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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-02-09 · Heft 6 (9.2.1888) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 6 (9.2.1888)
Date
1888-02-09
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 jüdische Theologie durch die andauerndste Geistesarbeit erworben hat; dann aber auch dem Verlangen der jüdischen Gemeinden nach wissenschaftlich gebildeten Rabbinern. Das Seminar hat die Abtheilung, welche Halbreife von der Tertia aufwärts in den Gymnasialfächern für die Maturität vorzubereiten hatte, aufgehoben, da das Bedürfniß hierfür nicht mehr besteht und die genügende Zahl der mit dem Maturitätszeugniß versehenen sich einfand. Besonders hebt der Bericht die Feier des 70. Geburtstages des Prof. Dr. Grätz hervor, welche eine allgemeine Theilnahme erweckte. Fürth, im Januar. (Privatmitth.) Der Jahresbericht der hiesigen Gabriele-Riesser'schen Stipendienstiftung für die Zeit vom 23. April 1886 bis 21. April 1887 ist ausgegeben worden, und so erfreulich das Wirken dieser Stiftung ist, so zeigt sie doch einen bedauerlichen Rückgang, der dadurch bewirkt wird, daß für die durch Tod und Umzug ausgeschiedenen Mitglieder neue nicht in genügender Zahl eingetreten sind. Die Einnahmen betrugen M. 5570 (1600 M. weniger als im Vorjahre); die Ausgaben, welche im Vorjahre eine» Ueberschuß zurückließen, bewirkten dies Jahr ein Deficit von 272 M. Allerdings wurden von den 5843 M. Ausgaben 2000 Ai. als Activcapitalien ausgeliehen. An Stipendien wurden ausgezahlt 3500 M., welche 2 Theologen, 5 Juristen, 18 Medicinern, 3 Technikern, 5 Seminaristen und 3 Zöglingen von Lehrerinnenbildungsanstalten, also 36 Stipendiaten zugute kamen. Das Gesammtvermögen beläuft sich gegenwärtig auf 20,670 M. Interessant ist die Uebersicht seit Gründung der Stiftung (1867). Es wurden im Ganzen unterstützt: 3 Theologen mit M. 350, 66 Juristen mit M. 3365, 70 Mediciner mit M. 9450, 7 Philoldgen mit M. 1115, 24 Polytechniker mit M. 3945, 61 Seminaristen mit M. 3745, zusammen M. 27,970. Man sieht, wie spärlich die Theologie vertreten war, wogegen die Zahl der Seminaristen immerhin bedeutend genannt werden kann. In den letzten Jahren hat die Zahl der Juristen gegen die Mediciner bedeutend abgcnommen. Aus dem Schlußwort heben wir folgende Aeußerung hervor: „Der Stuvirende, wenn er nicht dem Judenthum angehört. hat in Südveutschland wenigstens vielfach den Genuß der Stipendienstiftungea, welche seit Jahrhunderten gegründet sind, und erlangt dadurch vielfach eine schätzenswerthe Anhilfe für die Zurücklegung seines Studienganges. Der Studirende jüdischer Religion aber ist eben seines religiösen Bekenntnisses halber vom Genüsse der meisten dieser Stiftungen ausgeschlossen und sohin seinen nichtjüdischen Commilitonen gegenüber ebenso unverschuldet als empfindlich benachtheiligt. Dieser Ungleichheit soll die Stiftung abhelfen. Ist sie es in der Lage, so lange ihr nicht die genügenden Mittel gewährt werden? Wäre es vielnrehr nicht Ehrenpflicht aller Glaubensbrüder, einer solchen Stiftung thätige Hilfe zuzuwenden und so zur Beseitigung des auf einem Theile der gebildeten jüdischen Jugend haftenden Druckes mitzuwirken?" Aus Württemberg, 30. Januar. (Privatmitth.) Nach einem Erlasse der k. Staatsregierung wird die israel. Kirchengemeinde Ulm von dem Rabbinate Laupheim getrennt und wird ein selbständiges Rabbinat bilden; die Stelle wird demnächst zur Bewerbung ausgeschrieben werden. Die beiden Rabbinate Buttenhausen und Freudenthal sind noch erledigt und werden wahrscheinlich mit einem benachbarten Rabbinat verbunden werden. — Wieder hat eine israel. Gemeinde Württembergs zu bestehen aufgehört: die Gemeinde Bieringen; das letzte Gemeindemitglied derselben, H. B. Stern, wurde am 20. d. M. unter großer Theilnahme aus benachbarten Gemeinden zu Grabe getragen. — In zwei größeren Städten, die sich keines besonders judenfreundlichen Rufes erfreuen, in Heilbronn und Ulm, wurden doch bei den letzten Wahlen in den Bürgerausfchuß (Stadtverordneten) Israeliten gewählt, in Heilbronn vr. Schleß und in Ulm Bankier Thalmessinger. Oesterreich-Ungarn. Wien, im Januar. In der europäischen Presse ist in der jüngsten Zeit häufig von Schenkungen bedeutenden Umfanges die Rede, welche Herr Baron Moritz Hirsch zu Gunsten seiner bedürftigen Glaubensgenossen gemacht habe; zugleich wurden Details der Stiftungen angeführt, die in verschiedenen Ländern activirt werden sollen. Nach den Informationen, die wir an unterrichteter Stelle eingeholt, besteht allerdings ein Project des Baron Hirsch für mannigfache Wohlthätigkeits - Stiftungen ausgedehntester Art, auch sind Summen hiefür in Aussicht genommen, die sich auf Millionen beziffern, doch erfordert die Ausführung des weitaussehenden Planes eine solche Menge von ernsten Vorarbeiten, um die philanthropischen Ideen des Stifters zum richtigen Ziele zu führen, daß im gegenwärtigen Augenblicke von vollendeten Tyatsachen noch nicht gesprochen werden kann. Die erste Idee zu einem derartigen Humanitätswerke entstand zur Zeit, als Baron Hirsch von dem Schicksale getroffen wurde, seinen einzigen Sprößling und nächsten Erben, einen hoffnungsvollen Sohn, der nur ein Alter von 32 Jahren erreichte, durch den Tod zu verlieren. Damals faßte er den Plan, eine Reihe von Stiftungen ins Leben zu rufen, welche sich auf unterstützungswürdige Bewohner in Galizien, ferner auf solche in Rußland und in der Türkei beziehen. Der diesen Stiftungen gemeinsame Grundgedanke ist, den culturell und social sehr oft auf einer traurig tiefen Stufe stehenden

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