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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-02-09 · Heft 6 (9.2.1888) · p. Seite 82

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 6 (9.2.1888)
Date
1888-02-09
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 schließen (14, 3), ferner „wollüstiges Herz" (16, 30), denen' das Herz „schwoll", daß sie sprachen: „Ein Gott bin ich, auf einem Göttersitz sitze ich im Herzen der Meere!" (Tyrus 28, 2), bei denen „Mund und Herz" (Wort und That) verschieden sind, denn „sie reden wohl die Worte Gottes nach, aber ihr Herz wandelt ihrem Gewinne nach" (33, 31). Auch Jecheskel gebraucht den Ausdruck „unbeschnittenen Herzens" und versteht darunter, daß die Israeliten Fremdem nachbuhlen, fremden Göttern und fremder Sittenlosigkeit (44, 9). Sein Ideal ist deshalb, daß das Volk insgesammt (ein einziges Herz) ein „neues Herz" erhalte, was er allerdings nur durch Einwirkung Gottes erhofft. Hierbei ist bemerklich, daß Jecheskel ausdrücklicher als Andere Herz und Geist (J? und nr) unterscheidet, und wenn er die ganze Seele des Menschen bezeichnen will, Herz und Geist nebeneinander stellt und verbindet. So heißt es: Gott wird Israel geben „ein neues Herz und einen neuen Geist" (18, 31); Gott wird aus Israel „das Herz von Stein entfernen und ein Herz von Fleisch geben" (11, 19), d. h. er wird jene Verstocktheit, jenen Widerstand gegen jede bessere Empfindung beseitigen und das Herz des Volkes edleren Gefühlen, der religiösen und sittlichen Besserung zugänglich machen. Desto nachhaltiger ist seine Mahnung, „die Worte Gottes sich zu Herzen zu nehmen" (3, 10), „in das Herz zu greifen" und das Böse aus ihm zu entfernen (14, 4); Alles kommt darauf an, das Herz aus seiner Verzagtheit zu retten und es zu stärken, um zu heilsamen Enschlüssen zu kommen (21, 12. 22, 14). Sehen wir uns zum Schluffe bei den zwölf kleinen Propheten um. Auch Hosea will tröstend und mahnend „zum Herzen des Volkes reden" (2, 16). Im Volke sich umblickend, sieht er „Buhlerei und Wein die Herzen einnehmen" (4, 11), ober durch den Wein öffnet sich das Herz in seiner Hinterlist (7, 6). Daruni findet er so Viele „zweideutigen Herzens", daß sie sich verschulden (10, 2). „Gesättigt, erhob sich ihr Herz", und so findet er so Biele „verschlossenen Herzens", daß sie auf das Wort des Propheten nicht hören, und sein Herz selbst aus Mitleiden sich umwendet (11, 8. 13, 8). Joel ruft zur Reue und Umkehr auf „mit dem ganzen Herzen", wie es sich in „Fasten, Wer nen und Trauer" kundthue (2, 12). Aber er will aufrichtige Reue und ruft dem Volke zu: „Zerreißt euer Herz und nicht euer Kleid" (2, 13). Obadjah geißelt „den Trotz des Herzens", der Hochmuth hegt (1, 3). Der Prophet Nahum (2, 8) sieht die Herzen schlagen vor Jammer, die Kniee schlottern — aber werden die Menschen sich aufraffen zu Gottesfurcht und Sittlichkeit? Auch Secharjah sieht die Zustände des Volkes von der düsteren Seite. Sie „wandeln ihr Herz zu Demant", was nicht den Glanz, sondern die Härte des Gesteins bedeutet, und Einer sinnt in seinem Herzen auf das Unheil des Anderen (7, 12. 8, 17). Darum weiß Hag ai dem Volke nichts Anderes zu rathen, als „das Herz auf den Wandel zu legen" d. h. ihn wohl zu erwägen und zum Besseren zu wenden (1, 5. 7. 2, 15. 18). Und der letzte der Propheten weiß zum Schluffe nichts Besseres zu verkünden, als daß in der Zeit des Heils „das Herz der Väter sich wieder zu den Kindern, das Herz der Kinder zu den Vätern wenden würde" (3, 24), also Liebe, Pflichttreue und Frieden zurückkehren und das Familienglück zur Grundlage der Gesellschaft werde. Wir glauben, hiermit die Aufgabe, die wir uns gestellt, gelöst zu haben. Indem wir die Bücher der Heilgen Schrift durchgingen, fanden wir überall, eine so lange Reihe von Jahrhunderten sie auch befassen, als den charakteristischen Zug im hebräischen Volksgeiste die große Bedeutung, die er der Gefühlswelt, dem Gemüthe, der Gesinnung, dem „Herzen" beilegte. Im Herzen fand er die Wurzel und den wesentlichen Boden des ganzen geistigen Lebens, die Quelle des Guten wie des Bösen, des Erhabenen wie des Niedrigen und Gemeinen. Hierdurch war es ihm klar, daß das Herz die ganze Seele beherrsche; alle Richtungen und Triebfedern derselben aus jenem entsprangen, so sehr, daß es auch in die Sphäre des Verstandes und der Willenskraft hineingreift, so daß das Herz selbst die Verständigkeit und die Einsicht einschließt, und selbst das Streben nach Erkenntniß fördert oder unterdrückt. Deshalb mußte die Herzensbildung, das Streben nach Veredelung und Läuterung des Herzens als Aufgabe und Ziel aller Entwickelung erscheinen. So stimmt dies mit der geschichtlichen Erscheinung überein, daß Israel weniger für die Bildung des Geistes, als für die Bildung des Herzens gethan. Wir glauben nicht zu irren, wenn wir meinen, daß gerade durch diese Eigenschaft die heilige Schrift Israels einen so großen Einfluß auf die Entwickelung der Menschheit, auf jede Stufe der Cultur und für alle Zeiten geübt hat und übt. Die Resultate des Verstandes, der Eutfaltug. des philosophischen Denkens, so überaus wichtig sie sind, unterliegen doch dem Wandel der Zeiten; sie veralten und behalten nur den culturhistorischen Werth, Sprossen auf der großen Stufenleiter der Philosophie und Wissenschaft. Aber, was das Herz betrifft, was dieses entfaltet und bildet, was die Eigenthümlichkeiten desselben darlegt, seine Bewegungen erklärt, ihm Anstoß und Richtung giebt, das ist unveränderlich, das eignet sich für alle Zeiten, das ist unsterblich in seiner A>t. — Wir haben in unserem Versuche, all dies in den Büchern der heiligen Schrift nachzuweisen, uns nur an das Wort 2> „Herz" und dessen Anwendung gehalten. Den weiteren reicheren Schatz von Aeußerungen über die menschlichen Gefühle haben wir bei Seite gelassen, zunächst, weil die Arbeit zu umfassend gewesen wäre, und dann, weil es hierzu sehr häufig der Exegese bedurft hätte, die dann leicht als unzuverlässig, als hineingelegt und ausgedeutet erscheinen

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