Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1888)
- Date
- 1888-02-23
- Page
- Seite 121 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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x2± Antrag des Synagogenrathes in Freiburg i. B. Der Gemeindetag wolle beschließen, den Ausschuß aufzufordern, in Abänderung seiner bisherigen Geschäftsordnung vertrauenswürdigen Vereinen, welche die Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten sich zur Aufgabe gestellt haben, aus den Mitteln des Ge meindebundes ohne weitere Bedingungen einen angemessenen jährlichen oder einmaligen Zuschuß zu ertheilen. Antrag des Hrn. Dr. Silberstein in Wiesbaden. Der D.-J. G. B. wolle sich die Förderung populärwissenschaftlicher Vorträge über das Judenthum, insbesondere dessen Lehre und Geschichte angelegen sein lassen und insbesondere eine Organisation schaffen, die diesem eminent wich- * tigen Zweige des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes diene. — Es ist immerhin bemerkenswerth, daß das bisher antisemitische „Deutsche Tageblatt" in das nationalliberale Lager übergegangen ist. Hoffentlich nimmt es in das letztere seine antisemitischen Neigungen nicht mit. — Am 15. d. hielten die Hörer der Lehranstalt für Wissenschaft des Judenthums einenFesteommers zu Ehren ihresDocenten vr. David Cassel im Anschluß an dessen 70jährigen Geburtstag ab. — Der Sieg Stöckers in den jüngsten Tagen, der selbst „die kommenden Männer" in die Gefolgschaft des Agitators brachte und welchen auch die 20,000 Mark „des reichen Juden" in die Caffe des conservativen Wahlcomites nicht verhinderten, ruft alle früheren antisemitischen Hetzer aus den Schlupfwinkeln hervor, in welche sie sich versteckt hatten. So trat auch jüngst nach zweijährigem Schweigen der frühere Stadtverordnete Pickenbach wieder als Redner in einer antisemitischen Versammlung auf. — Wir wollen hier auch die glänzende Aufnahme nicht mit Stillschweigen übergehen, welche der Baron Henry de Worms bei den hervorragendsten Persönlichkeiten gefunden hat, auch bei dem Fürsten Bismarck. Bekanntlich vertritt er, zukünftiger Präsident im englischen Handelsamte, die großbritannische Regierung ofsiciell bei der Conferenz, durch welche die Zuckerprämien beseitigt werden sollen. Nachdem die Conferenz gewisse Punkte aufgestellt hat, reist de Worms auf dem Continente, um die Annahme dieser Beschlüsse zu erwirken. In Brüssel fand er große Bereitwilligwilligkeit und soll sich derselben nun auch in den maßgebenden Kreisen in Berlin erfreuen. Wir brauchen diesen Namen nur zu nennen, um an das lebhafte und thatkräftige Interesse zu erinnern, welches der Baron bei mehrfachen Gelegenheiten, namentlich auch in der Leitung der ^.n^Io-llewisli-^LsoeiÄliov, für das Judenthum und die Juden bekundet hat. Leipzig, 13. Februar. (Privatmitth.) Ich bitte um Gastfreundschaft in Ihrem geschätzten Blatte für folgendes an den Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes gerichtete Gesuch: Hochgeehrte Herren! In den zwei Jahrzehnten des Bestehens des deutsch-israelitischen Gemeindebundes ist manches Wohlthätigkeitswerk geschaffen, mancher Uebelstand beseitigt und die Förderung und Festigung des Gemeindewesens angebahnt worden. Nicht als der kleinste Segen gilt die fast beseitigte Wanderbettelei, welche bis auf ein Minimum, in Folge einer organisirten Leitung nach feststehenden Satzungen, herabgesunken ist. Und dennoch ist damit nur der erste Schritt auf der Bahn eines nur mühsam zu erreichenden Zieles gethan. Mit der Beseitigung dieses ersten Hindernisses, das störend jeder besseren Gestaltung in den deutschisraelitischen Gemeinden entgegenstand, da die so schwer beschafften Mittel zumeist nur Unwürdigen zu Gute kamen — ist allerdings darauf hingewiesen worden, daß ein gedeihliches Wirken auf heimischem Boden unsere ganze materielle Kraft, gleich unserer geistigen Kraft, für sich allein beansprucht. Aber die Beseitigung des Uebelstandes hat nur den Weg zur ersprießlichen Wohlthätigkeit freigelegt. — Noch ist nicht das „Wie" und „Wo" gekennzeichnet, wodurch uns die Mittel und woher uns die volle Kraft zur Uebung einer segensreichen ^Wohlthätigkeit daheim werden sollen. Wenn das jüdische Herz auch allezeit bereit ist, unseren Mitmenschen und namentlich unseren Glaubensgenossen, nach göttlichem Gebote, helfend zur Seite zu stehen, so ist und bleibt doch die Hilfe eine unzulängliche, da sie immer nur der Ausfluß eines vereinzelten, persönlichen Empsindens ist. Nicht der Einzelne, sondern die vereinigte Menschheit vermag dauernde Hilfe zu bringen. Die Gesammtheit nur kann es vollbringen, nach geordnetem, wohlorganisirtem Plane das Wohl der bedürftigen Menschheit — und die Gemeinden das Wohl der Nothleidenden, der ihnen Zunächststehenden — zu begründen. In Anbetracht dessen gestattet sich der Unterzeichnete, bei einem verehrlichen Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes zu beantragen: „daß von Seiten des Ausschusses in Anregung dieser Frage beim 5. Gemeindetag eine Resolution veranlaßt werde, daß es wünschenswerth sei, in den deutsch-israelitischen Gemeinden auf dem Wege der Besteuerung, vielleicht durch einen Zuschlag von 10 pCt., die Mittel für das Armenwesen der Gemeinde selbst zu beschaffen. Auf diese Weise dürften wohl reichlich die Mittel für die allgemeine (nicht auf die einzelne Gemeinde beschränkte Hilfe) Verbesserung des Armenwesens zufließen und zum Segen gereichen! Einer genügten Beachtung empfiehlt diesen Vorschlag Bern-Bodek. Frankfurt a. M., 12. Febr. Gestern fand die Feier des löOjährigen Bestehens der israelitischen Männer-Krankenkaffe statt. In dem festlich geschmückten Gotteshause wurden 8