bestreiten. Vom letzteren nahm Herr Weill keine Notiz, und so sehen wir uns auch nicht gemüßigt, noch einmal in die willkürliche Bibelkritik des Verfassers und seine oft abstrusen Meinungen einzugehen. Betrachtet doch Herr Weill sich so gut wie einen Propheten, der dazu berufen sei, nach so vielen Jahrtausenden die wirklichen Lehren unseres großen Gesetzgebers zu verkünden und aus der Thora zu streichen, was ihm, Herrn Weill, nicht gefällt. Da kann man nur den Leser, der danach verlangt, auf das Buch selbst verweisen, das immerhin curios ist, bei welchem man jedoch die Augen offen halten muß.

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