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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-02-23 · Heft 8 (23.2.1888) · p. Seite 119

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 8 (23.2.1888)
Date
1888-02-23
Page
Seite 119 (sequence 7)
Language
German
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119 monides sich das Verhältniß zwischen religiösem Glauben und wissenschaftlichem Denken vorgestellt hat, als manche Frage, über welche die Erklärer der Talmud-Bände geschrieben haben. Wichtig ist ferner, daß ein solcher Lehrer ein selbstständiges Urtheil darüber habe, wie die religiösen Meinungen im Laufe der Zeit sich entwickelten, und dafür könnte Azariah dei Rosst bedeutender sein als ein Dutzend oder gar ein Schock großer Talmudisten. Was aber vor Allem von einem Religionslehrer für die reifere Jugend verlangt werden kann, ist philosophische Schulung. Er muß schon um seinetwillen, um seiner moralischen Anschauung willen einen klaren Begriff davon haben, wie die letzten Ergebnisse der Forschung den Grundelementen der Religion, nicht nur nicht zuwiderlaufen, sondern geradezu sie beweisen. Die Mittel aber, um diese eigentlich stelbstverständlichen Forderungen durchzusetzen, sind bei dem Mangel an einer gemeinsamen Organisation der Juden das schwierigste. Nur die großen Gemeinden könnten Abhilfe schaffen und haben es zum Theile schon gethan. Nur allgemeiner sollte die Ueberzeugung durchdringen, die schon der Talmud (Jeruschalemi Chagigah, Pereg 1.) ausspricht: „Die Hüter des Gemeinwesens, das sind die Lehrer der Jugend." Bonn, 14. Februar. Literarischer Wochenbericht. „Jahrbücher für Jüdische Geschichte and Literatur. Herausgegeben von Dr. N. Brüll, Rabbiner der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. VIII. Jahrgang. (Frankfurt, Reitz und Köhler 1687.)" Das vorliegende Heft enthält eine Abhandlung: „Die epistolarffchen Apokryphen und die apokryphischen Zusätze zum Buche Daniel", sowie eine Reihe interessanter Miscellen und Receusionen der in den letzten Jahren erschienenen bedeutenden Schriften. — Bor längerer Zeit machte sich im Erlernen von Sprachen eine Methode geltend, welche den Unterricht in einer Sprache durch „Unterrichtsbriefe" vernutteln wollte. Im Grunde genommen, waren diese Briefe doch nichts Anderes, als eine populäre Grammatik, welche in elttsprechender Form und in einem methodischen Fortgang denen die betreffenoe Sprache nahe brachte, welche die Briefe aufmerksam studrrten. Herr Dr. Bernard Fischer in Lerpzrg wendet jetzt diese Methode auf die hebrätsche Sprache, und zwar die alt- und neuyebräijche an. Er giebt in zehn Lieferungen (Leipzig, Koch): „Hebräische Unterrichlsbriefe. Nach bewährter Methode für den Selbstunterricht mAlt- und Neuyebräisch" heraus. Die erste Lieferung brmgt im ersten Briefe eine Belehrung über die bei dem Unterrichte in der hebräischen Sprache besonders nothwendige Methode. Dieselbe muß eben, unserer Meinung nach, den Mittelweg zwischen der leichteren und der grammatikalisch gründlichen Methode einschlagen. Es ist ja nicht zu verkennen, daß für ein sehr zahlreiches Publikum gerade in der hebräischen Sprache eine mehr oberflächliche Kenntniß der grammatikalischen Form genügt. Für dasselbe beschränkt sich das Bediüfniß auf das Verständniß der Gebete und einiger Theile unserer Bibel. Eine zu sorgfältige und ausführliche Kenntniß der Grammatik von ihm fordern, heißt dieses Publikum von der Kenntnißnahme des Hebräischen überhaupt abschrecken. Und doch .ist wiederum eine grammatikalische Unterrichtsmethode nothwendig, um zu einem gewissen Ziele zu führen, da die Zeit, welche auf die Erlernung des Hebräischen verwendet wird, gegenwärtig eine zu beschränkte ist, um noch mit der alten mechanischen Methode ausreichen zu können. Wir können daher das Unternehmen des Dr. Fischer nur bestens empfehlen, da er uns jenen Mittelweg angemessen beschritten zu haben scheint. Der zweite Brief giebt einen Ueberblick über die Geschichte und Literatur der hebräischen Sprache. Der dritte handelt von der Schrift und den sonstigen Lesezeichen. Der vierte handelt „über einige Grundzüge der Sprache, mit besonderer Berücksichtigung des Nomens". Es werden hierbei Lesestücke mit Jnterlinear-Uebersetzung und ausführlicher Analyse gegeben. Der fünfte endlich giebt die „Ausarbeitung der im vorhergehenden Briefe gestellten Aufgaben" und das Pronomen. — Medieeval Jewish Chronicles and Chronological Notes, edited from printed Books and Manuscripts by Ad. Neubauer. (Oxford, at tlie Clarendon Press. 1887.) Der Herausgeber, der sich um die Veröffentlichung ungedrnckter Manuseripte schon so viele Verdienste erworben hat, richtete in dieser Schrift seine Aufmerksamkeit auf geschichtliche Monumente, weshalb er in seiner ausführlichen Vorrede genauer auf bte historische Literatur der Juden eingeht und die Abkürzungen in Titeln und Worten behandelt. Den Inhalt der vorliegenden Schrift machen zwei Responsen des R. Scherira Gaon. Ferner die Chronik R. Abraham Ben Davids, die R. Joseph Ben Zaddik, die Ergänzung R. Abraham von Torrutiel, Auszüge aus der Chronik Joseph Sambari's, zwei unbenannte Chroniken, die Chronologie des byzantinischen Kaisers, Fragmente und Zusätze aus. Man sieht hieraus, welche Bedeutung für die Geschichte der Juden uno ihrer Literatur die vorliegende Sammlung hat. — Das Kadischgebet. Inhaltlich und sprachlich erläutert von N. Anspacher, Gemeindelehrer in Goch. (Berlin, H. Jtzkowski, 1885.) Das Kadischgebet nimmt in unserer Liturgie eine so bedeutende Stelle ein, daß eine Erläuterung desselben Vielen willkommen sein möchte. Bekanntlich wird es bei unserem Gottesdienste sehr viel verwendet, am Anfang, zum Schluffe und in der Mitte der öffentlichen Gebete, der öffentlichen, denn es darf nur in Anwesenheit eines Minjan recitirt werden. Außerdem aber wird es als eine Verpflichtung für Waisen männlichen

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