Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1888)
- Date
- 1888-02-16
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Vaters. Er gründete eine Buch- und Kunsthandlung, die er bis 1850 fortführte. Die geistige Bewegung im Judenthum verfolgte Ullmann mit großem Interesse; er betheiligte sich deshalb eifrig an den Verhandlungen der Rabbinerversammlung, die im Jahre 1845 dahier tagte. Andererseits nahm er thätigen Antheil an den Bestrebungen der hiesigen gelehrten Vereine. Wie sehr er von seinen Mitbürgern geachtet war, zeigte seine Wahl zum Lieutenant des 1. Bataillons der Stadtwehr (sogen. Graumänner) im Jahre 1836 und seine Beförderung zum Hauptmann im Jahre 1846. Er ist als der letzte Officier des Bataillons gestorben. 1851 wurde Ullmann zum Actuar der israelitischen Gemeinde ernannt, der richtige Mann am richtigen Platze. In dieser Eigenschaft fand er reiche Gelegenheit zur Verwerthung seines Wissens und seiner eminenten Begabung im Interesse seiner Glaubensgenossen, z. B. bei der Gründung des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes, dann bei der Herausgabe von Genealogien alter jüdischer Frankfurter Familien. Auch die hiesige Presse, namentlich die „Franks. Ztg.", hat ihm manche interessante Mittheilung zu verdanken. Seine Bekanntschaft war eine sehr ausgebreitete; mit Hendrichs, Deben und anderen Bühnenmitgliedern hatte er in dem Liebhäbertheater zu den „Drei Säuköpfen" (Badischer Hof) zusammengewirkt, mit Ferdinand Hiller, mit dem er auf der nämlichen Schulbank gesessen, unterhielt er eine lebhafte Correspondenz. Dem Bunde der Freimaurer trat er im Jahre 1844 bei und gelangte bald zu den höchsten Würden. Ullmann war ein liebenswürdiger, wohlthätiger und dabei äußerst bescheidener Mensch. (Auch uns schenkte er sein Interesse und war stets bereit, uns mit erforderlichen Notizen zu versehen. Redact.) Das Begräbniß fand ain 2. Febr. unter großer Betheiligüng statt. Die zahlreichen Vereine, denen der Verstorbene angehörte (er war u. A. Mitglied des Pflegeamtes des freien deutschen Hochstiftes, s. Z Senior der israelitischen Männerkrankencasse, Präsident des Vereins zur Aussteuerung israelitischer Bürgertöchter), fämmtliche hiesige Freimaurerlogen waren vertreten. Vorstand und Ausschuß der israelitischen Gemeinde, die in corpore der Leiche folgten, ließen auf dem Friedhofe durch Herrn Ignaz Creizenach dem treuen Mitarbeiter, der sich aus Bescheidenheit und Anhänglichkeit an alte Sitte letztwillig alle Blumenspenden verbeten, ein Lebewohl zurufen. Namens der Loge „Zur aufgehenden Morgenröthe" widmete Herr Fritz Auerbach, Namens der großen Mutterloge des eklektischen Bundes und sämmtlicher Brüder der eklektischen Freimaurerloge, Herr Benjamin Reges, Namens der Loge zum „Frankfurter Adler", deren langjähriges Ehrenmitglied Ullmann war, Herr Ernst Rosenberg warme Worte des Nachrufes. — Man schreibt aus Leipzig: Hermann Magnus, Mitglied des Central-Comites der Alliance israel. univ. in Paris, ist am 29. Januar zu Konstanz in Baden nach langem und schwerem Leiden demselben erlegen und in Leipzig am 1. Februar zur letzten Ruhestätte gebracht worden. Das zahlreiche Gefolge von Freunden und hervorragenden städtischen Persönlichkeiten zeigte in erster Reihe die Leiter und Vertreter der Leipziger israelitischen Religionsgemeinde, denen zunächst die Mitglieder des Local-Comitss der Alliance sich angeschlossen hatten. — Die große und allgemeine Theilnahme, welche die erhebende Trauerfeier gefunden, hatte wohl ihre besondere Berechtigung, da sie den Manen eines edlen Heimgegangenen galt, der, dem Muthe seiner Ueberzeugung folgend, neben der echten deutsch-patriotischen Gesinnung, die Fahne der kosmopolitischen Wohlthätigkeit hochgehalten hat. Als Einer der Wenigen, die aus der indolenten Masse der abseits stehenden Judenheit emportauchten und im Augenblicke der Gefahr sich zum Bruderbünde als treue Kampfgenossen bekannten, ward auch Magnus, der eifrig und geräuschlos seinen täglichen Berufspflichten folgte und als Mäcen in edelster Weise der Kunst und der Wissenschaft huldigte, durch den Ruf: „ün nnN ij'nä!’?" „Hälft Du zu uns oder zu unfern Feinden?" geweckt. Die Verfolgung unserer jüdischen Brüder in Rußland, das Elend und der Jammer, welche sie zu Tausenden zur Auswanderung drängte, hatten unseren edlen Heimgegangenen tief erfaßt und mit echtem Mannesmuthe trat er in die Reihe der hervorragenden Männer, die Mühe und Sorge für die leidenden Glaubensgenossen sich zur Lebensaufgabe machten und ihren Wirkungskreis auf das ganze Erdenrund ausdehnten. Treu der Devise: nr crmy W‘ — „Alle Israeliten sind für einander verantwortlich!" trat er, aus seinem Frieden herausgeschreckt, selbst die Wanderung an, um an den verschiedensten und fernsten Punkten die Quelle des Nebels zu studiren und nach Mitteln und Wegen für die mögliche Abhilfe zu suchen. — Der Erfolg war ein reicher und von Gott gesegneter, da das Central - Comite der Alliance, auf diese geistige Kraft aufmerksam gemacht, ihn mit einem Ehrendienst in diesem Wohlthätigkeitswerk beauftragte, und seiner eifrigen und aufopfernden Thätigkeit durch die anerkennende Wahl als Mitglied des Central- Comites lohnte. Seine fortgesetzten Reisen im Dienste der guten Sache führten ihn wiederholt nach Paris, wo er im Verkehr mit den Leitern der „Alliance" den Stoff seiner gemachten Erfahrungen erörterte und als ein warmer Fürsprecher für die nothwendige Abhilfe, die Aufmerksamkeit auf die nothleidenden jüdischen Brüder im Osten von Europa lenkte. Die ihm ureigene Idee, daß Deutschland sowohl, als Oesterreich, als die zunächst betheiligten Länder, zur Abwehr des anstürmenden Elends aus Rußland, im Anschluß an ein thätiges Einschreiten der „Alliance in Paris", allein im Gcunde das Uebel zu erfassen und zu heben vermag, veranlaßte seine Reisen nach Wien und Berlin zu unzähligen