Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1888)
- Date
- 1888-02-16
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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109 Malen, wo er bei Berathungen der Wiener Alliance und der Leiter des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes den Vorschlag zur Begründung von Ackerbau- und Gewerbeschulen in österr. Galizien in Anregung brachte und dessen Ausführung zu fördern suchte. — Was Magnus erstrebt, es ist nun durch Baron Hirsch zur Thatsache geworden, da er diesem großen Vorhaben bedeutende Summen zur Verfügung stellt und bereits mit einem Vertrauens - Comite in Lemberg, bestehend aus den Herren Dr. BykKlärmann und Horowitz, in Unterhandlung ist, denen die Anbahnung der Aus führung übertragen werden soll. — Magnus war es nicht vergönnt, die Vollendung seines großen, sehnsüchtig erstrebten Werkes, als die einzig mögliche Abhilfe menschlichen Elends, zu schauen.— Möge man bei den späteren Segen, welchen die Wohlthätigkeit seines jüdischen Herzens überall anbahnte und förderte, und die nun in der Begründung der Ackerbau- und Gewerbeschulen in Galizien einen Hebel zum Bessern erhält, dereinst des verstorbenen Magnus und seines rastlosen Schaffens zum Wohle der Menschheit und namentlich zum Wohle seiner jüd. Brüder eingedenk sein! p*-,3 — „Das Andenken des Edlen bleibe in dauerndem Segen!" — In Cannes starb nach der „Berl. klin. Wochenschr." in diesen Tagen ein alter Achtundvierziger, der Augenarzt Dr. Samelson, ein geborener Berliner. Samelson war zu Anfang der fünfziger Jahre in einen politischen Proceß ververwickelt, der damit endigte, daß Samelson „wegen Hochverraths" zu einer Gefängnißstrafe von fünf Monaten verurtheilt und der Ehrenrechte für verlustig erklärt wurde. Dieser Urtheilsspruch nahm Samelson zugleich die Möglichkeit, vorerst die ärztliche Praxis zu betreiben. Er mußte sich dadurch, daß er von Neuem die vorgeschriebene Zeit medicinische Studien betrieb, nochmals die Doctorwürde erwerben. Während seiner zweiten Studienzeit schloß sich Dr. Samelson vornehmlich an Albrecht von Graefe an, dem er seine Ausbildung zum Augenärzte verdankte. Später wurde Dr. Samelson obenein des Landes verwiesen. Er ging zuerst nach Frankreich, dann nach Holland, nach Belgien und schließlich nach England, wo er sich in Manchester eine zweite Heimath gründete und die Augenheilkunde mit großem Erfolge ausübte. — Aus Pest wird uns geschrieben: Der Operateur Julius Dessauer, welcher, wie früher mitgetheilt, wegen einer mißglückten Operation von den unteren Instanzen zu einer längeren Gefängnißstrafe verurtheilt worden ist, wurde dieser Tage von der k. Curie freigesprochen. Wiesbaden, im Februar. (Notiz.) Gestatten Sie mir zu den in Nr. 5 Ihrer geschätzten Zeitung anläßlich der Beerdigung des sel. Rabbiners Cohn in Baiersdorf von dem verehrten Herrn Collegen Du. Neuburger in Fürth gebrachten Mittheilungen über R. David Diespecker eine Berichtigung, resp. Ergänzung. Derselbe kam nicht von Baiersdorf, sondern von Mühringen (Württemberg) nach Metz. Nach Mühringen wurde er von Baiersdorf im Jahre 1772 zum Bezirks- oder wie es damals hieß, Landrabbiner berufen, und gehörten zu seinem Rabbinate auch die später abgetrennten hohenzollernschen Gemeinden Hechingen, Haigerloch und Dettensee. D. errichtete in Mühringen, wie dies schon einer seiner Vorgänger, R. Nathanael Weil (Verfasser des iwn: p-p), der im Jahre 1731 nach Mühringen berufen worden war, und einer seiner Nachfolger, R. Gabriel Adler (Herausgeber des im Bruder des noch lebenden Oberlandrabbiners Dr. Nathan Adler, der im Jahre 1813 nach Mühringen kam, gethan, eine Jeschibah. — Schon im Jahre 1778 folgte R. David Diespecker einem Rufe nach der damals hochangesehenen Gemeinde Metz. — Ich habe! in der bei Gelegenheit meines Amtsantritts in Mühringen! gehaltenen und veröffentlichten Antrittspredigt der genannten i rabbinischen Celebritäten Erwähnung gethan. Dr. M. Silberstein. I e u i l l e t 0 n. Kurze Betrachtungen. Etwas mehr als ein Jahrhundert ist verflossen, seitdem Lessing mit den Keulenschlägen der Wahrheit, des Scharfsinns und des Witzes den „Hauptpastor Götze" mundtodt gemacht. Man kann sich fragen: was hat es genützt? Treten nicht immer wieder derartige fanatische Mucker auf, die mit ihrem Hasse Aufklärung, Duldsamkeit, Menschenliebe verfolgen, die Mächtigen für sich und ihre traurige Lehre einzunehmen verstehen und dann noch wo möglich den blöden Haufen durch Hetzereien und Versprechungen aufzustacheln versuchen? Kam nicht auf die Schlacht, welche Lessing so siegreich geschlagen, sehr bald das Wöllner'sche Regiment, welches sogar einen Kant nöthigte, seine Vorlesungen über religiöse Gegenstände einzustellen. Hat sich seitdem nicht solches Schauspiel wiederholt abgespielt? Und droht es nicht noch im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, sein Gespinst abermals über die Welt zu breiten und Herrscher und Völker mit seinem Netze zu umstricken? Hören wir nicht dieselben Schlagwörter; dieselben Haßreden, dieselben Strafpredigten,