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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-02-02 · Heft 5 (2.2.1888) · p. Seite 77

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 5 (2.2.1888)
Date
1888-02-02
Page
Seite 77 (sequence 13)
Language
German
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77 arbeitet; mehrere Nummern sind von Herrn Henle componirt worden, einige nach alten Synagogenweisen. Die Orgelbegleitungen zu diesen Melodien, welche im Manuscript vorhanden sind, wurden fast durchgängig neu versaßt. Die liturgischen Gesänge — für Kantor und Gemeinde — so, wie sie im Tempel seit seiner Gründung vorhanden sind, entstammen meist — da alle vorigen Kantoren Portugiesen waren — den portugiesischen Synagogenweisen. Nach Reorganisation des musikalischen Theils unseres Gottesdienstes wurden dieselben von dem genannten Herrn Henle schriftlich ausgezeichnet. Die liturgischen Gesänge für „Gemeindegesang", wie sie im vorliegenden Melodienbuch zusammengestellt sind, wurden sämmtlich mit stilgerechten Orgelbegleitungen versehen, und sind ebenfalls im Manuscript vorhanden. Dieses vorausschickend, sei sowohl die neue Austage unseres Gesangbuches, das sich hier und auch anderweitig gut bewährt hat, als auch das vorliegende, auf Veranlassung unserer rührigen, der Verbesserung der Liturgie stets beflissenen Direction herausgegebene Melodienbuch den jüdischen Gemeinden bestens empfohlen. (Beide im Verlage der Israelitischen Tempelverwaltung.) Prediger Dr. Leimdörfer. Ieuitle 1 on. Gegenerklärung. Essen, a. d. Ruhr. Herr Oberlehrer Levi in Norden hat sich veranlaßt gesehen, seinen in Nr. 49 der „Israelitischen Wochenschrift" enthaltenen Artikel, die von mir für israelitische Schulen bearbeiteten Lesebücher von Haesters- Richter betreffend, bis auf das geschmackvolle Wort „entpuppen" wörtlich in Nr. 2 dieses geschätzten Organs abdrucken zu lassen.J) Für mich liegt indessen kein Grund vor, meine in Nr. 52 v. I. und Nr. 1. d. I. der genannten Wochenschrift gegen die Emdener Konferenz im Allgemeinen, sowie gegen die Herren Dr. Buchholz und Levi im Besondern geführte Bertheidigung in dieser Zeitung noch einmal zu reproduciren. Gestatten will ich mir nur, diejenigen Kollegen, welche an dieser Discussion Interesse nehmen, mit dem Bemerken darauf hinzuweisen, daß die ganze Angelegenheit für mich hiermit abgeschlossen ist.?) Blumenfeld, emerit. Hauptlehrer. vermischtes. Karl Hugo. Max Falk, einer der bedeutendsten Journalisten der Gegenwart, der Khefredacteur des „Pester Lloyd" und seit vielen Jahren ein hervorragendes Mitglied des ungarischen Abgeordnetenhauses, veröffentlichte jüngst seine Jugenderinnerungen. Er verschweigt wohlweislich, daß er der Sohn 1) Wir müssen bemerken, daß Herr Levi uns seine Antwort viel früher zugeschickt hat, deren Abdruck sich aber wegen Raummangels verspätete. Redact 2) Auch wir werden dieser Polemik weitern Raum nicht geben. Redact. jüdischer Eltern ist; daß er die schon in den dreißiger Jahren vorzügliche (jüdische) Normalschule seiner Geburtsstadt Pest besucht hat, das verschweigt er nicht. Interessant sind seine Mittheilungen über den Dramatiker Karl Hugo oder Dr. Bernstein, dessen sich dte Leser d. Ztg. aus einem früheren Jahrgange (1878 S. 29 f.) wohl noch erinnern. Falk erzählt von ihm: Um die Mitte der vierziger Jahre kam ein homöopathischer Arzt, Namens Dr. Bernstein, aus Paris zurück, welcher auf dem Gebiete der damaligen deutschen Literatur unter dem Pseudonym Karl Hugo nicht so sehr durch den inneren Gehalt seiner Werke — und doch hätte es auch dieser verdient — als vielmehr durch seine Schrullen bekannt wurde. Es giebt noch sehr Viele unter uns, welche diesen Sonderling kannten, aber sie kannten ihn bloß im letzten Stadium seines Lebens, nicht aber zu jener Zeit, als ich ihn kennen lernte und als er noch im Vollbesitze seiner körperlichen und geistigen Kraft war. Er war ein außerordentlich robustes Talent, aber er hat sich durch seine Excentricitäten, deren großer Theil meiner festen Ueberzeugung nach simulirt war, seine schriftstellerische Karriere vollkommen ruinirt. Er begnügte sich nicht damit, daß Jemand seine Dramen lobte, sondern forderte, daß Jedermann gestehe, die Welt habe solche Dramen noch nie gesehen. „Schiller war ein larmoyanter Troubadour, Goethe ein Versedrechsler, Shakespeare ein Dramenfabrikant — Poet bin nur ich!" pflegte er zu sagen. Selbstverständlich rief diese Aufgeblasenheit eine heftige Reaction hervor, so daß die Leute ihm schließlich nicht einmal dasjenige zuzugestehen geneigt waren, worauf er wirklich Anspruch hatte. Als er in sein Vaterland zurückkehrte, brachte er eine Menge Dramen mit sich, die jedoch alle deutsch geschrieben waren, allein, nachdem die deutschen Bühnen in

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