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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-02-23 · Heft 8 (23.2.1888) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 8 (23.2.1888)
Date
1888-02-23
Page
Seite 126 (sequence 14)
Language
German
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126 dem Dienste der Allgemeinheit geweiht, und dem dafür die Achtung seiner Mitbürger in reichem Maße zu Theil geworden ist! — Aus Bukarest wird geschrieben, daß mehrere hundert jüdische Familien in Jassi sich entschlossen haben, nach Brasilien auszuwandern und sich dort der Landwirthschaft zu widmen. — In Tripolis verschied jüngst Joseph Susan, ein Jude, im Alter von 117 Jahren, er war bis wenige Tage vor seinem Tode in vollem Besitze geistiger und körperlicher Kraft. Pest, 12. Februar. (Literarische Notizen). Die Sammlung jüdischer Volkssagen, Erzählungen, Denkwürdigkeiten und Biographien, welche der sel. Wolf Pascheles in Prag unter Mitwirkung bekannter Schriftsteller vor dreißig Jahren unter dem Titel „Sippurim" herausgegeben hat, sind jetzt bereits selten geworden. Um diesen Schatz jüdischer Erzählungen Jedermann zugänglich zu machen, hat Herr Jakob B. Brand eis, der Schwiegersohn des sel. Pascheles, unter dem Titel: „Sippurim, Ghettosagen, jüdische Mythen und Legenden" (Prag, Jakob B- Brandeis, 1888) eine Volksausgabe veranstaltet. Das Beste aus der Sammlung, durchweg Spannendes, wird hier in systematischer Ordnung dem Leser geboten; wir erwähnen nur die beliebten, in mehreren Sprachen übersetzten Erzählungen S. Kohn's „Der Kadisch vor Kol Nidre" und „Der Retter", „Der Märtyrer" und „Reb Paltine oder der chomezige Borchu" von Michael Klapp, „Die Sagen der Prager Juden" von L. Weisel, „Mönch und Jüdin" von S. Wallerstein, „Ein Poscheh Israel" vom Altar, „Der hohe R. Löw und der Graf" von L. Kapper, u. a. m. Es ist ein wahres Volksbuch, das mit seinen Erzählungen in anmuthigem, lebhaftem Stil hohen Genuß bereitet und dem die weiteste Verbreitung zu wünschen ist. Kg. A e u i l l e t o n. CorrejponLerl). Cottbus,,im Febr. Freude und Trauer. Es ist ein seltenes und erschütterndes Ereigniß, das sich vor wenigen Tagen in unserer Nachbargemeinde Landsberg a. d. W. zugetragen, das in den weitesten Kreisen die aufrichtigste Theilnahme und tiefste Trauer wachgerufen, von welchem ich heute Ihren geehrten Lesern Kunde geben will. Am 3. d. M. wollte das Simon Bibo'sche hochbetagle und allgemein beliebte Ehepaar die goldene Hochzeit in großartiger Weise feiern. Die zahlreichen Angehörigen des würdigen Jubelpaares hatten bereits die weitgehendsten und glänzendsten Vorbereitungen getroffen, um diese seltene Familienfeier zu einem überaus schönen und imposanten Freudenfeste zu gestalten. Kostbare Geschenke waren schon von Nah und Fern eingegangen und der eine Sohn in Berlin hatte die edle Absicht, seinen greisen Vater mit einem sehr werthvollen Nerz-Pelz zu überraschen. Auch die Verwaltung der israelitischen Gemeinde, sowie die Stadtbehörde wollten diesen wichtigen Tag nicht vorüber gehen lassen, ohne dem Jubelpaar die ihm gebührende Ehre und Hochschätzung zu erkennen zu geben. So wurde beispielsweise von dem dortigen Magistrat eine Commission zu dem Zwecke ernannt, um dem Jubilar an seinem goldenen Hochzeitstage das Ehrenbürger- Diplom zu überreichen, eine Auszeichnung, die nicht nur unseren Glaubensgenossen, sondern noch mehr dem toleranten und edelgesinnten Magistrat zum höchsten Ruhme gereicht — besonders bei der gegenwärtigen Zeitströmung. — Auch Se. Majestät unser allverehrter Kaiser und König ” "■ geruhte allergnädigst ein Allerhöchst huldvolles Glückwunschschreiben nebst der Ehejubiläumsmedaille einzusenden. Allein — „Zwischen Lipp' und Becherrand Schwebt des Schicksals unsichtbare Hand, Und zeigt uns das ursMsnto mori an der Wand " Denn obwohl Herr S. Bibo sich stets einer festen Gesundheit erfreute, so daß er trotz seines hohen Alters von 78 Jahren jeden Morgen um 7 Uhr dem Gottesdienste in der Synagoge beiwohnte und sogar stets o'Jib'nui n'wyD gewesen, ist er leider! bereits am 29. v. M. so ernstlich erkrankt, daß er am 2. d. M., Morgens 6*/2 Uhr, seine reine, fromme Seele aushauchte. Am 3. d. M. nun, an welchem die langersehnte Goldene Hochzeit stattfinden sollte — an eben demselben Tage wurde seine sterbliche Hülle zur ewigen Ruhe getragen und unter sehr großer Betheiligung seitens aller Classen der dortigen Bevölkerung in die kalte Erde gebettet. Es mußte nun die am 2. d. M. eingetroffene Dedication wieder zurück nach Berlin gesandt werden, worauf Se. Majestät unser Kaiser und König allergnädigst geruhte, den untröstlichen Hinter-

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