Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-02-23 · Heft 8 (23.2.1888) · p. Seite 127

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 8 (23.2.1888)
Date
1888-02-23
Page
Seite 127 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227717-3227726--45116-3264610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

127 Mebenen des Heimgegangenen Allerhöchst sein tiefstes Beileid auszudrücken, ein neuer, unwiderleglicher Beweis, daß Se. Majestät unser Kaiser der antisemitischen Bewegung durchaus fernsteht. Die vielen Angehörigen und Freunde des Jubelpaares, die theilweise aus weiter Ferne herbeigeeilt waren, um das seltsame Familienfest zu verherrlichen, geleiteten schmerzerfüllt und tiefgebeugt das geliebte Oberhaupt zur letzten Ruhestätte. Die unvermeßliche Freude wurde in allgemeine Trauer verwandelt. A. Zadeck, Cantor. Vermischtes. Der Schuldschein aus Toledo. Aus Konstantinopel schreibt man uns: Ein junger, reicher Cavalier aus einem der ältesten spanischen Adelsgeschlechter kam auf einer Vergnügungsreise bis nach Konstantinopel und bemerkte wiederholt in der Nähe seines Hotels die Firma eines Bankiers, dessen spanischer Name ihm bekannt klang, weil er ihn oft in seinen alten Fannlienpapieren gelesen hatte. Er erkundigte sich des Näheren und erfuhr, daß der Inhaber der Firma ein Jude sei, dessen Familie vor Jahrhunderten nach einer Vertreibung der Juden aus Spanien sich in Konstantinopel angesiedelt hatte und zu den reichsten Männern der Levante zählte. Es interessirte den jungen, liberalen Herzog, einen Nachkommen der unter Mitwirkung eines seiner Ahnherren verjagten Juden kennen zu lernen, und er schickte seine Karte zu dem alten Bankier mit der Anfrage, ob er empfangen werden würde. Der Bankier erbat sich die Ehre seines Besuches, und im Laufe des Gespräches erzählte der junge Herzog, daß in seinem Familienarchiv mehrere interessante Briefe und auch Rechnungen von der Hand eines Mannes vorhanden seien, welcher mit dem herzoglichen Hause im fünfzehnten Jahrhundert große Geldgeschäfte gemacht zu haben scheine Md dessen Name mit dem des Bankiers identisch sei. „Das wundert mich nicht", entgegnete der Bankier, welcher sich der spanischen Sprache bediente, gleich allen seinen levantinischen Glaubensgenossen. „Auch unter meinen Familienpapieren befindet sich ein Document von der Hand eines Ihrer Ahnherren". Der Herzog wünschte dringend, es zu sehen und der alte Bankier brachte aus einem Nebenzimmer ein wohlerhaltenes Pergament heraus, welches nichts Anderes enthielt, als — einen Schuldschein über 3000 venetianische Zecchinen, ausgestellt zu Toledo von einem Ahnherrn des jungen Herzogs. „Die Urkunde ist echt", bemerkte der Cavalier nach genauer Prüfung des Documentes; „das ist die Schrift von Don Diego und unser Wappen. Geben Sie mir diesen Schein, ich bezahle die Schuld", fuhr der Cavalier mit echt spanischer Grandezza fort und zog sein mit Noten der englischen Bank gefülltes Portefeuille aus der Brusttasche. Der Bankier lächelte fein: „Herr Herzog, meine Forderung kann ganz Spanien mit allen Colonien nicht bezahlen, denn Ihr Ahnherr hat auch sechs Procent Zinseszinsen bis zur Einlösung des Schuldscheines verschrieben, wie Sie gefälligst lesen wollen, und nach 421 Jahren machen die sechsprocentigen Zinseszinsen von 3000 Ducaten mehr Gold aus, als in der Welt überhaupt vorhanden ist." Der Cavalier blickte verlegen auf sein Portefeuille; der alte Jude aber strich sich den Bart und sagte: „Trösten Sie sich, Herr Herzog, die Schuld ist verjährt. Da haben Sie dieses interessante Autograph Ihres Ahnherrn; schicken Sie mir dafür, wenn Sie nach Hause kommen, die Autographen des meinigen; dann sind wir quitt." Der Herzog ließ sich später mehr als ein Diner bei seinem Landsmann schmecken, dessen Familie seit mehr als vier Jahrhunderte den Boden der alten Heimath nicht betreten hatte. Anzeigen. f p werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- «il/w folgende Wochennummer bis spätestens Sonnabend eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Eine junge Krau aus guter Familie,! feingebildet, wirthschaftlich hervorragend! tüchtig, besonders zur Erziehung von Kindern geeignet, musikalisch, perfekte Vorleserin, wünscht Stellung als Repräsentantin oder Gesellschafterin einer älteren Dame. sB 155 Gesl. Offerten sud Z. 503 an Rudolf Moffe, Breslau. Pensionat und Höhere Töchterschule von Frau Dr. Lederson in Hannover, Thiergartenstraße 3 und 4. E—' Aufnahme von Zöglingen zu jeder Zeit. -.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.