Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1888)
- Date
- 1888-02-09
- Page
- Seite 91 (sequence 11)
- Language
- German
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91 verschwinden. Mit der Religion hat die Sprache, außer der hebräischen, gar nichts zu schaffen. Dies bewiesen thatsächlich unsre Brüder in den mittel- und westeuropäischen Ländern. Nun ist es richtig, daß ein großer Theil unserer Jugend bereits russisch spricht nnd schreibt; aber gerade von dieser muß die Propaganda für die russische Sprache in die Familie hineingetragen werden. Von der älteren Generation kann man einen solchen Wandel nicht fordern; aber die Männer und Frauen, mittleren Alters, können mit gutem Willen das Versäumte nachholen. Es kommt daher darauf an, diesen durch das jüngere Geschlecht die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit desselben beizubringen. Der Weg ist also geöffnet, und man wird ihn sicherlich beschreiten. Man kann daher nur wünschen, daß nicht allzuviel Zeit darüber verloren gehe. Wir haben ja Beispiele vor uns: das ältere, daß unsere deutschen Brüder ihren Dialect fast gänzlich schon aufgegeben haben und nicht wenige deutscheJuden sich in Schrift und Rede auszeichnen. Ein jüngeres Vorbild haben wir in den ungarischen Juden, unter welchen die magyarische Sprache sich immer weiter verbreitet, so daß ein nicht geringer Theil der Jugend die deutsche Sprache vermittelst Unterrichts erlernen niuß^) Italien. Rom, im Januar. Command. Jacob Malvano, Director der politischen Angelegenheiten im italienischen Ministerium des Auswärtigen, ist zum Ministre plenipoleutiaire ernannt worden. Italien hat jetzt drei jüdische Senatoren: Artom, D'Ancoua und Massarani. Rumänien. Bukarest, 24. Januar. Wie dem „P. Lloyd" telegraphirt wird, hat der Cassationshof in letzter Instanz entschieden, daß in Rumänien geborene Israeliten als Fremde zu betrachten sind. Bonn, 5. Februar. (Notizen.) Aus Pest wird uns geschrieben: Den 19. v. M. verschied in Horitz (Böhmen) der Rabbiner Dr. Adolph Ehrentheil, jüdischer Fcldprediger des 3. Armeecorps im Alter von 64 Jahren. Von 1) Ein Beispiel in kleinerem Kreise bringt die Miltheilung, daß die albanesischen Juden in Janina, welche so lange sie Unterthanen des Sultans waren, ihr alt überliefertes Spanisch sprachen, jetzt, wo sie seit dem Berliner Vertrage zu Griechenland gehören, sich die griechische Sprache zu eigen gemacht und diese auch in ihren Fainilien zu sprechen begonnen haben. Nebenbei sei bemerkt, daß sich in dieser Gemeinde recht schöne Wohlthätigkeitsvereine befinden, die in einem Manne Namens Abraham Gani ihren Gründer fanden, welcher 60,000 Frcs. dazu hergab und dadurch die Nacheiferung weckte. lRedaction.) ihm erschiene» einzelne Predigten und eine Sammlung Confirmationsreden, „der Ahronsstab". — Die Sammlung für die durch den Brand in Duna-Szerdahely Verarmten hat die Summe von mehr als 24,000 Gulden erreicht. — Man schreibt aus Frankfurt a. M.: Die Verwaltung des israelitischen Versorgungshauses hat am Röderbergweg einen Platz, etwa 15,000 Q.-Fuß groß, angekauft, um eiuen Neubau darauf zu errichten. Die gegenwärtigen Localitäten am Wallgraben haben sich schon längst als ungenügend und den Zeitverhältnissen nicht entsprechend erwiesen. — Man schreibt uns aus Brüx: Am 19. v. M. verschied in Nikolsburg der dortige Rabbiner vr. Feuchtwang im 74. Lebensjahre. Aus Pappenheim in Bayern gebürtig, hatte er in Würzburg seine Studien gemacht, seine talmudische Schulung bei R. Wolf Hamburger in Fürth erhalten und bekleidete nacheinander die Rabbinale Oettingen, Neutra und Nikolsburg, das letztere 27 Jahre. Der Verstorbene gehörte der strengsten orthodoxen Richtung an, wurde aber trotzdem von den orthodoxen Hetzern in seiner Gemeinde, sowie in der Presse des Oefteren aufs Schmählichste angegriffen, weil seine friedliebende Natur, seine innige Religiosität, sowie seine umfassende Bildung es nicht zuließen, daß er an dem Fluchen und Schimpfen der Generalpächter aller Frömmigkeit sich betheiligte. So wurde ihm vor etwa zwanzig Jahren der Vorwurf gemacht, daß er der Abschaffung des Schulklopfens und der Einführung eines Knabenchores beim Gottesdienste sich nicht widersetzt hatte. Später wieder war er Gegenstand heftigster Angriffe, weil er für Abschaffung der endlosen -put? -o eingetreten war. Als Mensch war er von wahrhaft patriarchalischer Milde, Herzensgüte und Charkterfestigkeit, seinen Schülern zu allen Zeiten ein väterlicher Freund und Berather. p'-a rr-’ oV -o?$> — In Elbing hat die aus 60 Mitgliedern bestehende Stadtverordneten-Versammlung in ihrer ersten Sitzung nach Neujahr einstimmig den vr. med. Jacobl abermals zu ihrem Vorsitzenden gewählt. — Aus Pest wird uns geschrieben: Das Gesuch der hiesigen orthodoxe» israelitischen Gemeinde, ein ihr gehöriges Grundstück als Begräbuißstätte benutze» zu dürfen, wurde vom städtischen Baurathe abschlägig beschieden, da andere als die für jeden Stadttheil bestimmten Friedhöfe nicht angelegt werden können. — Bezirksrabbiner Leopold vr. Straffer in Knla ist am 26. d. M. im Alter von 61 Jahren gestorben. — Wie man aus Warschau vom 27. d. M. berichtet, ist die größtentheils von Juden bewohnte Stadt Lokow im Gouvernement Minsk von einer Feuersbrunst heimgesucht worden, welche gegen 100 Häuser zerstört hat. Leider sind auch mehrere Menschenleben zu beklagen. Da fast nichts versichert war, sind die Verluste sehr groß. — Aus Veßprim (Ungarn) wird berichtet: Auf Anregung der hiesigen israelitischen Gemeinde wird ei» israel. Lehrer- Waisenhaus errichtet werden. Die Kaposkarer israel. Ges*