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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-02-23 · Heft 8 (23.2.1888) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 8 (23.2.1888)
Date
1888-02-23
Page
Seite 122 (sequence 10)
Language
German
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nach Abhaltung des Gottesdienstes Gebete in deutscher Sprache verlesen, und zwar zum Andenken an den Stifter der Gesellschaft Benedict Elias Maas (von dem Senior Herrn Salomon Cahn) und an den Reorganisator derselben Sigmund Geisenheimer (von Herrn Hermann Maier). Vorher war durch Herrn Al. Zunz ein Gebet für die Familie Rothschild in hebräischer Sprache verlesen worden. Sodann erfolgte die Festrede des Herrn I. Eduard Goldschmid, welche die Bedeutung der Anstalt feierte, einen interessanten Rückblick auf ihre Geschichte warf und der Erben gedachte, welche sich neben den bereits genannten vortrefflichen Männern um ihre Entwickelung verdient gemacht, darunter namentlich auch des Freiherrn von Rothschild. Von ehemaligen Senioren der Krankencasse waren die Herren Philipp Bonn, vr. Maas und Ignatz Sichel anwesend. Karlsruhe, 13. Febr. Durch Allerhöchste Entschließung des Großherzogs wurde dem Präsidenten des Finanzministeriums, Wirklichen Geheimen Rath Ellstätter, der Charakter als Finanzminister verliehen. Diese Auszeichnung ist demselben, wie die amtliche Karlsruher Zeitung meldet, mittelst eines huldvollen Handschreibens folgenden Inhalts eröffnet worden: Mein lieber Geheimer Rath Ellstätter! Mit dem heutigen Tage sind zwanzig Jahre umflossen, während welcher Sie als Präsident Meines Finanzministeriums den Staatshaushalt des Landes geleitet haben. In dieser langen Zeit und unter oft recht schwierigen Verhältnissen habe» Sie das Vertrauen, mit welchem Ich Sie auf diese verantwortungsvolle Stelle berufen habe, durch Ihre ebenso geschickte und umsichtige als gewissenhafte und treue Amtsführung in vollem Maße gerechtfertigt und dem Staat durch die sorgsame Pflege und Ausbildung seines Finanzwesens die ersprießlichsten Dienste geleistet. Der heutige Rückblick auf diese langbewährte Thätigkeit legt es Mir nahe, Ihnen einen neuen Beweis Meiner Werhschätzung und Dankbarkeit zu Theil werden zu lassen. Ich habe Mich deshalb bewogen gefunden, Ihnen den Charakter als Finanzminister zu verleihen; und ertheile gleichzeitig dem Staatsministerium den Auftrag, das zur Ausführung dieser Entschließung Erforderliche vorzukehren. Karlsruhe, den Ihr wohlgeneigter 11. Februar 1888. gez. Friedrich. Dem „Str. P." schreibt mau dießbezüglich: „Er wurde seiner Zeit der Nachfolger Mathys, der ihn bei einem norddeutschen Bankinstitut, wo der auf lange Wartejahre angewiesene badische Referendar Beschäftigung gesucht und gefunden, kennen gelernt und in das badische Finanzministerium als Kollegialmitglied berufen hatte. Kein badischer Minister hat unseres Wissens eine gleiche lange Amtsdauer aufzuweisen. Daß an der Spitze des Finanzministeriums ein Jurist steht, war eine Neuerung; daß dieser Jurist dem israelitischen Bekenntniß angehörte, war eine Bethätigung des damals nur wenige Jahre alten Emancipations-Gesetzes. Mit dem Namen des Geheimraths Ellstätter ist die Umgestaltung des badischen Steuersystems auf dem Boden einer gerechteren Lastenausgleichung dauernd verknüpft. Auch fällt in seine Amtsthätigkeit die Tilgung der direkten badischen Staatsschulden, wozu die französische Kriegsentschädigung das Schlußmaterial lieferte". — Der klerikale ,.B. Beob." fügt hinzu, daß er den Finanzminister Ellstätter als einen nüchternen, klaren Kopf, als einen gewiegten Finanzmann und — was in Baden nicht wenig heißen will — als einen Mann anerkenne, der seine Stellung von den Auswüchsen des politischen Parteitreibens möglichst fernzuhalten gewußt hatte. — Herr Minister Ellstätter ist der Schwager des Oberraths Rabbiner Millstätter. — Was sagen nun die Herren Antisemiten dazu und zu der bevorstehenden Ernennung des Barons Henri de Worms znm Präsidenten des Handelsamtes? Dus sind doch schwerwiegende Thatsachen! — In der Sitzung vom 16. d. M. genehmigte die Kammer debatten los die Erhöhung des Gehaltes des Ministers Ellstätter um 6000 M. jährlich unter Anerkennung seiner Verdienste. (Es handelt sich also nicht bloß um einen Titel und nicht bloß uin Anerkennung an höchster Stelle, sondern um eine allgemeine.) Hannover, im Februar. (Privatmitth.) Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir jährlich des segensreichen Vereines gedachten, welcher hier besteht, mit dem besonderen Zwecke „zur Unterstützung der Schüler der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer". Es gilt hier den doppelten Zweck, armen Jünglingen zur Ausbildung im Lehrfache Unterstützung zu gewähren und dadurch die Heranbildung tüchtiger Lehrer für die jüdischen Geineinden. Der Verein leistet recht viel sowohl für die Präparanden als auch für die Seminaristen. Er erfüllt seine Aufgabe in bester Weise dadurch, daß er seine Pfleglinge in einem eigenen Lokale und mit eigener Bewirthschaftung erhält, pflegt und beaufsichtigt. Zu bedauern ist es nur, daß es noch immer nicht dahin gelangen konnte, ein eigenes Haus zu erwerben und für seine Bestimmung zweckmäßig einzurichten. Hierzu fehlen ihm noch die Mittel, die überhaupt noch nicht ausreichen, um alle Gesuchsteller aufzunehmen, so daß immer noch einige tüchtige Jünglinge abgewiesen werden müssen. Wir halten es für eine Ehrenpflicht unserer bemittelten Glaubensgenossen, dem Vereine zu diesen Zwecken hülfreich Hand zu bieten. Der 8. Jahresbericht, der eben ausgegeben worden, erweist, daß der Verein ausgedehnter Berücksichtigung würdig ist. Ec unterhielt im verflossenen Jahre 32 Schüler, von denen 22 der Seminaristenabtheilung und 10 der Präparanden angehören. Im April wurden 7 Schüler, welche mit dem Zeugniß der Lehrecbefähigung die Anstalt verließen, von Gemeinden zu Lehrern

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