Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1888)
- Date
- 1888-02-16
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 logischen Seminars zu Breslau, geht die Fortsetzung der Reime und Gedichte des „Abraham Jbn Esra" von vr. David Rosin als 3. Heft voran (Breslau, Schottländer, 1888). Herr vr. Rosin fährt hier fort, uns eine, so weit es irgend angeht, vollständige Sammlung der Poesien Abraham Jbn Esra's zu liefern, mit möglichst correctem Texte und einer getreuen metrischen Uebersetzung. In diesem Hefte gelangt er zur dritten Abtheilung „Aus Natur- und Menschenleben", zumeist Gelegenheitsgedichte oder aus freien Stücken an befreundete Männer gerichtete, zuletzt auch Lehrgedichte wie „Gesundheitskalender" und „über das Schachspiel". Man braucht es nicht erst zu bemerken, daß in diesen Poesien nicht selten uns begegnet, was unserm Geschmacke nicht entspricht. Das liegt in der Zeit, in welcher die Lieder des frommen Dichters entstanden. Dafür werden wir durch vieles Andere entschädigt, was uns erfreut und erhebt. Wir haben hier des Dichters freiere Geistesbewegung und die schöpferische Gabe, die er besaß. So gefällt sich unser Autor in der Form von Wettstreit, z. B. in einem Freudenlied nach einer stürmischen Seefahrt das Redeturnier zwischen ihm und der See, im folgenden Gedichte der Wettstreit zwischen "Sommer und Winter über ihre Vorzüge. Ueberall ein frommer und zarter Sinn, wenn auch für Lyrik zu viel Lehrton. Herr Rosin hat sich durch den Fleiß, welchen er auf seinen Gegenstand verwendet, ein tüchtiges literarisches Verdienst erworben. Eine schwierige Arbeit war die Uebersetzung, die in metrischer Form mit Reim doch so viel, wie möglich getreu sein sollte. An vielen, Stellen leidet sie hierdurch an Verständlichkeit und man blickt unwillkürlich auf den Text, uni sich den Sinn klar zu machen. Damit soll aber das Verdienst, diese Schwierigkeiten oft glücklich überwunden zu haben, nicht geschmälert werden. — „Lessing-Perlen. Eine systematisch geordnete Blumenlese aus Lessing's sämmtlichen Werken von S. Blumenau, Bielefeld, Helmich." Vor einigen Jahrzehnten gehörte es zur Modeliteratur, Auswahlen der schönsten Stellen aus klassischen Werken zu veranstalten und sie als „Blumenlese" oder unter ähnlichen Titeln zu veröffentlichen. Es war dies zu einer Zeit recht erwünscht, wo die Werke unserer Klassiker durch enorme Preise der größeren Menge nicht zugänglich waren. Nachdem dieser Uebelstand behoben war, verschwanden auch jene Blumenlesen. Jetzt jedoch möchten solche Sammlungen aus bewährten Schriftstellern doch wieder ihr Publicum haben, und ganz besonderes Gewicht legen wir auf eine solche Auswahl aus den Schriften Lessings. Außer seinen Dramen gehört Lessing zu den Schriftstellern, welche gegenwärtig mehr gelobt als gelesen werden, und es giebt ja jetzt eine euorme Zahl Menschen, die gar keine Zeit haben zum Lesen, und wenn sie einmal Zeit haben, keine Lust. Diesen zu ermöglichen, sich doch eine Vorstellung von Lessing's Ansichten und Charakter zu bilden, dazu ist gewiß die vorliegende Schrift des Herrn Blumenau, dessen „Schillergarten" schon eine 2. Auflage erlebt hat, recht geeignet. Allerdings ermangelt dieselbe jeder Vollständigkeit und dem Kenner von Lessing's Werken fallen bei jedem Schritt wichtige Aussprüche desselben ein, die er hier vermißt. Dagegen hat Herr Bl. es verstanden, ein treffliches Schema für die ausgewählten Stellen zu entwerfen, und es dem Leser so möglich gemacht, über einen bestimmten Gegenstand die Ansicht Lessing's zu erkunden. Dies war bei dem großen Reichthum der Gegenstände keine leichte Aufgabe, und nach unserer Meinung hat er sie annähernd gelöst. — „Die Psalmen in Reimen. Uebersetzung von Arnold Rosenthal I. Buch (Frankfurt a. M., Slobotzky, 1888). Wir sind niemals gereimten metrischen Uebersetzungen der poetischen Schriften der Bibel befreundet gewesen und halten noch heute als die einzig zutreffende Form die Wiedergabe des rhythmischen Ganges des Urtextes fest. In jenen gereimten Versen fehlt es zumeist an dem freien Aufschwung der Sprache und der Reichthum des Ausdrucks ist überall gehemmt, Aushilfswörtchen werden des Metrums wegen eingeschoben und recht oft unreine Reime angewendet. Indessen lenkt uns die Betrachtung, daß jedes Mittel gebilligt werden müsse, welches dem modernen Menschen und namentlich dem jetzigen Juden die h. Schrift näher bringt und seinem Geschmacke entspricht. Deshalb wollen wir den vorliegenden Versuch einer gereimten metrischen Psalmübersetzung zum obigen Zwecke empfehlen, noch dazu, da die Uebertragung nicht schwerfällig, sondern leichtfließend ist. — Drei Predigten, gehalten am Vorabende und an beiden Tagen des Neujahrsfestes 5648 (1887) in der Synagoge zu Bonn von Or. F. Cohn, Rabbiner der Synagogen- Gemeinde Bonn (Frankfurt, Kauffmann 1888). Wir können dem Vers, für die Veröffentlichung dieser drei Predigten nur Dank wissen, denn sie sind eben so gemüthvoll wie gedankenreich, schwunghaften Geistes und doch einfach und ungekünstelt im Ausdruck. Der Rückblick in die Vergangenheit, die Umschau in der Gegenwart und die Zuversicht für die Zukunft bilden natürlich den Inhalt. Sobald der Redner das Individuum in seinen persönlichen Verhältnissen ergriffen und belehrt hat, hebt er es darüber hinaus in das Allgemeine, in das Judenthum und dessen Geschichte. Dabei wählt er kurze, aber eindringliche Schriftstellen zu Texten, was den Vortheil hat, daß sie dem Hörer um so tiefer sich einprägen und in seinem Geiste verbleiben. — Das neueste Heft (Oktober bis December 1887) der ksvus ckso bituäss jui/ss Paris (A. Durlacher 1888) enthält zunächst die Fortsetzung der „biblischen Untersuchungen" von I. Halövy, diesmal über das 14. Capitel, der Genesis und einige Gegenstände aus den nachfolgenden Capiteln. Durch die Assyriologen sind zu dem Inhalt dieser Capitel viel»