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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-02-02 · Heft 5 (2.2.1888) · p. Seite 76

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 5 (2.2.1888)
Date
1888-02-02
Page
Seite 76 (sequence 12)
Language
German
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76 Für die Rechtsanwälte des Kammergerichts legte Rechtsanwalt Goldschmidt einen prachtvollen Kranz am Sarg nieder. Von bekannteren Rechtsanwälten sah man die Justizräthe Dirksen, Winterfeld, Ornold u. A. Auch Prof. Rubo, Geh. Rath Liebert, Geh. Rath Ring, vr.Henoch, Oberstabsarzt Mayer, und namentlich auch viele Vertreter der Handelswelt, wie Komm.- Rath Israel, die Komm.-Räthe Simon, Helft u. A. halten sich eingefunden. Die Gedächtnißrede hielt Rabbiner Maybaum. — Aus Wien wird geschrieben: Den 6. d. M. verschied der k. Rath Hr. Dr. David Winternitz, dem viele Tugenden nachgerühmt werden. Er versah volle 43 Jahre das Amt eines ärztlichen Jnspicienten an der israelitischen Kinderbewahranstalt in Wien. Als im Jahre 1812 der Prof. Dr. Rosas forderte, daß man den Juden das Studium der Medicin beschränke, vertheidigte Winternitz das Recht seiner Glaubensgenossen. Den Brief von Maimonides an den Sultan von Egypten hat er ins Deutsche übersetzt. An demselben Tage verschied in Wien Frau Charlotte Pinsker geb. Barasch, die Wittwe des verewigten S. Pinsker und die Schwester des sel. Julius Barasch, der sich um die jüd. Wissenschaft und um die Juden in Rumänien verdient gemacht hat. — Crailsheim, im December. (Literarische Notizen.) Z’iy» bns II. „Gottesdienstliche Gesänge für Israeliten von M. Rosenhanpt, Obereantor der israel. Gemeinde zu Nürnberg." Edle Steine, die sich durch Härte, Glanz und Schönheit der Farben von den gemeinen Steinen unterscheiden, haben schon in den ältesten Zeiten als Zierathe der Natur die Blicke der Menschen auf sich gezogen. Solch' edle Steine, solche Juwelen finden wir auch im Reiche der Töne des Synagogengesanges. Was uns Sulzer, Lewandowski, Deutsch u. A. geliefert haben, wird uns für alle Zeiten werthvoll und thener bleiben. Diese Meister legten die Grundsteine, auf welchen weiter gebaut werden soll und muß. Das letzte Decennium hat manches auf dem Gebiete unseres liturgischen Gesanges gezeitigt, das größtentheils fraglicher Natur ist. Wenn aber auch darunter manche Perlen gehoben wurden, so hat sich doch selten das Practische mit dem Schönen vereint gezeigt. Mit um so größerer Freude begrüßen wir daher das vorliegende Werk von Rosenhaupt, das uns den vollständigen Sabbath - Morgengottesdienst mit allen, selbst den kleinsten Recitativen bringt. „Nur wahre Schöpferkraft muß walten. Wo solche Werke sich gestalten." Und in der That, R. verstand es, aus dem Borne seines musikalischen Wissens schöpfend, den Anforderungen unserer Zeit Rechnung zu tragen, denn es ist gewiß verdienstvoll von dem auch nach anderer Richtung bekannten Componisten, dem isr. Gemeindegesang ein besonderes Augenmerk zu widmen. Wir constatiren mit Vergnügen, daß sein Streben bis daher ihm voll und ganz gelungen ist. Fern von jeder Esiecthascherei strömen die Melodien und vorzüglichen Harmonien dahin. Die Tonstücke sind nicht auf die Reizbarkeit der Hörer berechnet, die gewöhnlich tonsatt machen. Nein, fast jede Pieee ist von edler Beschaffenheit des Ausdrucks, voll von sanften, zuweilen auch frappanten Modulationen, aber stets den Geist rein jüdischer Tradition wahrend, Abwechslung des Einförmigen mit dem Mannigfaltigen, immer den Geist angenehm rege haltend. Mit großer Befriedigung begegnen wir einer fast ängstlichen Reinheit der Prosodie des hebräischen Textes. Da werden dem Sch'wa, dem Chatus-Patach rc. rc. die vollen Rechte zugewiesen und immer ist die Musik dem Texte untergeordnet. Als besonders hervorragende, im großen Stil angelegte Piecen muß ich Nr. 10, den Psalm 150, Nr. 34 yo)2 , Nr. 37 mirr nxn und Nr. 40 nt?« bezeichnen, welche in keinem mir bekannten Werke vorzüglicher enthalten sind. Da ist Leben, Anmuth und echt jüdische Charakteristik vorhanden. Wir hören gleichsam alle im mWn vorkommenden Instrumente. In dem lcon wird die Majestät Gottes in Erhabenheit gepriesen und in dem mm n.Nn hören wir 'n 'd bv den göttlichen Mahnruf erst streng, dann besänftigend, tröstend. Eine Blumenlese musikalischer Schönheiten befindet sich ebenfalls unter den Recitativen, von welchen ich besonders den yzv 'D Nr. 38 hervorhebe. Die Unisono-Chöre für Chor und Gemeinde sind durchweg gefällig. Der Schlußgesang nPiy ynx bildet einen ebenso schönen als würdigen Abschluß des Ganzen. Derselbe wurde vou mir hier und sonst in vielen anderen Gemeinden mit Erfolg eingeführt und wird stets mit Begeisterung von der ganzen Gemeinde gesungen. Die äußere Ausstattung des Werkes ist eine tadellose und verdient auch nach dieser Seite hin die vollste Anerkennung. X. Hamburg, 28. December. (Literarische Notizen.) Melodien zum Gesangbuch des israelitischen Tempel-Verbands in Hamburg nebst liturgischen Gesängen, bearbeitet und ergänzt von M. Henle, Cantor am Tempel. (Hamburg 1887, Selbstverlag des Tempel-Verbands.) Die neue Auflage unseres Gesangbuches machte die Neubearbeitung des „Melodienbuches" nothwendig. Bei Herstellung desselben hat unser trefflicher Cantor, Herr M. Henle, Nachfolger des sel. Dr. Joses Piza, die alten Tempelmelodien berücksichtigt, die sich in unserem Gottesdienste eingebürgert hatten. Etliche sind bekannten Choralsammlungen entnommen oder darnach be-

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